Globalisierung Welt der SockenSeite 2/2
Schließlich ist er nach Frankreich zurückgekehrt, in die Vogesen, wo ein paar übrig gebliebene Textilunternehmen versuchen, den Kampf gegen die asiatische Konkurrenz zu bestehen.
Auf dieser langen Reise um die Welt hat Orsenna Feldarbeiter und Forscher befragt, Lastwagenfahrer, Museumsdirektoren, Diplomaten und einen Staatspräsidenten. Er hat Städte gesehen, die vom Baumwollgeld gebaut wurden, und Regenwälder, die vom Baumwollstrauch verdrängt werden. Dann hat er angefangen zu schreiben, sein Buch, das im vergangenen Jahr mit dem Ulysses-Preis für Reportage ausgezeichnet wurde.
Auf politische Ratschläge verzichtet Orsenna größtenteils: Sein Buch sei nur »der Bericht eines langen Spaziergangs«. Einer, von dem er in vielen kleinen Geschichten erzählt, die er Steinchen für Steinchen zusammensetzt. So entsteht etwas, das spannender ist als politische Besserwisserei: das Mosaik einer verrückten Realität, auf dem zu erkennen ist, wie sich rund um den Globus Menschen und Landstriche von einem Strauchgewächs derart in Besitz nehmen lassen, dass am Ende nicht mehr klar ist, wer hier wen beherrscht: der Mensch die Pflanze oder die Pflanze den Menschen. Dies zu zeigen ist die Stärke des Buchs.
Seine Schwäche ist die Erzählweise. Weiße Plantagen lebt von Menschen, die Orsenna beschreibt, doch viele von ihnen bleiben gesichtslos wie der afrikanische Bauernfunktionär François Traoré, den Orsenna zwar beim Namen nennt, aber nicht näher charakterisiert (dabei ist Traoré ein beeindruckender Mann, der es vom armen Kleinbauern bis zum Sprecher aller Baumwollbauern Westafrikas gebracht hat). Andere beschreibt er mit dem immergleichen Kunstgriff: Er vergleicht sie mit Prominenten (»sieht aus wie Dominique de Villepin«, … »wie Klaus Kinski«, … »wie William Faulkner«). Die Vorstellung des US-Cheflobbyisten Mark Lange gerät ihm zur Karikatur des dicken, ignoranten Amerikaners. Hätte er das vermieden, wäre ihm nicht nur ein interessantes, sondern ein großartiges Buch gelungen.
Weiße PlantagenSachbuchEine Reise durch unsere globalisierte Welt; aus dem Französischen von Antoinette Gittinter und Uta GoridisÉrik OrsennaBuchC. H. Beck Verlag2007München18,90288- Datum 21.03.2007 - 11:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13
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