Brückenbau Zum Teufel mit dem Elbtal
Dresden blamiert Deutschland, weil die Autobrücke über die Elbe nun doch gebaut werden soll. Ein Kommentar
Das Desaster raste seit Langem auf uns zu. Wie ein dicker Geländewagen, mit viel PS und maximalem Schadstoffausstoß. Alle sahen es kommen. Aber nur ein paar unerschrockene Radfahrer – gelegentlich befeuert von einzelnen Bundespolitikern, moralisch unterstützt von einer ohnmächtigen Mehrheit des Kommunalparlaments – hatten den Mut, sich dem Desaster in den Weg zu werfen. Sie haben die Elbwiesen besetzt. Sie haben vorm Rathaus demonstriert. Doch jetzt sind sie überrollt worden: Das Dresdner Elbtal wird durch eine superteure Autobrücke verschandelt.
Mit Hilfe der Gerichte hat der Fortschrittswahn, die brutale Mehrheit der Bauwütigen, Autofanatiker, Magistralenplaner obsiegt. Am Dienstag gab Sachsens Oberverwaltungsgericht grünes Licht für den Bau der mittlerweile berüchtigten Waldschlösschenbrücke, einer verkehrstechnisch sinnlosen Flussquerung. Und zwar nicht irgendwo, sondern in Dresden! Im symbolischen Zentrum des deutschen Kulturkonservatismus, der Hochburg des Denkmalschutzes, jener originalgetreu restaurierten Residenz, die zuletzt mit großer, opernhafter Geste von ihren Weltkriegsbrachen und sozialistischen Kahlschlagarchitekturen abzulenken wusste. Wozu hat man eine Frauenkirche? Seht her, rief die Stadt dem Rest der Welt zu, wir sind das gute und schöne Ostdeutschland! Nun aber zeigt sie ihr wahres Gesicht.
Es ist die Fratze der städtebaulichen Unvernunft und der ökologischen Unbelehrbarkeit. Der Sachse nämlich will rasen. Und deshalb will er um jeden Preis die Brücke. Das ergab im Jahr 2005 ein Bürgerentscheid. Im Jahr 2006 setzte die Unesco das Elbtal auf die Rote Liste des bedrohten Weltkulturerbes. Das bewog den Stadtrat, gegen die Stimmen von CDU und FDP die Vergabe der Bauaufträge zu stoppen – doch das Bundesland pochte auf den Bürgerentscheid. An der Suche nach einem politischen Kompromiss, der sowohl dem Bürgerwillen als auch den völkerrechtlichen Verbindlichkeiten des Unesco-Vertrages gerecht geworden wäre, wollte die Landesregierung sich nicht beteiligen.
Nun ist Dresden aufgefordert, die Bauaufträge zu erteilen und den Bürgerentscheid zu vollziehen. Kurzfristige juristische Handhaben dagegen gibt es keine. Zwar will der Stadtrat vors sächsische Verfassungsgericht ziehen, doch Dresdens Bürgermeister beeilt sich, den Gerichtsbeschluss durchzusetzen. Was lernen wir daraus? Man kann die Bürger nur bedingt vor sich selbst schützen. Und manchmal müssen die besten Kommunalpolitiker vor den Wählern kapitulieren. Es ist nun einmal so: Die meisten Dresdner glauben nicht an ihre Frauenkirche. Sie scheren sich wenig darum, ob die Unesco künftig noch Welterbetitel an Deutschland vergibt. Zur Strafe werden sie aber bald auf ihrer vierspurigen Brücke, die ungefähr so vernünftig geplant ist wie der Turm zu Babel, im Stau stecken.
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- Datum 14.03.2007 - 11:06 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.03.2007 Nr. 12
- Kommentare 49
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Eine Begründung für den Bau der Brücke:
Damit mehr zahlungskräftige Besucher nach Dresden kommen können, die das UNESCO Weltkulurerbe besichitgen wollen.......welches nach dem Bau der Brücke allerdings in dieser Form nicht mehr existiert!
Absurdistan!
Allerdings hätte sich der Autor das latente Ossi-Bashing auch verkneifen können, denn solche Provinzpossen finden sich überall - leider!
Dieser Artikel ist ja wohl das allerletzte! Hier urteilt eine externe Person über einen Vorgang, den sie selbst überhaupt nicht beurteilen kann.
Punkt 1 ist eine weitere Elbquerung notwendig
Punkt 2 wusste die UNESCO von der geplanten Brücke, als sie sich für Dresden entschieden hat
Punkt 3 hätte die UNESCO wohl auch nichts gesagt, wenn nicht irgendwelche Nobelpreisträger und Volksvertreter dies regelrecht eingefordert hätten.
Unabhängig von der eigenen Meinung sollte man jedoch jedes Ergebnis akzeptieren und auf eine deratige Herabwürdigung aller Sachsen verzichten (auch Herr Thierse darf sich angesprochen fühlen). Wer sich in Dresden auskennt wird übrigens auch wissen, dass von der Touristen kaum einer die Brücke überhaupt sehen wird, da sie fernab des historischen Zentrums liegt.
Dieser Artikel ist ja wohl das allerletzte! Hier urteilt eine externe Person über einen Vorgang, den sie selbst überhaupt nicht beurteilen kann.
Punkt 1 ist eine weitere Elbquerung notwendig
Punkt 2 wusste die UNESCO von der geplanten Brücke, als sie sich für Dresden entschieden hat
Punkt 3 hätte die UNESCO wohl auch nichts gesagt, wenn nicht irgendwelche Nobelpreisträger und Volksvertreter dies regelrecht eingefordert hätten.
Unabhängig von der eigenen Meinung sollte man jedoch jedes Ergebnis akzeptieren und auf eine deratige Herabwürdigung aller Sachsen verzichten (auch Herr Thierse darf sich angesprochen fühlen). Wer sich in Dresden auskennt wird übrigens auch wissen, dass von der Touristen kaum einer die Brücke überhaupt sehen wird, da sie fernab des historischen Zentrums liegt.
muss auch hier davon ausgegangen werden, dass sie entweder manipuliert wurde oder die Buerger keine Ahnung hatten. Daher ist der Beschluss des Gerichtes, die Buergentscheidung ueber alles andere zu stellen, absurd.
Die Autorin Finger sowie einige der Kommentatoren wünschen sich offenbar eine Entwicklung Europas - und speziell Sachsens - zu einer Art Disney-Park, mit freundlich grinsenden Droschkenkutschern und Massage-Salons für die Herren Touristen, im historisch-korrekt nachgestellten Ambiente.
Ich bin Dresdner und mit dieser Entscheidung nicht einverstanden.
Aber...wieso blamiert eigentlich Dresden Deutschland ???
Wenn hier - Die deutsche Einheit lässt grüßen - leider immer noch über 'Ossi und Wessi' geredet wird, sollte man sich mal die Frage gefallen lassen woher kommen denn die 'Sachsen' denen - wie war das doch gleich??? ... 'Werteverlust, Realitätsverlust, Primitivität...vorgeworfen wird.
Die meisten der leitenden Beamten, Richter und führenden Politiker im Osten kommen aus dem Westen und dachten vor 17 Jahren noch 'Dresden' sei ein russisches Mixgetränk. Wer es nicht glaubt dem seien diverse Fernsehübertragungen ans Herz gelegt (welcher Sachse hat schon einen bayrischen oder schwäbischen Dialekt) =>alte Seilschaften lassen Grüßen.
Damit habe ich auch kein Problem doch wenn wir allein dafür verantworlich gemacht werden sollen, darf man sich schon fragen wer für derartige Entscheidungen zuständig ist.
Auch wir Ossis gehen arbeiten zahlen Steuern und Solidaritätszuschlag.
Man muss kein Dresdner sein um sich ein Urteil über diese Brücke zu erlauben. Sie sollten sie sich mal den Entwurf dieses Brückenmonstrums anschauen. Das 'Blaue Wunder' war seinerzeit eine technische Meisterleistung aber die geplante Brücke liegt technisch 40 Jahre hinterher. Der Dresdner Stadtrat sollte mal über den Deutschen Tellerrand schauen wie im Ausland z.B.Schweden oder Japan gebaut wird.
Um es vorweg zu nehmen - ich bin für eine Elbquerung, aber nicht in dieser Form und vor allem nicht für das Geld. Man glaube doch nicht, dass die veranschlagten 160 Mio ausreichen. Kein Projekt der öffentlichen Hand kommt ohne Nachträge aus. Außerdem stammen die Angaben zur Bausumme von anno ...in den letzten zwei Jahren sind jedoch die Preise z.B. für Stahl gigantisch gestiegen.
Weiterhin sollten sich die Beführworter den Zahn ziehen lassen sie kämen schneller durch die Stadt. Dafür sorgen dann schon die Dresdner Verkehrs 'planer' welche sicher eine Vielzahl von netten Ampelanlagen (wer kassiert eigentlich die Provision für die Dinger) aufstellen werden.
Und bei einer Bausumme von 160Mio fallen bestimmt noch ein paar Schmiergelder für einige Herren ab. Die A72 lässt Grüßen Wie sonst ist das sture festhalten an diesem Brückenentwurf zu erklären.
Das einizige was hier bloßgestellt wurde ist die Naivität von Umweltschützern, die die Erforderdernisse der Realität kaum zur Kenntnis nehmen. Wenn man in Deutschland schon immer so gedacht hätte, besäßen wir nicht mal den Wohlstand, der solche naives Luxusverhalten erst ermöglicht.
Werteverlust, Realitätsverlust, Primitivität.
Ätzend.
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