Sterben In Gottes Hand
Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel lebt heute in einem Altenwohnheim. Wie denkt er über den Tod – und die Zeit danach?
Dr. Hans-Jochen Vogel
DIE ZEIT: Herr Vogel, wann haben Sie das erste Mal über Ihren eigenen Tod nachgedacht?
Hans-Jochen Vogel: Das habe ich als Soldat im Krieg. Dort war einem der Tod plötzlich sehr nahe und sehr vertraut, wenn man die Kameraden tot auf dem Boden liegen sah. In meinem weiteren Leben habe ich nur einmal eine schwere Krankheit gehabt, im Jahre 1963, da hatte ich vorübergehend eine Niereninsuffizienz, die ziemlich bedrohlich war. Auch da habe ich einen Augenblick daran gedacht. Aber seitdem habe ich selber Situationen, in denen ich mich dem Tode nahe fühlte, eigentlich nicht mehr erlebt.
ZEIT: 2005 sind Sie in ein Altenheim gezogen. Offenbar sind Sie ein Mensch, der sich auch über die letzte Phase seines Lebens viele Gedanken macht und selbst darüber bestimmt. Haben Sie eine sogenannte Patientenverfügung?
Vogel: Meine Frau und ich haben im Jahre 2003 Patientenverfügungen getroffen, natürlich jeder für sich. Wir haben sehr ruhig und fast ein wenig nüchtern darüber gesprochen und dann das Formular des bayerischen Justizministeriums so ausgefüllt, wie es uns richtig erschien, und uns jeweils als Bevollmächtigte bestimmt. Das Dokument liegt nun in einem kleinen Aktendeckel, zusammen mit dem Testament und mit weiteren Wünschen, die mit unserem Tod und der Beerdigung zusammenhängen.
ZEIT: Waren Ihre Vorstellungen von vornherein gleich, oder haben Sie diskutiert?
Vogel: Nein, wir waren uns ziemlich einig. Wir hatten auch früher schon über das Thema geredet, weil ich von 2001 bis 2005 Mitglied im Ethikrat war und an der Stellungnahme zur Patientenverfügung mitgearbeitet habe.
ZEIT: Haben Sie darüber auch mit Ihren Kindern gesprochen?
Vogel: Ja, schon deswegen, weil ein Sohn bei mir und eine Tochter bei meiner Frau in den Patientenverfügungen als Ersatzbevollmächtigte benannt sind.
ZEIT: Ist das schwer gewesen?
Vogel: Nein. Ich wundere mich manchmal, dass es manchen schwerfällt, über den Tod zu reden. Aber ich halte mir immer vor Augen, dass der Tod ein selbstverständlicher, elementarer Bestandteil des Lebens ist. Warum sollte man sich da abwenden und die Augen schließen, zumal wenn man ein einigermaßen erfülltes Leben hinter sich hat? Für einen Zwanzigjährigen stellt sich das wahrscheinlich anders dar, aber in meinem Fall, nein.
ZEIT: Woher weiß der hier sitzende gesunde Hans-Jochen Vogel, was der demente oder komatöse Hans-Jochen Vogel nach einem schweren gesundheitlichen Rückschlag will?
Vogel: Er weiß es natürlich nicht mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit, wie der Jurist sagen würde, aber er hat doch eine gewisse Lebenserfahrung im Umgang mit sich selber. Ich bilde mir ein, mich doch einigermaßen zu kennen. Daraus leite ich ab, wie ich meine, was der Hans-Jochen Vogel in dieser Situation haben will. Im Übrigen: Patientenverfügungen sind nicht unwiderruflich. Ein Wachkomapatient oder ein Demenzkranker kann nach der Stellungnahme des Ethikrats sogar mit Anzeichen von Lebenswillen seine vorher getroffene Patientenverfügung widerrufen.
ZEIT: Sie sind meist sehr kontrolliert, können Sie sich den Menschen Hans-Jochen Vogel überhaupt in totaler Schwäche vorstellen?
Vogel: Da brauche ich nur an meine Mutter zu denken, die auch eine lebensbejahende und aktive Frau war, diese Eigenschaften in ihren letzten Lebensmonaten aber verloren hat. Warum sollte das nicht auch bei mir so sein?
ZEIT: Viele fürchten den Verlust an Souveränität.
- Datum 01.04.2007 - 11:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.03.2007 Nr. 14
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Gott ist leider nicht allmaechtig, deswegen hat Paul Gerhardt auch unrecht: Gott kann nicht alles 'wohl fuehren'!
Gott in seiner Vollkommenheit muss erst noch geschaffen werden: Sinn der Geschichte, Sinn des Alls!
Jener ferne, allmaechtige Gott aber, er ist auch die vollkommene Gerechtigkeit!
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Einst wird sein der vollkommene Gott, aber nur, indem er verwirklicht wird durch das Leben, das sich zu ihm hinaufentwickelt!
Dafuer leben wir, leiden wir, muessen wir kaempfen, sterben, an ihn glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben:
mehr und mehr!
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