KRITIK IN KÜRZE Schmonzette

William Boyd ist ein Schriftsteller, der mit geraden Sätze krumme Geschichten erzählt - manche nennen das dann »typisch britisch«, manche sagen »geheimnislos« dazu, auf jeden Fall funktioniert es meistens sehr gut. Boyd hat eine Biografie über einen erfundenen Maler geschrieben, er hat mit Schimpansenforschern Afrika vermessen und mit seinem Helden Logan Montstuart das 20. Jahrhundert. Er war schon immer unterwegs auf der Grenze zwischen dem Wirklichen und dem Fiktionalen.

Ruhelos nun, sein neuer Roman, treibt dieses Spiel der Täuschungen auf die Spitze mit dem Ergebnis, dass es Boyd gelungen ist, einen reichlich spannungsarmen Thriller zu schreiben, der Tiefsinn noch nicht mal heuchelt auch wenn manche das Gegenteil behaupten. Aber braucht es wirklich so eine Geheimdienstschmonzette, um die Frage zu klären, dass es recht schwierig ist, einen Menschen gut zu kennen? Die Hauptfiguren sind eine hübsche Englischdozentin und ihre Mutter, die Spionin Eva, die im Zweiten Weltkrieg abenteuerliche Sachen erlebt haben soll und diese Figuren werden nun so lieblos durch eine Geschichte geschoben, die von einem Lord, einer russischen Verschwörung und den Fallen der Liebe handelt, dass sie am Ende seltsam erschöpft wirken. Aber nun müssen sie ja nicht mehr zwischen den Jahren 1940 und 1976 hin und her hüpfen, in denen der Roman spielt - nun könnten sie sich auf das einzige Abenteuer konzentrieren, das die Mühe lohnt. Das Leben. Wenn sie dazu noch die Energie hätten.

William Boyd: Ruhelos

Roman - aus d. Engl. v. Chris Hirte - Berlin Verlag, Berlin 2007 - 367 S., 22,- e

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 22.03.2007, S.21
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