Ich habe einen Traum Stoff für Schlagzeilen

Christian Slater, 37, wurde in New York geboren. Die Verfilmung von Umberto Ecos Roman »Der Name der Rose« machte den Schauspieler 1986 bekannt. Nach Erfolgen wie »True Romance« und »Interview mit einem Vampir« fiel er in den neunziger Jahren immer häufiger durch Alkohol- und Drogenprobleme auf. Slater ist jetzt in dem Film »Bobby« zu sehen, der diese Woche in den Kinos anläuft. Er handelt von der Ermordung des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert Kennedy

Lange Zeit war ich das, was man in der englischen Welt tabloid fodder nennt: Stoff für Schlagzeilen. Ich bin seit über 30 Jahren im Unterhaltungsgeschäft. Meine Erfolge waren öffentlich, und so waren es auch meine Fehler, bis hin zum kleinsten Verkehrsunfall.

Schon als Kleinkind habe ich Pampers-Werbung gemacht. Meine Mutter ist Casting-Agentin; so hatte ich beizeiten die ersten kleinen Auftritte in Soap-Serien. Mein Vater war Schauspieler. Er spielte damals jeden Abend Sherlock Holmes. Ich klebte an seinen Beinen, damit er mich mitnahm; so verzaubert war ich von der Atmosphäre im Theater. Immer wieder staunte ich, wenn er in sein Kostüm schlüpfte, den falschen Schnurrbart anklebte, auf die Bühne ging – und jemand anderer war. Er stand da oben und riss die Leute hin, bekam Lacher und Applaus. Ich durfte manchmal bei den Geräuschmachern aushelfen und fühlte mich sofort als Teil der Show.

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Mit sechs oder sieben Jahren wurde ich Model für Pierre Cardin. Aber das Einzige, was mich daran interessierte, war, mich in der Garderobe der Mädchen zu verstecken. Ich wollte beobachten, wie sie ihre Strümpfe anziehen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich erwischt und vor aller Augen herausgeführt wurde.

Die Möglichkeit, sich hinter einer anderen Identität zu verstecken, ist einer der großen Reize an meinem Beruf. Aber auch eine seiner Gefahren. Als ich begann, hatte ich keine Ahnung, was es bedeutet, Schauspieler zu sein. Ich verließ mich auf meine Instinkte und meine beschränkte Lebenserfahrung. Aber mit den Jahren fühlten sich all die kleinen Tricks ziemlich hohl an. Lange Zeit hatte ich Angst, ich könnte jeden Augenblick auffliegen, alle würden merken, dass ich nicht die geringste Ahnung von dem hatte, was ich da eigentlich tat. Ich bekam Lob, aber ich verstand überhaupt nicht, wofür.

Ich hatte niemals eine Schauspielschule besucht. Irgendwann kam ich zu Larry Moss. Larry gibt nicht nur großartigen Schauspielunterricht; was er macht, ist schon Therapie. Einfach nur die Art, wie er spricht, und was für ein Mensch er ist. Einmal probte ich eine Szene mit einem Mädchen: Es hatte sich perfekt vorbereitet, seinen Look, sein Gesicht, die Stimme. Es war aufgegangen in seiner Vorstellung von der Rolle. Ich dachte: Wie furchtbar, die übertreibt maßlos. Und verließ mich einfach auf das, was ich konnte und immer getan hatte: cool und lässig zu sein. Wir spielten die Szene vor den anderen Kursteilnehmern. Natürlich bekam sie all das Lob für ihre Anstrengung, und ich wurde belächelt, weil ich mich, überheblich, wie ich war, mit ein paar alten Tricks durchmogeln wollte. Da begann ich zu begreifen, worum es eigentlich geht.

Wir ziehen nicht nur die Kleidung anderer Leute an, wir müssen uns auch so weit wie möglich von uns selbst lösen. Wir müssen uns selbst vergessen. Das hatte ich zuvor auch auf anderen Wegen probiert, mit Drogen, Alkohol oder meiner Obsession für Schusswaffen.

Als ich 19 war, bekam ich besonders viel Anerkennung für eine Rolle in dem Film Heathers, einen coolen und wilden Typen. Ich liebte diese Figur. Sie entsprach dem Bild, das die Leute auf mich projizierten. Und ich versuchte, dem gerecht zu werden. Ich kannte mich selbst nicht besonders gut, hatte keine Ahnung, wer ich war oder wer ich sein wollte. Ich fühlte mich verloren und verwirrt, ziel- und richtungslos. Ich hatte Männer wie Sean Connery kennengelernt, mit dem ich als 15-Jähriger drehen durfte, ausgeprägte Persönlichkeiten, intensive Menschen, große Egos, denen ich versuchte nachzueifern.

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