Draußen auf dem Rollfeld tanken sie gerade die Maschine nach Moskau auf, als dieser Mann auftaucht, der für alles eine Erklärung hat. Mit tapsigen Schritten läuft der Schatzmeister des Fußballvereins Schalke 04 durch den Düsseldorfer Flughafen, und in seinem Lächeln liegt ein Triumph. Man müsse, sagt er, alles in der richtigen Reihenfolge erzählen, von Anfang an. Die anderen Vorstände des FC Schalke warten, dass es endlich losgehen kann, aber Josef Schnusenberg, der 66jährige Schatzmeister, hat gerade seinen Anfang gefunden. »Die Böklunder Würstchen.« Im Zenith-Stadion in St. Petersburg BILD

Im Oktober vor anderthalb Jahren sei es gewesen, der FC Schalke spielte in Istanbul, 3:3. Danach fuhr der Bus mit den Leuten aus Gelsenkirchen zurück zum Flughafen, als einer der Mitreisenden am Straßenrand ein Werbeschild gesehen und gefragt habe: »Warum ruft ihr nicht mal bei Gasprom an?« Der Mann, der das in den Bus rief, heißt Peter zur Mühlen, ist Chef der Böklunder Würstchenwerke, ein Sponsor von Schalke. Zuerst, erzählt der Schatzmeister, habe er noch an einen Scherz geglaubt, aber »der Clemens« nicht, der Clemens habe noch im Bus geantwortet: Jawoll, Gasprom, da rufen wir an.

Auch Clemens Tönnies, der Aufsichtsratschef des Vereins, kennt sich mit Würsten aus. In Deutschland schlachtet und zerlegt er die meisten Schweine, zehn Millionen Schweine im Jahr. Deshalb nennen ihn manche den Kotelett-Kaiser. Sein Betrieb steht in Rheda-Wiedenbrück, und einen Wettkampf hat er geschaffen, die Deutsche Zerlegemeisterschaft. Der Erlös des Turniers geht an den Verein »Fleisch zur Freude der Kinder«. Schatzmeister Schnusenberg könnte das noch stärker ausschmücken, weil er den Großschlachter so gut kennt, den alten Freund und treuen Kunden.

In der Schlachterei hat Schnusenberg ein eigenes Büro, eine Filiale seiner Steuerberatungskanzlei. Der Schatzmeister ist auch Generalbevollmächtigter des Fleischfabrikanten. So saßen also der Schatzmeister und sein Aufseher, der die Geschäfte des FC Schalke kontrollieren soll, einträchtig beisammen, umgeben von sterbenden Schweinen, und dachten über den russischen Energiemulti Gasprom nach. Das sei, sagt Schnusenberg, »ein schöner Deal geworden«.

Geholfen habe dem Clemens, erzählt Schnusenberg auf dem Weg zur Passkontrolle im Flughafen, dass der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder ihm einen Termin bei Gasprom verschafft habe, obwohl Schröder doch ein Fan des Schalker Rivalen Borussia Dortmund sei. Als später die Partnerschaft besiegelt war, habe sogar Putin dem Clemens die Hand geschüttelt. Glaubt man dem Glanz in Schnusenbergs Augen, muss sich der Fleischfabrikant vorgekommen sein, als habe er Borussia Dortmund zur Schlachtbank führen dürfen.

Die Stimmung war grandios, der Gastgeber hatte für alles gesorgt