Oberlehrerhaft

Was für ein anrührender Unterhaltungsfilm! Wie ist es möglich, dass über das grauenvolle Erleben Hunderttausender ein so mit Sentimentalitäten vollgestopftes Produkt hergestellt werden konnte und auch noch gesendet wird. Kein Respekt vor der Tragik des fürchterlichen Geschehens?

Ist das ein Film über das entsetzliche Leid der Flüchtenden oder ein Reißer für Einschaltquoten? Ich bin 86 Jahre alt und gehöre nicht zu denen, die flüchten mussten. (Und dass Angela Winkler ganz großartig spielt, rettet auch nichts mehr.)

Ingrid Giese, Hamburg

Zweimal hintereinander (Arte, ARD) sah ich den Film und teile das Unbehagen von Frau Finger. Bei solchen Themen müssen Filme wie dieser wohl den Spagat zwischen Unterhaltung und Information wagen, wollen sie ein breites Publikum erreichen. Ein Unterfangen, was niemals perfekt sein kann. Trotzdem möchte ich diesen Film vor dem Vergleich mit der Schmonzette über die Bombennacht von Dresden in Schutz nehmen, die bestenfalls der Rosamunde-Pilcher-Reihe zuzuordnen ist. Im Gegensatz zu diesem Fehlversuch war, wie Frau Finger mit gebührendem Misstrauen feststellt, das Bemühen um Differenzierung erkennbar.

Volker Best, Wilhelmshaven

Zurückhaltung ist angesagt, nicht beim »Konsum« dieses bemerkenswerten Films, sondern beim Zorn über die Rezensentin, die es nicht zulässt, dass die Mehrheit der Fernsehzuschauer die Zusammenhänge des »Dritten Reichs« sehr wohl begriffen und verarbeitet hat. Sie benötigen nicht oberlehrerhafte Hinweise auf Literatur. Sie sitzen bedrückt vor dem Gerät und sind beeindruckt vom Geschehen, das trotz einiger Längen mit sensiblen Zwischentönen überzeugt.

Werner Deppe, Hannover

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.20
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