Schauspielern bei minus 35 Grad

Vom Ende der Eiszeit ist ihre bislang wichtigste Arbeit, sagt Veronica Ferres. Am kommenden Mittwoch (ARD, 20.15 Uhr) ist sie als Dorfpolizistin zu sehen, die eine Leiche im Eis der zugefrorenen Ostsee entdeckt die Tote ist die Schwester der Filmfigur.

DIE ZEIT: Die Dreharbeiten zu Ihrem neuen Fernsehfilm müssen strapaziös gewesen sein: Sie drehten bei minus 35 Grad am arktischen Zirkel in Finnland.

Veronica Ferres: So eine Kälte habe ich vorher nie erlebt. Regisseur Friedemann Fromm wollte eine Art Niemandsland als Schauplatz, das für die verschlossenen Seelen der Figuren steht. Beim Dreh trug ich fünf Schichten Wärmeunterwäsche, ich kam mir vor wie eine Mumie.

ZEIT: Wie kann man da spielen?

Ferres: Das war die Herausforderung. Alle schauspielerische Ausdruckskraft lag in der Mimik und dem Blick, da Gestik und Beweglichkeit sehr reduziert waren. Es war eine meiner schönsten Erfahrungen als Schauspielerin und mein bislang anspruchsvollster Film, weil die Polizistin Lena eine sehr komplexe Innenwelt hat. Sie scheint ein geregeltes Leben zu führen, und plötzlich steht sie vor tiefsten menschlichen Abgründen, ausgelöst durch den Tod der Schwester: Sie erinnert sich, dass ihr Vater ihre Schwester als Kind missbraucht hat. Lena war damals nicht stark genug, sie zu schützen, und muss jetzt mit den Schuldgefühlen leben.

ZEIT: Sie gründeten einen Verein, der sich dem Thema Kindesmissbrauch widmet.

Ferres: Ja, mein Mann und ich haben Powerchild bereits vor fünf Jahren gegründet. Therapeuten hatten mich damals angesprochen, um den Kindern eine Stimme zu geben und zu helfen. In dem Verein haben wir ein Theaterstück entwickelt, das durch Kindergärten und Schulen in ganz Deutschland tourt. Es passiert hin und wieder, dass sich ein Schüler nach der Aufführung outet. Nur wenn man das Thema enttabuisiert, kann man die Kinder stärken, sich zu schützen.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.66
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