Reiseauktionen Drei, zwei, eins – Urlaub

Über das Internet-Auktionshaus eBay werden immer mehr Reisen verkauft, doch für Kunden ist Vorsicht geboten.

Idyllisches toskanisches Landgut ab einem Euro zu vermieten. Oder, nicht weniger verführerisch: Eine Woche Türkische Riviera im Fünfsternehotel mit Strandzugang ab 179 Euro einschließlich Flug. Deutschland befindet sich im Auktionsfieber. Und längst wechseln nicht nur Handys, Kameras und Computer über das Internet-Auktionshaus eBay den Besitzer, sondern auch Urlaubsreisen. Im Durchschnitt soll es alle vier Minuten eine sein. »Reise gehört bei uns zu den am stärksten wachsenden Kategorien«, sagt der eBay-Sprecher Alexander Lengen. Zurzeit habe das Online-Auktionshaus mehr als 20000 Reiseangebote im Netz.

Was sich bei eBay in der Rubrik »Reise« findet, ist ein seltsamer Mix aus Kuriositäten, die Hotels, Reisebüros und Privatleute unter den Hammer bringen. Von der Ferienwohnung im Bayerischen Wald über das Luxushotel auf den Bahamas bis hin zu Accessoires wie Kulturbeuteln, Kleidersäcken oder Adaptern wird in den Auktionslisten beinahe alles geführt. Den größten Teil nehmen Reiseangebote ein. Verkauft werden sie entweder zum Festpreis, versehen mit dem »Sofort kaufen«-Logo, oder gegen Gebot. Absolut in Mode seien Reisegutscheine, sagt Alexander Lengen. Das liest sich dann etwa so: »Geschenkidee nicht nur für Verliebte. Sieben Tage Schlossromantik für zwei Personen im Turmzimmer ab 99 Euro.«

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Was verlockend klingt, kann allerdings schnell zum Ärgernis werden, warnen Reiseexperten. »Bei vielen Angeboten lauern versteckte Kosten«, sagt Kay Rodegra, Reiserechtsanwalt in Würzburg. Denn mit dem Nennbetrag des Gutscheins ist es in der Regel nicht getan. Auch bei einem Angebot wie dem des bayerischen Barockschlösschens zahlt man am Ende mehr als die beworbenen 99 Euro. Weiter unten im Text erfährt der Kunde, dass die 30 Euro für die Endreinigung nicht im Preis enthalten sind und ebenso wenig das »leckere Frühstück«. Das könne im Schlosscafé hinzugebucht werden, heißt es dazu knapp. Ein Preis wird nicht genannt.

Gutscheine werden mittlerweile so zahlreich angeboten, dass eBay eine eigene Rubrik dafür eingerichtet hat. Täglich finden sich rund 1500 Reisevoucher für die verschiedensten Hotels auf der Seite. Die meisten stammen allerdings gar nicht von den Anbietern selbst, sondern von Vermittleragenturen wie Hotelboxx, Suite No. 3, Voucherking oder Hotel2000. »eBay ist ein hervorragender Ort, um Restplätze zu verkaufen und zusätzlichen Umsatz zu machen«, sagt der Hotelboxx-Geschäftsführer Marco Nussbaum. Hotelketten setzten inzwischen mehr als eine Million Euro im Jahr über eBay um, einzelne Hotels bis zu 10000 Euro im Monat. Profitieren kann davon auch der Kunde, denn die Ersparnis gegenüber dem regulären Preis ist oft stattlich. Allerdings hat die Sache einen Haken: In der Regel bestimmt das Hotel, ob der für ein frei wählbares Datum angebotene Gutschein zum gewünschten Termin auch eingelöst werden kann.

Es sind hauptsächlich Reisebausteine wie Übernachtungen, Flugtickets, Mietwagen und Ferienhäuser, die über eBay angeboten werden. Die großen Reiseunternehmen lassen bislang ihre Finger von Internetauktionen. »eBay ist für uns kein Vertriebsweg«, sagt die TUI-Sprecherin Anja Braun. Dennoch werden über Umwege auch Veranstalterreisen angeboten: Clevere Reisebüros versteigern Coupons zu 20, 50, 100 oder mehr Euro, die für jede bei ihnen gebuchte Reise, also auch für die von namhaften Veranstaltern wie TUI und Neckermann, gelten. Voraussetzung ist allerdings meist, dass der Umsatz um ein Vielfaches höher ist als der Nennwert des Gutscheins. Wer zum Beispiel einen 100-Euro-Gutschein für 30 Euro ersteigert und eine 1000-Euro-Reise kauft, der spart sieben Prozent.

Warum immer mehr Reisebüros auf Onlineauktionen setzen, erklärt Andreas Damaschke, Inhaber des gleichnamigen Reisecenters im nordrhein-westfälischen Rheurdt, der seit Jahren gute Erfahrungen mit Onlineauktionen macht: »eBay ist ein sehr dynamischer Markt. Und es kostet nicht viel, dort eine Reise einzustellen.« Mittlerweile kommen fast 80 Prozent seiner Kunden aus dem Netz. Durch sein Engagement beim Online-Auktionshaus habe er den Umsatz seit 2004 jedes Jahr verdoppeln können, so Damaschke. Bei den Auktionen konzentriert sich der Unternehmer auf Badeurlaub für Familien. »Da geben die Leute gerne auch mal 2500 oder 3000 Euro aus.« Damit er nicht am Ende draufzahlen muss, bleibt Damaschke vorsichtig: Ein-Euro-Einstiegspreise gibt es bei ihm nicht. Bei allen Auktionen nennt er seine volle Anschrift. »Es beruhigt die Leute, zu wissen, dass ein ganz normales Reisebüro hinter einem Angebot steckt.«

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