Österreich

Allzeit bereit

Alfred Dorfer über die Folgen unerwünschter Bereitschaftsdienste

Mit einer bemerkenswerten Idee ließ unlängst die Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky aufhorchen: Ihr Vorschlag, Ärzte sollten 24-stündige Bereitschaftsdienste leisten, ist natürlich nachvollziehbar, da wir ja wirklich keine Professoren brauchen, die bei einem verstauchten Knöchel dem Patienten raten: »Legen Sie sich Topfen drauf!« Nun ist der verstauchte Knöchel Volkskrankheit Nummer eins, und bei weniger häufigen Leiden wie Herzinfarkt oder Krebs wird uns dieser Topfen vermutlich ebenfalls weiterhelfen. Zumindest im Ansatz wäre es aber interessant, die ständige Bereitschaft auch auf andere Berufsgruppen auszudehnen, zumal die europäische Wirtschaft ohnehin unter einem gehörigen Mangel an Arbeitseifer leidet. Der sich ständig im Dienst befindliche Fleischhauer – Stichwort »Wurstsemmerlbereitschaft« – bietet sich ebenso an wie der allzeit ansprechbare Taxifahrer, der mich wann auch immer zu meinem Fahrziel bringen muss, auch wenn er gerade sein Taxi nicht dabeihat. Der ständig witzige Komiker ist da vielleicht schon eine eher unangenehme Begleiterscheinung, da die immer aktive Scherzdrüse nur begrenzt Qualität ausschüttet. Doch das ist zum Beispiel deutschen Privatsendern egal, dort wurde dieses Projekt bereits mit mäßigem Erfolg in die Tat umgesetzt. Politiker schließlich befinden sich ja bekanntlich bereits seit je immer im Dienst, auch beim Spanferkelessen oder verkleidet als Tunte beim Villacher Fasching. Vielleicht sollte man aber bei diesem Job den umgekehrten Weg gehen und Politiker von ihrer Überlastung befreien, da sonst offensichtlich schnell einmal solche Vorschläge entstehen können wie jener mit dem Topfen.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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    • Von Alfred Dorfer
    • Datum 28.3.2007 - 11:16 Uhr
    • Quelle DIE ZEIT, 29.03.2007 Nr. 14
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