Roman Jeder Drink kann der letzte seinSeite 2/2

Richard Ford, wie Steward O’Nan einer jener Autoren, die sich leidenschaftlich für die Wiederentdeckung von Richard Yates eingesetzt haben, hat über Revolutionary Road geschrieben, es würde darin »zu viel getrunken und geraucht«. Das stimmt, nicht nur was die Gesundheit der Romanfiguren, sondern auch was das soziale Gefüge der Romanwelt selbst betrifft. Wenn Easter Parade, dieser wunderbare Roman, an etwas krankt, dann daran, dass schlichtweg alle Beteiligten bis hin zu den Nebenfiguren fortwährend saufen, hemmungslos und mit verrutschten Kleidern die einen, weltmännisch mit dem Cocktailglas in der Hand die anderen. Das wirkt bei einem Roman, der nicht als Anklage von »König Alkohol« angelegt ist, ein wenig überdimensioniert.

Sonst aber ist in Easter Parade gestalterisch alles exzellent austariert. Der Roman spannt seinen Bogen von den dreißiger bis zu den siebziger Jahren und bietet auch eine Art von Seelengeschichte jener Ära. Die politischen Ereignisse und die sozialen Umwälzungen werden aber nicht besonders thematisiert und von den Romanfiguren auch nur selten beredet; gleichwohl sind sie stets unaufdringlich präsent, etwa wenn immer irgendwer aus der Verwandtschaft gerade dabei ist, als Soldat in einen Krieg zu ziehen.

Drei Frauen, die scheitern: Es scheint ohne Belang zu sein, ob sie sich bemü-hen, in der Rolle von Ehefrau und Mutter zu funktionieren, oder finanzielle und familiäre Unabhängigkeit anstreben – glücklich können sie alle nicht werden. Die große, zutiefst humane Romankunst von Richard Yates besteht aber gerade darin, dass er seine begabten und gescheiterten, seine tapferen und gebrochenen Heldinnen zwar ins Elend geraten lässt, aber zugleich, in kleinen Szenen aufleuchtenden Glücks, zeigt, dass sie nicht nur Besseres verdient hätten, sondern Besseres für sie auch möglich gewesen wäre.

Zu den verblüffenden Eigenheiten des Literaturbetriebs gehört es, dass er uns, mitunter mit unbegreiflicher Verspätung, doch immer wieder vorzügliche Autoren zu entdecken gibt. Wie traurig, dass Richard Yates seinen eigenen literarischen Ruhm überlebte und schon vergessen war, als er starb; wie schön, dass wir jetzt die Gelegenheit haben, ihn endlich zu lesen.

Easter ParadeRoman; aus dem Englischen von Anette GrubeRichard YatesBelletristikBuchDeutsche Verlags-Anstalt2007München19,95297
 
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