Post Wettbewerb um jeden Preis

Die Konkurrenten der Post haben die Löhne nach unten getrieben. Ein Tarifvertrag soll die Wende bringen.

Udo Raabe bringt den Millionären die Post und bleibt recht arm dabei. Mit bis zu 60 Kilogramm Werbung und Briefen startet er morgens auf seinem blauen Fahrrad zur 25-Kilometer-Tour durch den Berliner Villenbezirk Zehlendorf. Pro Stunde bekommt er für diese Arbeit bei der PIN AG einen Grundlohn von 5,86 Euro. Mit Prämien verdient er in einer 40-Stunden-Woche 1430 Euro brutto im Monat.

»Ich kann die Leute nicht verstehen, die dafür arbeiten«, sagt Silke Kynast. Ihre Wangen sind rot, sie schnauft. Gerade hat sie ihr Postrad eine Auffahrt in Charlottenburg hochgeschoben. Für die gleiche Arbeit wie Raabe bekommt Kynast 11,59 Euro pro Stunde. Zum Monatslohn von 1950 Euro gibt es gut 2.000 Euro Weihnachts- und Urlaubsgeld im Jahr, dazu 1.000 Euro Prämien. Sie arbeitet für die Deutsche Post und trägt stolz die blaue Hose zur Jacke mit den gelben Streifen.

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Mit Kynast trifft eine alte Postwelt auf die neue, in der sich Männer wie Raabe abstrampeln. Am 1. Januar 2008 soll es nur noch eine geben. Dann verliert die Deutsche Post wohl ihr über 100 Jahre altes Briefmonopol. Doch die Verschmelzung der Welten hat längst begonnen. Aufgrund des Börsengangs und des aufkommenden Wettbewerbs hat die Post gehandelt. Im betroffenen Geschäft mit den Briefen hat sie per saldo rund 29.000 Arbeitsplätze abgebaut, während Wettbewerber circa die gleiche Zahl neuer Stellen schufen. Längst eilen grüne PIN-Group-, orangefarbene TNT-Post- oder rote Jurex-Zusteller zu den deutschen Türschlitzen.

Ein Nullsummenspiel – auf den ersten Blick. Ein Minusgeschäft für Arbeitnehmer auf den zweiten. Und das sorgt für heftige Briefwechsel zwischen dem Wettbewerbshüter Bundesnetzagentur, der Deutschen Post und dem Arbeits- und Sozialministerium von Franz Müntefering. »Es droht ein Wettbewerb um die miesesten Arbeitsbedingungen«, schimpft Post-Personalvorstand Walter Scheurle. Müntefering wollte das Briefmonopol verlängern, sollten sich die Lohnverhältnisse in der Branche nicht bessern.

»Früher konnte man eher mal eine Pause machen«

Nach dem Postgesetz von 1997 sollte Wettbewerb die Regel werden. Heute wird dieser aber nicht über Qualität, sondern über den Preis ausgetragen. Wer den geringsten Lohn zahlt, bekommt die lukrativen Aufträge von Geschäftskunden. Und das, obwohl die Gefahr schlechter Bezahlung keineswegs übersehen wurde. Nach dem Postgesetz sollen Lizenzen versagt werden, wenn »der Antragsteller die wesentlichen Arbeitsbedingungen, die im lizenzierten Bereich üblich sind, nicht unerheblich unterschreitet«. Was aber heißt »üblich«, was »unerheblich«? Post-Vorstand Scheurle fordert, dass die Konkurrenz die Löhne deutlich erhöht. »Aus meiner Sicht wäre selbst ein Gehaltsunterschied zwischen der Deutschen Post und ihren Wettbewerbern von 30 Prozent nicht in Ordnung«, sagt Scheurle. Heute unterscheiden sich die Löhne im Osten um bis zu 50 Prozent.

Die Deutsche Post als Vorbild? »Macht man den Lohn des Monopolisten zum Maßstab, kann man die Marktöffnung vergessen«, sagt ein Regulierungsexperte. Schließlich würden die Wettbewerber oftmals in einem kleinen Marktsegment mit noch geringem Briefaufkommen arbeiten, da könnten sie keine Löhne zahlen wie der Platzhirsch. Die zuständige Bundesnetzagentur hat bisher mehr als 2.200 Lizenzen erteilt.

Zwei neue Unternehmen wachsen zu Konkurrenten der Deutschen Post heran: TNT Post und PIN Group (zu deren Eignern die Holtzbrinck-Gruppe gehört, die auch die ZEIT besitzt). Beide wollen in Zukunft ein flächendeckendes Netz wie die Deutsche Post bieten. Andere Firmen nagen an Geschäften wie dem mit sogenannten Postzustellungsaufträgen. Das sind Sendungen, die vom Empfänger unterschrieben werden müssen, beispielsweise bei Bußgeld- oder Mahnverfahren. Schon haben die Wettbewerber ein Drittel des Marktes erobert, in Berlin war die Firma Jurex besonders erfolgreich.

Leser-Kommentare
    • keox
    • 18.03.2007 um 16:46 Uhr
    1. gierig

    »Wie soll ein Unternehmer höhere Löhne zahlen, wenn er noch rote Zahlen schreibt?«

    ja, eben. wieso verlangt dieses pack überhaupt einen lohn? alles jammert nach arbeitsplätzen, sie immerhin haben einen. und anstatt ihrem schöpfer auf knien zu danken wollen sie auch noch bezahlt werden. wie soll man da profit machen?

    es ist schon eine sauerei, welche knüppel einem unternehmer hierzulande zwischen die beine geworfen werden.

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