Patientenverfügungen »Ich will schmerzfrei sterben«Seite 4/4
Zypries: Das ist ein bisschen übertrieben. Aber es ist doch nicht verkehrt, wenn man zu dem Zeitpunkt, an dem man darüber entscheidet, wie man in einer Situation auf Leben und Tod behandelt werden will, sich über seine Lebenssituation Rechenschaft ablegt – und so demjenigen, der auf der Basis dieser Patientenverfügung schwerwiegende Entscheidungen treffen soll, Entscheidungshilfe leistet.
ZEIT: Bei der Abstimmung im Bundestag wird der Fraktionszwang aufgehoben werden, weil es sich um eine Gewissensfrage handelt. Auf welchen Entwurf wird sich die Mehrheit denn verständigen?
Zypries: Da will ich nicht spekulieren. Ich muss gestehen, dass ich den bisherigen Diskussionsprozess als ausgesprochen schwierig und mühsam erlebe – offenbar, weil viele Berührungsängste bei diesem Thema haben. Die Scheu, sich mit dem Tod – auch dem eigenen – zu befassen, spielt dabei sicher auch eine Rolle. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass sich viele meiner Kollegen mit dem Thema intensiv befassen und am Ende der sogenannte Stünker-Entwurf die Mehrheit findet.
ZEIT: … der in Ihrem Sinne eine maximale Reichweite des Selbstbestimmungsrechts und der Verbindlichkeit der Patientenverfügung beinhaltet.
Zypries:
Jede andere Lösung würde ich auch für verfassungsrechtlich problematisch halten.
Die Fragen stellten
TINA HILDEBRANDT
und
MARTIN KLINGST
Zum Thema
Der gute Tod ist teuer
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Wie stirbt es sich in Zeiten der Kostendämpfung? Oliver Tolmein sucht nach der Würde des Sterbens »
- Datum 28.03.2007 - 07:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13
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kommt schon noch, passt mal auf. Als wichtiger Beitrag zur Sanierung und Stabilisierung der sogenannt unfinanzierbar gewordenen Sozialsysteme.
Auch der Zeitpunkt, zu denen bestimmte Debatten angestossen werden, enthält eine Botschaft.
Die meisten Kosten verursacht ein Mensch im letzten Lebensjahr. Mir wäre sehr viel wohler, ich wüsste, dass ich dieses letzte Lebensjahr jederzeit beenden kann, wenn mich z.B. so etwas fürchterliches wie Bauchspeicheldrüsenkrebs erwischt. Ich würde auch mein eigenes Vermögen nicht für diese sinnlose und würdelose Quälerei einsetzen wollen. Altenheime und Pflegedienste verdienen sich eine goldene Nase an zwangsernährten alten Menschen, die nur noch eins wollen, nämlich möglichst schnell sterben. Frühgeborene werden mit einem vollkommen pervers anmutenden Aufwand am Leben erhalten, nur um dann mit dauerhaften Behinderungen vor sich hin zu vegetieren. Unsere Gesellschaft kann wirklich stolz sein auf diese Fehlentwicklungen. Am Ende schafft es unsere Gesundheitslobby noch, das für alte und kranke Menschen Reisen nach Amsterdem und in die Schweiz verboten sind. Ich möchte auch nicht gezwungen sein, statt in meinem eigenen schönen Zuhause in einem Schweizer Hotelzimmer zu sterben. Das Recht auf Verschreibung entsprechender Medikamente sehe ich als grundlegendes Menschenrecht. Ich bezahle sie auch gerne selbst.
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