Gute Nachrichten vom Land: Das Geschäft mit der Biomasse boomt. In wachsendem Umfang werden Raps, Mais und Zuckerrohr zu Treibstoffen oder Heizmitteln verarbeitet. Das sei ein Beitrag zur Energiesicherung und zum Klimaschutz, loben Regierungschefs von George Bush bis Angela Merkel. Über eine neue Einnahmequelle freuen sich Landwirte in aller Welt. Illustration: Smetek für DIE ZEIT BILD

Gute Nachrichten? Andere laufen Sturm gegen den Kraftstoff vom Acker. Mit vielfältigen Argumenten: In Brasilien und Südostasien werde für den Anbau von Energiepflanzen der Regenwald gefällt, kritisieren Naturschützer. Andernorts konkurriere die Biomasse mit der Produktion von Nahrungsmitteln. Heißt also der neue Zielkonflikt: Essen oder Fahren? In Mexiko gab es schon Proteste. Seit Mais auch verheizt werde, seien die Preise für Tortillas gestiegen.

Der Streit schürt die ohnehin wachsende Angst, größere Teile der Menschheit könnten in Zukunft nicht mehr satt werden. Nach neuesten Prognosen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 9,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben, etwa ein Drittel mehr Esser als heute. Seit Langem warnen Experten vor Engpässen bei der Ernährung der Menschheit. Wird es erst recht zu Hungersnöten kommen, wenn auch noch Energielieferanten den Nahrungspflanzen die Ackerfläche rauben?

Und es gibt noch mehr Gründe, sich um die künftigen Erträge aus der Landwirtschaft Sorgen zu machen. Allem voran steht der Klimawandel. Schon heute ruinieren Überschwemmungen in Mosambik und Sambia und Dürren in Australien und Südafrika häufiger als früher die Ernten. Die Welthungerhilfe ist gefordert wie lange nicht. In Südindien schwemmen ungewohnt heftige Monsungüsse den fruchtbaren Boden fort. Auch Bauern in Teilen Südamerikas können sich auf die vertrauten Rhythmen der Natur nicht mehr verlassen. Die ureigenen Grundlagen der Landwirtschaft geraten gefährlich ins Ungleichgewicht.

Zugleich ist die Landwirtschaft nicht nur Opfer des Treibhauseffektes, sie trägt selbst mit dazu bei, dass die Atmosphäre sich erwärmt. Rund ein Drittel der klimaschädlichen Gase verursacht sie durch die Umwandlung von Naturräumen in Ackerflächen und durch den gigantischen Energie-Einsatz der industriellen Produktionsweise. In den USA werden für die Herstellung von Düngemitteln pro Jahr 100 Millionen Fass Erdöl verbraucht.

Die Verdauung der Rinder heizt das Weltklima auf

Außerdem verursachen die Verdauungsprozesse von Nutztieren 60 Prozent der klimaschädlichen Methanemissionen. Die Belastung wird eher noch zunehmen, denn in Zukunft wird in Schwellenländern wie China und Indien mehr Fleisch konsumiert werden. Bis zum Jahr 2050 rechnet die Welternährungsorganisation FAO mit einer Verdoppelung der heutigen Produktion an Milch und Fleisch. Dazu müssten noch mehr Pflanzen angebaut werden, denn ein Hühnchen auf dem Teller erfordert im Vergleich mit einer pflanzlichen Mahlzeit die doppelte Menge Nahrungsenergie, Rindfleisch sogar die zehnfache. So wird das Getreide immer öfter als Viehfutter statt als Grundnahrungsmittel genutzt werden.