Alkohol Billiger RauschSeite 3/3

Es ist halb zwei Uhr nachts. Auf dem Weg zu den Toiletten begegnen einem Jugendliche mit roten Wangen, verschwitzten T-Shirts und glasigen Augen. Ein Mädchen mit tiefem Dekolleté kühlt ihren Körper an der Wand, ein junger Mann steht daneben und hält ihr ein Wasserglas, aus dem sie immer wieder große Schlucke nimmt. Sie sieht fertig aus, aber nicht total betrunken. Und auf der Toilette, dem Ort der Wahrheit? Finden sich hier Koma-Säuferinnen kurz vorm Kollaps? Es ist übervoll und brechend heiß. Eine junge Frau hängt über dem Waschbecken, sie spritzt sich Wasser ins Gesicht. Ihr Mascara ist verschmiert, und ihre Augen sind gerötet. »Auf einmal war ich total voll, aber es geht schon besser«, sagt sie. Zwar sei so ein Frei-Trinken verlockend, aber auch woanders habe sie es schon mal übertrieben, erzählt die 21-Jährige, die in einigen Wochen ein Lehramtsstudium anfängt. Warum sie manchmal übertreibt? »Ein bisschen Spaß antrinken. Das Wochenende ist doch die einzige Gelegenheit, wo man mal auf die Kacke hauen kann«, sagt sie.

Mit dem Kopf über der Schüssel zu hängen mache ihr nichts aus. Am Montag müsse sie doch schon wieder funktionieren, im Job, zu Hause mit den Eltern und bald auch noch an der Uni. Wenn sie weggeht, will sie endlich die Kontrolle abgeben und die gute Erziehung zu Hause lassen. In der Schicht, aus der sie kommt, lernt man nur, sich zu benehmen. Den Mut, sich auch mal danebenzubenehmen, muss man sich erst antrinken.

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Weiter hinten, wo das Licht von Rot in Violett übergeht, wird es eng. Die Musik wird lauter und die Luft feuchter. »Wer mehr trinkt, tanzt besser. Wer mehr trinkt, ist sexier. Wer mehr trinkt, ist lockerer«, das zumindest sagt die Körpersprache. Nelly Furtado besingt die Ausgelassenheit.

»Tanzen gehen« oder »trinken gehen«, hieß das früher, heute sagt man, »ich geh feiern«, wenn man loszieht. Ziel ist nicht das stupide Trinken. Das Ziel ist ein Fest. Die Kinder der Leistungsgesellschaft kippen kein Bier in der Bar um die Ecke. Sie wollen nicht ein bisschen lachen, gehemmt tanzen und ein bisschen flirten. Sie wollen, dass was abgeht, jeder Abend zählt, immer auf der Suche nach dem ultimativen Erlebnis. Normal ist öde, irgendwas Krasses soll passieren. »Wenn wir hier sind, wird es einfach immer ein geiler Abend«, hat es eben ein Mädchen an der Bar zusammengefasst.

Alkohol ist wichtig beim Feiern, er macht den ganz großen Spaß wahrscheinlicher. Und beim Flatrate-Saufen gibt es eben eine ganze Menge davon. Aber längst nicht alle schöpfen die Möglichkeiten voll aus. Die meisten trinken so viel, wie sie vertragen – mehr nicht. Oder zumindest kaum mehr.

Die Boxen wirbeln eine bekannte Melodie durch die Hitze. Die Frontfrau der Berliner Band Mia singt: »Ich bin hier, weil ich hierhin gehöre.« Und die jungen Gäste grölen mit, als wäre dies ihre Antwort auf die Frage, die sich im Moment ganz Deutschland zu stellen scheint: »Ich bin hier, weil ich hierhin gehöre! Wohin auch sonst an einem Freitagabend?«

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Leser-Kommentare
  1. ist kein Grund sich tot zu saufen.....aber ich denke der Mangel liegt eher woanders.

  2. er desinfiziert und hält unerwünschte Besucher ab.
    Schweineblut erfüllt bisweilen eine ähnliche Funktion.
    Die EU hat noch viel Arbeit vor sich, bevor die eurpäische Bevölkerung wirklich integriert ist. Aber das wird schon...
    (dann ist auch mit diesen Miniröcken Schluß, also ehrlich, wo sind wir denn, diese schamlosen jungen Dinger).

    • skeeze
    • 27.03.2007 um 9:58 Uhr

    Diese Überreaktion wegen des Alkohols ist wirklich peinlich. Als wenn plötzlich mehr getrunken wird als früher!? Und wer trinkt denn eigentlich vor? In Hamburg gibt es an der Elbe Bänke auf denen geschrieben steht: 'Erfinden Sie ein Problem'. In diesem Sinne. Prost.

  3. auf meine eigene Jugend in den 50-Jahren , muss ich feststellen, dass damals Jugendliche sehr wenig tranken. Sitten und Gebraeuche, vor allem aber die Erziehung von zu Hause ,verhinderten ein sinnloses Besaeufnis. Man wollte auch den Eindruck der Haltlosigkeit oder der Verwahrlosung vermeiden und immer noch 'einen guten Eindruck' hinterlassen.

    Offenbar befinden sich heute viel mehr Jugendliche, bedingt durch familiaere Desintegration, falsche oder gar keine Erziehung, fehlende Vorbilder, fehlende Ambitionen, in einem Zustand von moralischer und kultureller Dekadenz und verlieren immer mehr den Respekt vor sich selbst. Keine schoenen Zukunftsaussichten.

  4. Die Unsitte sich quasi zu Tode zu saufen-am besten an einem Abend ist offensichtlich eine Modekrankheit von gelangweilten Kids die zuviel Geld haben. Irgendwo in der Erziehung dieser Kamikaze Saeufer hat jemand nicht aufgepasst.

  5. ist eine Unverschämtheit, dass ein Wissenschaftler nun Jugendlichen kontrollierte Rauschzustände mittels Alk und Cannabis empfiehlt!
    http://www.deutschland-de...

  6. Um es kurz zu machen: Natuerlich hat der gute Mann recht. Natuerlich, liebe Empoerte, koennen wir den Kopf in den Sand stecken und im uebrigen darauf vertrauen, dass der wohlgeratene Nachwuchs mit Alkohol und Drogen nicht in Beruehrung kommt. Falld doch, dann wird selbiger Nachwuchs ganz sicher, all die lehrreichen Gespraeche machen es, ganz sicher hoeflch und bestimmt ablehnen. So wie es ja zwischen uns und unseren Eltern auch ganz toll geklappt hat. Ich jedenfalls haettemir einiges erspart, haetten meine Eltern eben nicht den perfekten Buben im Auge gehabt sondern einen, der wie weiland schon der Pspa ab und zu ueber die Straenge schlaegt und wenn sich diese Causa nicht so vorzueglich geeignet haette, ganz billig den Underdog zu geben.

    Das schlimme an einigen der Beitraege zu diesem Thema ist jedoch, dass manche - auch und gerade in der BRD und EU Buerokratie - so handeln als ob sie das wirklich glaubten.Selbst unsere Vorfahren im Mittelalter waren da klueger und wie eine Gesellschaft in der nur kontrolliert und verboten wird aussehen kann, das mag jeder am aufgteklaertliberalen Saudi Arabien selbst beurteilen. Wir entwickeln uns scheinbar auch zu einer Gesellschaft mit Irrenhauscharakter...
    sardonic.gd
    share what zou know, learn what you don't...

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