Ostdeutschland Einsame SpitzeSeite 3/3

»Von derart innovativen Studiengängen brauchen wir noch viel mehr«, sagt Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos). Die Betreuungsrelationen seien vielerorts bereits ausgezeichnet, es fehle aber noch an konkreten Angeboten für Studienanfänger, zum Beispiel Orientierungssemestern. Zudem, so Olbertz, hätten die Osthochschulen bei allen strukturellen und inhaltlichen Vorteilen mit einem einschneidenden Standortnachteil zu kämpfen: Die schwächere Wirtschaftsstruktur wirke dem Aufbau von Exzellenz entgegen. »Im Osten, aber auch in den nördlichen alten Bundesländern gibt es Defizite in den Forschungsstrukturen, und dementsprechend fehlt auch eine ausreichende Zahl von Kooperationen mit innovativen Unternehmen.« Olbertz fordert daher mehr Engagement von Bund und Ländern. »Die finanzschwachen Länder können solche Strukturen nicht alleine schaffen.«

In Erfurt immerhin steigt die Zahl der Studienanfänger aus dem Westen seit Jahren. Den gleichen Trend vermeldet Marita Müller von der BTU. »Natürlich haben wir hier auch kein Interesse an Zwangsverpflichteten«, sagt sie. Ihr Eindruck sei indes ein ganz anderer: Jene Abiturienten aus den alten Ländern, die den weiten Weg auf sich nähmen, seien außerordentlich gut informiert und hoch motiviert. »Viele mögen es noch nicht begriffen haben, aber es ist so«, sagt Müller: »Wer heute auf Zack ist, geht in den Osten.«

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Leser-Kommentare
  1. keine Ahnung, woher das der Autor hat. Was Energie anbelangt, liegt man teilweise über West-Niveau, Lebensmittelkosten sind gleich, Mieten bewegen sich wahrscheinlich auf niedrigerem Nieveau, aber wohl kaum in den genannten Dimensionen. Was wohl günstiger zu haben sein dürfte, sind Immobilien (den Studi mit eigenem Haus aber dürfte man lange suchen). Was die Lehre angeht, kann jeder nur aus eigener Erfahrung reden. Zur Voraussetzung ABI: Zumindest in Sachsen wird man in 12 Jahren durchgeprügelt mit (ein Vorschreiber erwähnte es) von BaWürttemberg abgegucken Inhalten. Die Lamentiererrei der armen Wessi-Abiturienten über geforderte 12 statt 13 Schuljahre habe ich noch jetzt in den Ohren! Im Studium habe ich es genossen, in renovierten/neuen Gebäuden mit moderner Ausstattung zu sitzen, die Möglichkeit gehabt zu haben, jederzeit mit dem Prof zu reden usw. Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass schon gegen Ende der 90er die Ost-Unis deutlich voller wurden, egal ob Soziologie oder Maschinenbau. Am >>Kinderreichtum<< der Ossis kann das nicht gelegen haben... Und Ossiland als Wüste in Sachen Forschung und Industrie. Na ich weiß ja nicht! Gerade was neueste Technologien anbelangt, kann sich inzwischen mancher Standort in westlicher Himmelsrichtung was abgucken. Da gluckt wohl weniger der doofe Ossi in seinem Nest, als der, der es in seinem vermeintlichen Wessi-Paradies nicht nötig hat, mal über den Tellerrand zu schauen. Für mich und meinen Mann heißt das nach ein paar Jahren München und Schweiz, dass wir uns nach einem guten Job im Osten umschauen (so dünn gesät sind die gar nicht), auch wenn man evtl. weniger Salär einstreicht. Dafür gibts tatsächlich viele „nette Leute“ und günstige Grundstückspreise. Von der ersehnten Ruhe und guten Bedingungen für Kinder mal ganz zu schweigen. Und wenn man mal Kultur oder Subkultur haben will, Dresden, Leipzig, vielleicht auch Prag, sind wohl keineswegs als provinziell abzustempeln!

  2. Aus langjähriger Erfahrung an großen und kleinen Unis kann ich nur bestätigen, dass die Ausbildung an den kleineren Unis solider und individueller ist als der Massenbetrieb an den großen Unis. Es liegt auf der Hand, dass dies der Fall ist. Je überlaufener, desto miserabler.

    • KMurx
    • 12.04.2007 um 0:13 Uhr
    3.

    Nanu? Warum so aggressiv? Bzw. vielmehr defensiv, nachdem sie ja scheinbar meinen 'sonneleipzig' müsste sich wehren?

    Natürlich planen Studenten für ihr Leben und ihre Karriere vor. Schließlich macht man sich so seine Gedanken, wenn man Studienort und -gang auswählt, insbesondere über die Zukunft. Die gestalten zu können ist doch gerade das Schöne an der Freiheit.

    'Was Elite wirklich meint'? Nun, ich würde spontan annehmen, in diesem Kontext: Außergewöhnlich selbstständige, leistungsfähige und -bereite Studenten, Diplomanden und Doktoranden.

    Und diesen ist die Universität zwar nicht egal, aber sie ist auch nicht das alleinige Entscheidungskriterium.

    Was wäre denn ihre Definition innerhalb des Kontextes 'Studienplatzwahl'?

  3. für den längst überfälligen 'Aufbau West', damit das 70er Schmuddel-Inventar endlich weg kommt.
    Der Osten also als neues Studienparadies - naja. Wie kommt es dann, dass mal wieder Bayern und BaWü sogenannte 'Eliteunis' bereit halten, der Osten hingegen leer ausgeht?

    Lebenshaltungskosten niedrig - stimmt, entsprechend sehen leider die meisten Wohnungen in Leipzig, Dresden, Greifswald und Rostock auch aus. Und wo nix los ist, kann man auch wenig ausgeben ;-)

    Übrigens, um mal das Bild vom ostfeindlichen, genügsamen Besserwessi zu relativieren, finden Sie unter allen ostdeutschen Studenten, die im Osten geblieben sind, genügend, die bereit wären, sofort in den Westen zu gehen, weil sie es im 'Paradies' einfach nicht mehr aushalten - aber im Osten sind halt die Kosten niedriger usw. Also herrscht auf beiden Seiten Behäbigkeit und ist weiß Gott kein spezifisch westliches Phänomen.

    • brux
    • 12.04.2007 um 9:41 Uhr
    5.

    Im einzelnen hängt die Qualität eines Studiums von vielen Dingen ab. Da hat der Osten Vor- und Nachteile. Was mich erschreckt ist die Immobilität vieler deutscher Abiturienten, die es nicht einmal erwägen, sich im eigenen Land umzuschauen. Man fragt sich, wieviel intellektuelle Neugier hier besteht.

    So werden wir die Globalisierung nicht meistern. Andere Europäer (Polen, Spanier, Iren) sind viel offener und nicht so provinziell.

    • Lilres
    • 11.04.2007 um 1:04 Uhr
    6.

    Gute Betreuungsrelationen und Ausstattung sind sicherlich ein Qualitätsmerkmal einer guten Hochschule. Allerdings vernachlässigt der Artikel wichtige Aspekte, die zumindest für mich von weit größerer Bedeutung bei der Wahl meiner Uni waren.
    Die ostdeutschen Universitäten sind wie im Artikel erwähnt oft schwächer in der Forschung und renommierte Professoren findet man verstärkt im Westen. Für Studenten die an Forschung oder einer akademischen Karriere interessiert sind, sind dies allerdings weit ausschlaggebendere Kriterien.
    Ebenso ist der Kontakt zu Unternehmen und die Zahl der Unternehmen die an einer Hochschule rekrutieren oftmals größer bei Hochschulen in wirtschaftsstarken Region - was im Westen eben immer noch öfter der Fall ist.
    Diese Faktoren erklären sicherlich zumindest teilweise warum ostdeutsche Unis trotz besserer Bedingungen oft weniger Studenten anziehen.

    • KMurx
    • 10.04.2007 um 16:36 Uhr

    Hat der 'Westen' aber meiner Meinung nach noch immer wesentliche Vorteile. MPG, Fraunhofer, Industrie sind zumindest fuer mich sehr wichtig.

    Allein Bayern und BaWue haben so viele MPIs wie Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thueringen und Meck.Pomm. zusammen. Bei der Fraunhofer sieht es iirc. aehnlich aus.

  4. Vergessen Sie die 'Elite-Unis' im Westen! Und zwar ganz schnell!

    Ich habe vor nicht allzu langer Zeit an einer dieser Universitäten meinen Doktor bauen dürfen, nachdem ich zuvor mein Diplom an einer im Wettbewerb leer ausgegangenen West-Uni erworben hatte. Fazit: Das sogenannte 'Elite-Institut' (und seine Mitarbeiter) war vergammelt, bürokratisch überverwaltet, und spitze nur in Arroganz. Die 'no-name'- Uni dagegen (und die gibt es im Osten wie im Westen!) hatte anständige Ausstattung, halbwegs moderne Gebäude, unbürokratische Verwaltung der Studentenangelegenheiten, war überschaubar... und die Mensa war an beiden Orten gleich schlecht.

    Fazit: Mit der 'Elite' ist das so eine Sache...

    Noch immer bieten die Durchschnittsunis in Deutschland gute Leistungen. Und wenn das im Osten so gilt wie im Westen, dann ist es kein Wunder, wenn die Studenten früher oder später in den Osten gehen, wenn der Westen überlaufen ist.

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