Immobilien Das Amerika-Syndrom

In den USA platzt die Immobilienblase. Schlägt die Krise auf die deutsche Konjunktur durch?

Wenn sich dieser Tage Banker in Frankfurt, London, Tokyo, Hongkong oder New York treffen, stellen sie immer dieselbe Frage: »Wo liegt das Zeug?« Mit dem »Zeug« sind amerikanische Hypothekenkredite minderer Qualität gemeint, subprime genannt. Immer mehr einkommensschwache amerikanische Hausbesitzer, die in Deutschland wohl nie einen Baukredit bekommen hätten, müssen neuerdings den Offenbarungseid leisten. Auf dem ganzen Globus grassiert seither die Angst bei den Finanzmanagern. Denn die Kredite wurden gebündelt und als komplexe Wertpapiere von Investmentbanken in alle Welt verkauft. Das Volumen ist enorm. Es wird auf mindestens 700 Milliarden Dollar geschätzt. 

Eine Frage lautet: Wer hat diese Wertpapiere gekauft? »Vor allem Asiaten und Europäer«, mutmaßt Jan Hatzius. Das erzähle man sich zumindest in New York, dem Zentrum der Verpackungskünstler von Hypothekenkrediten, sagt der Chefvolkswirt für Amerika von Goldman Sachs.

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Die Anschlussfrage lautet: Klappen demnächst deutsche Volksbanken und Sparkassen zusammen, die diese Papiere gekauft haben und ihren möglichen Wertverlust nicht verkraften? Müssen Lebensversicherer um Hilfe rufen, weil sie die Altersvorsorge der Deutschen in dieses »Zeug« investiert haben? Oder liegen die faulen Kredite bei unregulierten Hedgefonds, die sich bei den Wertpapierhändlern von der Wall Street auf Pump damit eingedeckt haben und jetzt ihre Schulden nicht mehr bedienen können? Droht damit eine weltweite Kapitalmarktkrise?

Das ist das globale Rätsel. Niemand weiß die Antwort.

Ein solcher Kredit kann durchaus im Portfolio – zum Beispiel – einer deutschen Lebensversicherung landen. Er nimmt dafür einen langen, aber für Bankiers alltäglichen Weg. Investmentbanken wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank kaufen regionalen amerikanischen Kreditinstituten zunächst die Hypotheken ab, fassen sie zu Paketen zusammen und begeben dann Wertpapiere wie Anleihen oder Zertifikate darauf. Üblicherweise sind das sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS). Aus diesen werden in einem weiteren Schritt Fonds zusammengestellt, Collateralized Debt Obligations (CDOs). Dann kommen die Ratingagenturen ins Spiel, die bewerten, wie sicher eine Investition in diese CDOs ist – und mit diesem Siegel verkaufen die Investmentbanken sie schließlich an Investoren wie Lebensversicherer.

Der subprime -Bereich war dabei lange Zeit besonders beliebt, weil er hohe Zinsen bot. Angesichts der steigenden Kreditausfälle stellt sich im Augenblick die Frage, ob die Bewertungen der Ratingagenturen gerechtfertigt waren. Sie basierten nämlich auf historischen Ausfallwahrscheinlichkeiten – also der Erfahrung, wie häufig in der Vergangenheit bestimmte Immobilienkredite nicht mehr bedient wurden. Die sind in der aktuellen Krise nicht sehr aussagekräftig.

Die Agentur Standard&Poor’s hat denn auch schon im Februar angekündigt, möglicherweise die Kreditbewertung von MBS-Anleihen, die im vergangenen Jahr ausgegeben wurden, als riskanter zu bewerten als zuvor. Und viele Brancheninsider warnen die Anleger schon ganz offen. »Ich glaube nicht, dass Investoren in Asien und Europa verstehen, wie schwerwiegend das Risiko ist«, sagt Josh Rosner, Berater beim Researchhaus Graham Fisher & Co.

Leser-Kommentare
  1. Es ist schon tragisch, dass faule Kredite irgendwann mal platzen. Und wenn dann die Börse dies 'abklatscht', ist das doch auch nur konsequent. Und in der Zwischenzeit haben sich die an den Fonds beteiligten mal wieder blöde verdient. Taugt denn jetzt der Zwischenruf, die Tragik tragen die Kreditnehmer, denen völlig unzulängliche Kredite das Leben ruiniert haben etwas? Nö, jedenfalls nicht für die Zukunft auf dem deutschen Markt - open season.....

    Aber wo ist denn das Problem? An anderer Stelle in der Zeit, Papierausgabe, ist immerhin zu lesen, dass inzwischen in D eine gewisse Aufbruchstimmung im Bankensektor zu erkennen ist, eben in dieser Hinsicht, den Immobilienmarkt mit 'neuen' Produkten zu bedienen, worin der Kreditrahmen auf bis zu 120 % und mehr des Immobilienwertes gebracht wird. Und in der Konsequenz werden die Kredite dann sicher auch an 20jährige Azubis vergeben. Ganz wie die gute Tante USA es doch lehrt.
    Und wer jetzt damit anfängt, diese supertollen Produkte madig zu machen, gefährdet Arbeitsplätze, beginnt eine Neiddebatte und ist sowieso ein unverbesserlicher Kommunist.
    Und überhaupt. Hat nicht ein Autor in 'Die Zeit' - wieder die Printausgabe, vor einigen Wochen nicht festgestellt, dass die deutschen Unternehmen diese 'Mode' der Gewinnmaximierung zugunsten der Shareholder durch die 'Mode' des Schuldenmachens ersetzen (werden), (sollen)?! Na bitte, wenn es also wieder chique wird, Schulden zu machen, dann doch bitte alle Lämmchen mitmachen - oder willste etwa Out sein?

    Als Dipl. Volkswirt lache ich nur noch. Also weiter so
    Gruß
    Moritz

    • brux
    • 22.03.2007 um 9:47 Uhr

    Schade, dass so viele Bänker nicht lesen können. Selbst meine Katze weiss, dass die Amis schon lange über ihre Verhältnisse leben. So was steht seit Jahren in der Zeitung. Nimmt man hinzu, wie US Steuergelder im Irak versenkt werden und wie unattraktiv amerikanische Produkte sind, fragt man sich, warum das amerikanische Kartenhaus eigentlich noch steht.

  2. Die US sind doch nicht weltweit auf Vergnügungsdampfern unterwegs - mit Kriegsschiffen um den Globus gewinnmaximierend herumcruisen - das ist schon eher eine Option, die ein Weltreich auf den Beinen hält.
    War leider immer so, wird leider immer so bleiben.

    Warten wir auf den nächsten Imperator...

  3. ...was Sie ueber die US uns mitteilen, es ist schon 200 Jahre lang so gewesen. Oder besser gesagt: Denselben Bericht hat man schon immer (nicht nur neulich) gelesen, und man ist immer ueberzeugt gewesen, dass es so wirklich war.

    Wir danken Ihnen, dass Sie uns wieder darauf aufmerksam gemacht haben.

  4. Seit Jahren wird schon auf die Schieflage im US-Immobiliensystem hingewiesen und es ist tatsächliche ein Katastrophe für viele Tausende Eigenheimbesitzer und Sparer, die ihr Zuhause verlieren oder ihre Ersparnisse, weil einige Banken zu wenig auf das Risiko beim Ausleihungsgeschäften geachtet haben. Aber die hier skizierten möglichen Auswirkungen dieses Problems auf das internationale Finanzsystem sind ziemlich unwahrscheinlich.

    Gerade Finanzvehikel wie MBS und CDO helfen, dass Risiko im Immobiliengeschäft breiterzu streuen. Wenn ein Bank beschließt, ihr Risiko zu verkaufen, dann ist es damit zwar nicht aus der Welt, die potentiallen Käufer erhalten aber die Möglichkeit, das Risiko einzuschätzen und je nach Risikoappetit auf sich zu nehmen.

    MBS und CDO werden üblicherweise in mehrere Tranchen aufgeteilt, die eine unterschiedliche Priorität bei der bedienung der Zahlungen genießen. So gibt es i.d.R. eine AAA-Tranche, die vorranging bedient wird, eine Tranche mittlerere Bonität une ein Junk-Tranche, die nur dann bedient wird, wenn die beiden anderen Tranchen vollständig bedient worden sind. Lebensversicherer und Banken kaufen aber ohnehin nur die Tranchen guter Bonität, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls selbst bei verherenden Ausfallsraten der Schuldner äußerst gering ist, da zuerst die Junk-Tranche komplet ausfallen müsste. Die Junk-Tranche wird nur von hoch spekulativen (Hedge-)Fonds gekauft. Wer sowas besitzt, sollte das Risiko kennen und Verluste finanziell verkraften können.

  5. Was passiert in unserem Finanzsystem mit faulen Krediten? Sie werden abgeschrieben. Wie man sich noch aus den Krise der Lateinamerika-Anleihen erinnert (damals, in den 70ern, wurde das Geld der Scheichs aus den Ölkriesen dorthin gepumpt) kann das Jahrzehnte dauern, sofern man dem Schuldner nicht die Luft abdrückt und zu beiderseitig akzeptablen Umschuldungsvereinbarungen kommt. Bezahlt hat dieses Fehlinvestment dann im Endeffekt der Steuerzahler.

    Bei Hypotheken ist das noch unkomplizierter. Schliessslich stehen die Immobilien noch. Das Geld ist nicht weg sondern hat nur in eine andere Asset-Form gewechselt. Diese ist jetzt in der Krise nur weniger wert als beim Kauf. Wie sichert man die Liquidität des Schuldners, dass er zumindest seine Kreditzinsen zahlen kann? Über die Tilgung wird man dann neu verhandeln müssen.

    Das Problem liegt ja schon vom Volumen her nicht bei den 'subprimes' (etwa 14%) sondern den 'teasers' (geschätze 30 - 35 %). Bei diesen Lockangeboten wird in den ersten Jahren nur ein niedriger proforma-Zins gezahlt. Dann nach drei Jahren kommt der volle Satz für Zinsen + Tilgung und die in den ersten Jahren gestundeten Beträge werden auch noch draufgehauen. Da die Immo-Krise ja schon seit 2005 dauert trifft es hier die ersten. Die sind zum Glück nicht so blöd gleich auszuziehen sondern klagen erst einmal gegen die undurchsichtigen Verträge der Kreditinstitute und deren falsche Beratung. So was kann in den USA lange dauern.

    Die interessantere Frage ist eher, war es das jetzt mit der Korrektur bei den Immobilien. Historisch gesehen haben wir erst die Hälfte der Korrektur hinter uns, wenn man die 'Housing Starts' als Indikator benutzt (25% vs 50% im Durchschnitt). Nach einer kurzen Verweildauer könnte es durchaus nochmals genau so tief weiter runtergehen.

    Über einen noch längeren Zeitraum gesehen passiert natürlich nicht viel. Bereits seit 17 Monaten fällt die Zahl der Bauanträge. Sei einem dreiviertel Jahr liegt diese Zahl unter dem langfristigen Durchschnitt. Im Augenblick wird noch der Bestand an Neubauten verramscht. In spätestens einem Jahr ist der Vorrat abgebaut.

  6. Das 'Pump-Imperium' der Vereinigten Staaten von Amerika ist schwer herzkrank und so wird es wohl unvermeidlicherweise dazu kommen, dass die Tüchtigen in aller Welt das faule Geld, welches die Optimisten aller Länder in die USA gepumpt haben, verlieren werden.

    Insofern steht Amerika Argentinien in Nichts mehr nach, denn bekanntlicherweise konnte der Staatsbankrott am Rio de la Plata =>> zu deutsch Geldfluss, von den Argentiniern nur noch durch eine Umschuldungsaktion abgewendet werden, die vielen Rentnern ihre Ersparnisse nahmen was damals (2005) sogar zu Handgreiflichkeiten im italienischen Parlament führte.

    Mit einer Weltmacht, die ihr Know-How hauptsächlich für die Entwicklung von Militärtechnik verwendet, muss jetzt Tacheles geredet werden. Das derzeit als populistisches Vorgehen gebrandmarkte strategische Verhalten der SPD-Führung sollte deshalb sogar mit noch mehr Nachdrücklichkeit versehen werden. Zumal sich die USA nicht gerade aus Versehen ihre eigene Schuldenfalle konstruiert haben, sondern eher aus dem Kalkül heraus, wenn schon denn schon den Rest der Welt mit in einen Abgrund zu ziehen.

  7. Schon wieder mal eine deutsche Katastrophenmeldung über die entsetzlichen Zustände in den USA. Erfreulicherweise beschränken sich diese Hiobsbotschaften stets nur auf die deutsche Presse, so dass der amerikanische Leser gar nicht merkt, wie entsetzlich es ihm geht, wenn er sich morgens an den Frühstückstisch setzt.

    Selbst die wohlinformierte FED scheint nicht so beunruhigt zu sein wie die seit Jahren unter US-Blasen leidende deutsche Presse, denn erst gestern hat Bernanke die Zinsrate abermals unverändert gelassen, da vorerst keine Gefahr von Arbeitslosigkeit oder Inflation bestehe. Offenbar sind sich diese Leute überhaupt nicht bewusst, wie katastrophal ihre Situation eigentlich ist. Aber was wissen die Amerikaner schon von der US-Wirtschaft. Sie sollten mehr deutsche Zeitungen abonnieren.

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