AlkoholkonsumBetrunkene Kinder

Christoph Möller behandelt in Hannover drogenabhängige Jugendliche. Ist der steigende Alkoholkonsum eine Modeerscheinung? Ein Interview von Achim Wüsthof

Seit Generationen berauschen sich Jugendliche mit Alkohol. Was ist heute anders?

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Krankenhaus-Aufnahmen von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung bundesweit verdoppelt. Und die Patienten werden immer jünger: Volltrunkene Kinder von elf oder zwölf Jahren sind leider keine Seltenheit mehr. Auch der Anteil an Mädchen ist deutlich gestiegen, vielleicht wegen der Alkopops.

Also eine Modeerscheinung?

Für viele Teenager ist Trinken zu einer Freizeitbeschäftigung geworden. Das sogenannte Koma-Saufen finden viele cool. Manche Kneipen fördern das durch All-you-can-drink-Angebote. Im berauschten Zustand lässt es sich leichter flirten und Hemmungen überwinden. Wenn dann bei Jugendlichen der Eindruck entsteht, Alkohol löse ihre Probleme, kann es zur Abhängigkeit kommen.

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Wie wirkt sich das auf Teenager aus?

Übermäßiger Alkoholkonsum beeinträchtigt die seelische Entwicklung, weil sich dann neuronale Vernetzungen im Gehirn anders ausprägen und gleichzeitig psychische Fähigkeiten verkümmern. Deshalb haben jugendliche Trinker ein höheres Risiko, später unter chronischer Alkoholabhängigkeit zu leiden.

Was können Eltern unternehmen?

Sie sollten deutliche Grenzen setzen, und sie dürfen sich nicht um ernste Gespräche drücken, in denen sie ihren Kindern klarmachen, wieso das Trinken schädlich ist. Viele sollten sich auch fragen, ob sie selbst ein gutes Beispiel sind: Das Trinken wird in vielen Familien bei Feiern wie eine Initiation in das Erwachsensein zelebriert.

Wie behandeln Sie Jugendliche mit Alkoholproblemen in Ihrer Klinik?

Es geht darum, die Probleme im Leben dieser Jugendlichen zu bearbeiten. Der Alkohol ist meist nur Ausdruck dafür, dass der Mensch seine Schwierigkeiten nicht meistern kann. Wenn sich ein Teenager mal besäuft, ist das ein Alarmzeichen, aber nicht jeder benötigt deshalb gleich eine besondere Therapie.

Interview: Achim Wüsthof

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