Die Wortführer (1) Klaus Kaldemorgen
»Mein Name ist Klaus Kaldemorgen. Ich vertrete die DWS Investments, Europas größte Publikumsfondsgesellschaft.« Wenn diese beiden Sätze auf einer Hauptversammlung fallen, wird es ernst. Denn dann steht einer am Rednerpult, dessen Glaubwürdigkeit kaum zu überbieten ist.
Seine beißende Kritik und schonungslose Analyse werden nicht rasch verhallen. Das wissen Vorstand und Aufsichtsrat.
Kaldemorgen ist das Schwergewicht der deutschen Fondsbranche und das Gesicht der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Seit 1994 verwaltet er den mit inzwischen rund 6,5 Milliarden Euro größten Aktienfonds in Deutschland, den Vermögensbildungsfonds I. Seit Dezember vergangenen Jahres ist der 54-Jährige auch noch der Deutschlandchef der DWS.
Er reist nur auf wenige Hauptversammlungen. Nur zu den Unternehmen, wo seiner Meinung nach Missmanagement herrscht. Dann liest er dem Vorstand und, wenn es sein muss, auch dem Aufsichtsrat die Leviten und stimmt ganz konsequent gegen deren Entlastung. Warum? » Weil ich davon überzeugt bin, dass die Wortmeldung bedeutender Aktionäre Wirkung zeigt.«
Legendär sind die Auftritte Kaldemorgens bei DaimlerChrysler. 2004 verlangte er die Trennung vom Verlustbringer Mitsubishi Motors. Er warf dem damaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp mangelnde Kraft vor, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Noch im selben Jahr trennte sich Daimler von Mitsubishi. 2005 kam es noch dicker. » Die Geduld der Aktionäre ist erschöpft«, wetterte Kaldemorgen. Und dann der Tabubruch schlechthin, seine Kritik am DaimlerChrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper an dem Vertreter der Deutschen Bank im Aufsichtsrat. » Wir fordern den Aufsichtsrat auf, die Zügel endlich straffer anzuziehen.«
Damit war die Emanzipation des Aktionärsvertreters gegenüber der Bank und Mutter der Fondsgesellschaft vollendet. Dieses Jahr will Kaldemorgen bei der Deutschen Telekom und bei TUI das Wort ergreifen.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.34
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