Draußen hatte es sich kräftig abgekühlt, doch in den gewaltigen Hallen der Computermesse Cebit war es Anfang der Woche auch bei Außentemperaturen um null Grad noch bullig warm. Dabei lief die Heizung im Sparbetrieb. Die Wärme stammte von den Menschen und Lampen, zu einem guten Teil aber auch aus dem Inneren der vorgeführten Computer, Telefonanlagen, Bildschirme und Laserdrucker. Zusammengerechnet schluckt die Informations- und Kommunikationstechnik in Deutschland 35 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Das sind fast sieben Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Am Ende bleibt von dieser Energie praktisch nur Wärme. Der jährliche Elektroleerlauf verschlingt fast vier Milliarden Euro und die Energieproduktion von drei Atomkraftwerken BILD

Und das nicht nur während des Gebrauchs. Die meisten elektronischen Geräte lassen sich erst mit dem Ziehen des Netzsteckers vollständig abschalten. Ansonsten dämmern sie im Stand-by-Zustand der nächsten Nutzung entgegen. Die Netzteile bleiben warm, die Druckertrommeln vorgeheizt. Bis zu 30 Euro im Jahr kostet das bei einer Hi-Fi-Anlage, zwölf Euro bei einem PC und acht bei einem Flachbildschirm. Insgesamt schätzt das Umweltbundesamt (UBA) die jährlichen Leerlaufverluste in Haushalten und Büros auf 22 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht der Produktion von drei Atomkraftwerken und kostet fast vier Milliarden Euro.

Neu ist das alles nicht, auf der entsprechenden Website hat sich seit März 2005 nichts mehr getan. »Das war damals ein Überstundenprojekt«, sagt der zuständige UBA-Mitarbeiter Christoph Mordziol, »in den letzten Jahren hatte ich keine Zeit mehr dafür.« Erst seit der Klimawandel zum Topthema avanciert ist, stürzen sich Politik und Medien mit Vergnügen auf die alten Zahlen. Doch leider werden sie dabei oft falsch interpretiert.

Das Umweltbundesamt hat nämlich nicht nur die unnötigen Stand-by-Verluste erfasst, sondern auch die unvermeidlichen. Mehr als zehn Prozent steuern elektrische Warmwasserspeicher unter deutschen Waschbecken bei. Auch alle Anrufbeantworter, Verteilerstationen drahtloser Netzwerke oder Warmhalteplatten von Espressomaschinen wurden mitgerechnet. Diese Systeme befinden sich zwar tatsächlich oft im Leerlauf. Einfach abschalten kann man sie trotzdem nicht – es sei denn, man wäscht sich die Hände mit Kaltwasser, empfängt bei Abwesenheit keine Anrufe mehr, trinkt lauwarmen Espresso und verzichtet darauf, das Internet auch im Hobbykeller nutzen zu können.

Wolfgang Schröppel ist als Vorsitzender der Energietechnischen Gesellschaft im Verband der Elektrotechnik (VDE) für das Thema zuständig. Die wirklich überflüssigen Verluste durch Geräte, die abgeschaltet werden könnten, mangels Netzschalter aber auf Stand-by bleiben, schätzt der Ingenieur auf rund drei Milliarden Kilowattstunden jährlich. Das sind weniger als 0,2 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Fielen sie weg, könnte ein mittleres Kohlekraftwerk stillgelegt werden.

»Technisch wäre das problemlos möglich«, sagt Schröppel. Die Hersteller stimmen ihm zu. »Unsere Business-Modelle haben alle einen Netzschalter«, sagt Jürgen Reinhard vom koreanischen Flachbildschirmhersteller Samsung. Professionelle Einkäufer kalkulieren die Stromkosten mit ein und verlangen schon in der Ausschreibung einen echten Ausschalter. »Im Consumer-Bereich findet der Wettbewerb dagegen nur über den Verkaufspreis und das Design statt«, sagt Reinhard. Ein 230-Volt-Netzschalter stört da doppelt: Er kostet ein paar Cent mehr als ein Stand-by-Knopf im Niedrigvoltbereich, und das klobige Netzteil muss in den Bildschirmfuß integriert werden, sonst wird es nicht mit abgeschaltet und frisst weiter Strom.

Gegen ein Gesetz, das für Elektrogeräte einen Ausschalter vorschreibt, hätte Samsung nichts einzuwenden. »Wenn es alle Hersteller gleichermaßen trifft, würden wir es sehr schnell umsetzen«, sagt Reinhard. Ein Bildschirmmodell bleibe ohnehin nur sechs bis neun Monate auf dem Markt, »spätestens nach einem Jahr hätten alle Neugeräte einen Ausschalter«.

Ein internationales Stand-by-Verbot ist allerdings nicht in Sicht – auch wenn es New Labour im britischen Wahlkampf gerade fordert. In Deutschland herrscht Skepsis: Der Computer-Branchenverband Bitkom hat »noch keine Sprachregel« für die jüngste Verbotsdiskussion, versichert sein Umweltbeauftragter Philip Karch. Große Chancen gibt er dem Vorschlag aber nicht. Er ist überzeugt: »Die Diskussion wird bald wieder versanden.«

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