Die Wortführer (4) Paul Russmann

Sie kämpfen gegen Rüstungsproduktion, gegen Atomenergie und umweltschädliche Geschäfte. » Wir sind in der Tat kritisch, dabei aber immer konstruktiv«, sagt Paul Russmann. Er vertritt den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre als einer von drei Vorständen.

Hauptberuflich arbeitet der 51-Jährige für die ökumenische Friedensorganisation »Ohne Rüstung leben« in Stuttgart. In seiner Funktion als Aktionärsvertreter hingegen besucht er viele Hauptversammlungen. Ein Unternehmen liegt ihm dabei besonders am Herzen: 1990 gründete Russmann die Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC). » Viele wissen gar nicht, dass DaimlerChrysler nicht nur Autos produziert, sondern über EADS auch französische Atomraketen, Minenverlegesysteme und Streubombenmunition herstellt«, sagt er.

Auf den Hauptversammlungen erntet er oft böse Blicke. » Es geht uns nicht um den Profit der Aktie«, sagt Russmann. » Wir treten für eine Unternehmenspolitik ein, die sich am Allgemeinwohl orientiert und sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz einsetzt.« So prangert er die Versäumnisse von DaimlerChrysler bei der Entwicklung des Rußpartikelfilters oder des Hybridmotors an. Und kritisiert bei Siemens den mangelnden Einsatz in der Solarenergie.

»Der Ansatz für unseren Verband stammt aus der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung in den USA«, sagt der gelernte Bankkaufmann und Diplom-Theologe. In Deutschland begann alles mit der Kritik an deutschen Unternehmen, die mit dem südafrikanischen Apartheidregime zusammenarbeiteten. 1986 wurde dann der Dachverband gegründet. 30 Organisationen und etwa 700 Fördermitglieder sind dort organisiert, außerdem unterstützen mehrere tausend Spender den Verband. Rund 5000 Aktionäre übertragen inzwischen ihre Stimmrechte an den Dachverband.

Russmann und seine Vorstandskollegen halten auf den Hauptversammlungen engagierte Reden, geben Pressekonferenzen und verteilen alternative Geschäftsberichte. Eine der spektakulärsten Aktionen: Mitglieder der Kritischen Daimler-AktionärInnen boten als Kellner auf der Hauptversammlung »Daimlers Blutcocktail« an.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.37
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