Kleiner ist feiner

Als die Bibliothekarin Jean Preston im Juli 2006 starb, löste ihr Tod ein kunsthistorisches Rätsel. Hinter der Tür ihres Schlafzimmers in Oxford hingen zwei kleine Altartafeln von Fra Angelico, die seit den Napoleonischen Kriegen als verschollen galten. Ein Experte des kleinen Auktionshauses Dukes in der Grafschaft Dorset erkannte die Bedeutung und den Wert der Heiligendarstellungen, den Jean Preston gegenüber der Versicherung mit gerade einmal 400 Pfund angegeben hatte. Nun sollen die beiden Tafeln am 19. April mehr als eine Million Pfund einbringen nicht bei Sothebys oder Christies in London, sondern bei Dukes in Dorchester.

Dass sich in letzter Zeit Sammler nicht für die großen Auktionshäuser, sondern für kleinere Unternehmen entscheiden, ist paradoxerweise Folge der anhaltenden internationalen Marktstärke. » Weil die hohen Preise immer mehr Besitzer dazu veranlassen, sich von ihren Bildern zu trennen, fallen einzelne Werke in der Fülle des Angebotes in London, Paris oder New York kaum mehr auf«, bestätigt Beate Kocher-Benzing vom Auktionshaus Nagel in Stuttgart, »also kommen sie zu uns.« Mit dem Cranach-Gemälde Christus am Ölberg etwa, das Nagel am 21. März zu einem Schätzpreis von 150000 Euro anbietet. Um das Werk hatte sich auch die Londoner Konkurrenz bemüht.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.56
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