Dokumentarfilm Definitiv brutalSeite 2/2
Dass dieser Vitalismus der Angst selbst etwas beängstigend Ideologisches hat und sich seine Übermenschen-Grenzerfahrungen auch in weniger naturverbundenen Aktivitäten suchen könnte, bleibt ein blinder Fleck des Films. Wie schon in Höllentour , Danquarts großem Tour-de-France-Film von 2004, ist die Grundhaltung Bewunderung für die bedingungslose Hingabe der Athleten an ihre herkulische Aufgabe. Wohlgefällig ruht das Kamera-Auge auf den perfekten Körpern, beobachtet die Buam akribisch beim Bandagieren der Hände, beim Sortieren der Haken, Keile, Seile, im Nirvana totaler Erschöpfung. In Heldenzeitlupe spannen sich Muskeln, weht verwegenes Haar und staubt Magnesium.
Auch bei diesem letzten Teil seiner Sporttrilogie (den Anfang machte 1999 der Eishockey-Film Heimspiel ) hat Danquart wenig dem Zufall überlassen. Die ganze Felswand hat er »durchinszeniert«, Kamerapositionen exakt berechnet, etwa die oberhalb des King Swing, bei dem die Kletterer über fast dreißig Meter zum nächsten Griff pendeln müssen. Elegant wechselt der Film zwischen der totalen Dynamik in der Wand und ruhigen Landschaftstotalen, die aussehen wie die Fotografien von Ansel Adams. Im Zeitraffer bricht über sie die Nacht herein wie ein auslaufendes Tintenfass.
Und doch ist der ganze Film die Geschichte eines Scheiterns. Zum einen, weil die Huberbuam den Rekord auch in zwei Anläufen nicht brechen können. Jeder der Brüder stürzt einmal ab, zunächst fällt Alexander, der jüngere, ungesichert fast zwanzig Meter tief, »im scheißleichten Gelände obigange«. Wie durch ein Wunder überlebt er, der Bruder trägt ihn huckepack zu Tal. Im Jahr darauf knallt Thomas beim Rekordversuch ins Seil, »hätt mir das Kreuz brechen können, hab keinen Bock mehr!«.
Aber die ganze Dramaturgie des Films baut auf ein finales Gelingen – und scheitert am Scheitern der Brüder. Von den Stürzen selbst gibt es keine Bilder. Auch ein Abstecher nach Patagonien, wo die Brüder drei der schwersten Berge der Welt überqueren wollen, misslingt: Wochenlang kauern sie in ihren Zelten, bis die Nerven vom ewigen Sturm blank geschmirgelt sind und sie unverrichteter Dinge heimreisen müssen. Ein Holzweg, für die Huberbuam und den Film.
Der Rekordversuch sei ohnehin nur der Aufhänger des Films, sagt Pepe Danquart. Ihm gehe es um die symbiotische Beziehung der Brüder: der jüngere, früh erfolgreiche Alexander, 40, Physiker und bekennender Egoist, und Thomas, 42, Idealist, Chaot, Familienvater. Doch so nah der Regisseur ihnen auch auf die braun gebrannte Pelle rückt – was diese Seilschaft wirklich aneinanderbindet, bleibt ein Rätsel.
»Warum musst du das machen?«, schimpft in einer ganz unheroischen Szene die Mama mit Thomas, »du hast zwei kloane Kinder daheim!« Ja, warum? Die Brüder zucken die Schultern, sie sind Süchtige: »Wir haben keine andere Wahl.«
- Datum 22.03.2007 - 05:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13
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ist ein Metall und sehr leicht entzündlich.
Was da so staubt wird wohl eher Magnesia sein
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