DONNSERSTALK Gerüstet

Während in Berlin heftig darüber diskutiert wird, welchen Unterschied es macht, ob Afghanen durch deutsche oder amerikanische Tornados sterben, wurde auch Österreich erstmals bedroht. Jene »fünf« heimischen Soldaten, die ihren Dienst in der destabilisierten Region versehen, stellen nun ein Risiko dar, wie man uns per Netz mitteilt.

Der deutsche Innenminister Schäuble zeigt sich von derlei Drohungen unbeeindruckt und verweist auf den weltweiten Kampf gegen den Terror.

Nun ist Terror eine Definitionsfrage, und es gibt ihn, ähnlich dem Fernsehen, in staatlicher wie in privater Form. In Afghanistan stehen sich diese beiden Spielarten gegenüber und kämpfen um Marktanteile in der Wüste. Jedenfalls werde sich Deutschland so Schäuble keinesfalls von der Tornadolieferung abbringen lassen, da es ja um die Sicherung des Friedens gehe. Die zurückhaltende Logik dieses Satzes blieb dem Interviewer vermutlich verborgen, denn es wurde nicht weiter nachgefragt. Klar, das Gespräch war im staatlichen Radio zu hören, wo man wohl eher der These zuneigt, nur den privaten als den eigentlichen Terror anzusehen. Ganz anders die Reaktion in Österreich. » Keine Bedrohung« meint der Kanzler, na ja dann. Der FPÖ-Obmann warnt einmal mehr vor Hasspredigern. Gemeint ist diesmal nicht Kollege Stadler, sondern die Hassprediger mit islamistischem Hintergrund. Wie sehr wir für den Fall einer tatsächlichen Bedrohung gerüstet wären, kann man an den drei Fingern einer Hand abzählen.

Von Alfred Dorfer erschien 2007 das Buch »Wörtlich« (288 S., 19,50 ), eine Sammlung satirischer Texte, im Karl Blessing Verlag

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.A11
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