MACHER & MÄRKTE DaimlerChrysler: Vorbei
Mit der Hauptversammlung vom Mittwoch, dem 4. April, in Berlin zieht sich der Aufsichtsratsvorsitzende von DaimlerChrysler, Hilmar Kopper, nach 17 Jahren aus dem Gremium zurück. Der 72-jährige ehemalige Chef der Deutschen Bank möchte sein Wirken positiv gewürdigt sehen, insbesondere nachdem er Jürgen Schrempp 1995 zum Konzernchef gekürt hatte, wie er geneigten Medien kundtat. Und selbst die ruinöse Fusion mit Chrysler mag Kopper bis heute nicht als Fehler einordnen.
Doch ist es etwa ein Zeichen des Erfolgs, wenn die DaimlerChrysler AG im letzten Kopper-Jahr (2006) nicht mal die vorgeschlagene Dividende voll erwirtschaftete? Um die Dividendensumme von 1,542 Milliarden Euro auszahlen zu können, tätigten die Stuttgarter Kassenwarte eine »Entnahme aus den Gewinnrücklagen von 853 Millionen Euro«, steht im Jahresabschluss 2006 DaimlerChrysler AG (Einzelabschluss) auf Seite 19. Die meisten Aktionäre dürften dies nicht bemerkt haben, denn der legale Kniff wird nur dort, nicht aber im großzügig verteilten Geschäftsbericht 2006 des Konzerns erwähnt. Und kann man stolz darauf sein, wenn seit der Fusion 1998 mehr als 80000 Mitarbeiter diesseits und jenseits des Atlantiks aus den Lohnlisten verschwanden? Oder darauf, dass das Konzernergebnis 2006 mit 3,2 Milliarden Euro nur halb so hoch ausfiel wie die addierten Jahresüberschusse der Unternehmen vor der Fusion (1997)? » Zusammenschluß des Wachstums« stand auf dem ersten gemeinsamen Geschäftsbericht für 1998. Nachhaltig gestiegen sind eigentlich nur die Gehälter an der Spitze.
Doch nach dem Abschied des Kopper-Schützlings Schrempp im Jahr 2005 ist der Aktienkurs wieder deutlich gestiegen und wird gerade durch die Hoffnung auf die Scheidung von Chrysler befeuert. Bekommt einer der institutionellen Investoren, die um die Chrysler Group rangeln, den Zuschlag, wäre die Welt AG der Männerfreunde Schrempp und Kopper endgültig zurückgebaut. Dann werden Schrempp-Nachfolger Dieter Zetsche und sein neuer Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ein langjähriger Daimler-Manager bei der Hauptversammlung 2008 ohne Chrysler bilanzieren. Und wenn der Aufwärtstrend bei der Stammmarke Mercedes bis dahin anhält, sind die zehn verlorenen Jahre dann schnell vergessen.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.34
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



