Büchertisch

Wer keine Gelegenheit hat, das jetzt (bis zum 22. April) in Bremen ausgestellte Lebenswerk Anton Stankowskis zu besichtigen, kann sich in einem voluminösen, scheinbar unendlichen Buch auf die verlockendste Weise damit bekannt machen: mit einem Werk, dessen unerschöpfliche Vielfalt einer offensichtlich lustvoll genossenen, universellen künstlerischen Erfindungskraft zu danken ist. Anlass für dieses Resümee war der 100. Geburtstag Stankowskis im vorigen Jahr. Er hatte als Dekorationsmaler angefangen und im Nu seine Talente entfaltet: als ein Genie der Werbekunst, als Zeichner, Grafiker und Typograf, als Bildhauer und als ein Maler, der sich von der europäischen Moderne hatte anstiften lassen. Obendrein war er ein fantasievoller Fotograf, dem man eine atemraubende Gestaltungsneugier anmerkt. Ehe man sich dem Rausch seiner Bilderwelt ergibt, empfiehlt sich die Lektüre seiner Biografie am Ende des Buches um diesen visuellen Zauberkünstler zu begreifen.

Ulrike Gauss (Hrsg.): Stankowski 06

Aspekte des Gesamtwerks - Hatje Cantz Verlag, Stuttgart 2006 - 408 S., 58, (im Museum Weserberg, Bremen, 39,- Euro )

»Bad (mhd. bat, zu ben erwärmen), meist mit Umkleide-, Sanitär und technischem Bereich zur (rituellen) Körperreinigung und -pflege« und so weiter. Dann folgt eine der unzähligen Beschreibungen, die das originelle Lexikon der Bautypen darbietet (hrsg. von Ernst Seidl - Reclam, Stuttgart 2006 - 599S., 24,90). Die Stichwörter reichen von Abort bis Zwinger eine ebenso überraschende wie klug informierende Versammlung architektonischer Erscheinungsformen. Dem Bad allein widmet sich indessen ein zugleich typologisch wie kulturhistorisch angelegtes Buch, das unter dem Titel Balenea die Architekturgeschichte des Bades beleuchtet, vom »schönen Stil der Alten« (in den antiken Thermen) über das Heil- und Kurbad, das Seebad, das »Baden ohne Architektur« (»im öffentlichen Raum«) bis zum Baden, das der Veredelung des Menschen in Arbeiterbädern hat dienen sollen. Den Reiz des Themas entfaltet dieses Buch in der Art seiner gescheit illustrierten Darstellung durch die zehn Autoren: Sie dozieren nicht, sondern sie erzählen, was sie mitzuteilen haben. Man liest es gern.

Susanne Grötz/Ursula Quecke (Hrsg.): Balenea

Architekturgeschichte des Bades - Jonas Verlag, Marburg 2006 - 208 S., 29,- Euro

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.58
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