Es ist noch nicht so lange her, da haben sie über »nachhaltiges Wirtschaften« gelacht. Als Vorstand oder Investment Relations Manager aus der Chemie, dem Bergbau, dem produzierenden Gewerbe und anderen tendenziell umweltbelastenden Branchen kümmerte man sich nicht um Öko- und Sozialgeschmuse.

Doch spätestens seit einem halben Jahr, sagt Ralf Frank, sei das ganz anders. Der Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) erzählt, dass die Manager jetzt Schlange stünden, um bei seinem Analysten- und Anlageberaterverband mehr über »Corporate Social Responsibility« zu erfahren. Was sollen sie sagen, wenn institutionelle Anleger sie nach der ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung ihres Unternehmens fragen?

Frank selber drückt sich ganz kategorisch aus. »Kein bedeutendes Unternehmen kann es sich mehr leisten, Nachhaltigkeit zu vernachlässigen«, meint der DVFA-Geschäftsführer.

Auch unter kühlen Rechnern in der Finanzbranche hat es sich nämlich herumgesprochen, dass ökologisches und soziales Fehlverhalten einen Konzern teuer zu stehen kommen kann. Mal drohen Klagen oder Strafzahlungen, wenn ein Unternehmen gegen Menschenrechtsvorstellungen oder Umweltgesetze verstößt, mal geht es um den Imageschaden.

Auch Ratingagenturen wie Standard & Poor’s und Moody’s, denen es um die Anlagesicherheit geht, nehmen neuerdings solche Aspekte in ihre Analysen auf. Und seit der deutschen Bilanzrechtsreform von 2005 müssen Unternehmen in ihren Lageberichten nicht mehr nur vom Geld reden, sondern auch von »nichtfinanziellen« Leistungsindikatoren einschließlich der Umwelt und der Zufriedenheit der Mitarbeiter. Die West LB schätzt, dass ökosoziale Kriterien den Aktienkurs deutlich beeinflussen können, im Schnitt um zehn Prozent.

»Die Missachtung solcher Aspekte«, mahnt Paul Q. Watchman, Partner der internationalen Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, »stellt oft einen Bruch der rechtlichen Pflichten institutioneller Investoren dar.« Das ist den Großanlegern inzwischen auch klar geworden.