Sprachenkrieg

Unsere liebsten Nachbarn, die Italiener, die wir seit Goten- und Goethe-Zeiten so gern besuchen, wollen uns vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen. Der Grund hat mit der schönsten aller Sprachen zu tun hat doch der Rastatter Gemeinderat beschlossen, die staatseigenen Klassenräume für den »muttersprachlichen Zusatzunterricht« zu verrammeln. Das gilt für Italienisch ebenso wie für Exjugoslawisch und Türkisch.

Selbstverständlich sind seitdem die Migrantenanwälte auf die Barrikaden gegangen wie 2006 für Bruno Bär, der heimtückisch von den Bayern erschossen wurde, obwohl er keine Sprachprobleme aufgeworfen hatte. Freilich stellt sich die Frage, ob an den Nachkommen der »Gastarbeiter«, die seit 50, 60 Jahren hier leben, das Etikett »Migrant« noch richtig fest klebt ob also der Staat die Pflicht hat, die Sprache der Großeltern konservieren zu helfen. Unsereins durfte weiland im Berliner Klassenzimmer nicht einmal »icke« sagen, weil in den karbolgetränkten Hallen nur Hochdeutsch als Verkehrssprache zugelassen war.

Ist es nicht vielmehr des Staates Pflicht, allen Kindern das Kulturwerkzeug zu verschaffen, das sie reüssieren lässt? Das Hauptinstrument ist die Landessprache, das siehe Pisa stumpf geworden ist. Deshalb, liebe Rastatter, macht die Klassenzimmer wieder auf für alle, die Zusatzunterricht in Deutsch brauchen. Und im Namen der allergrößten Kulturfreiheit: der Sprachfähigkeit, die Chancen und Aufstieg verheißt.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.6
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