Das bewegte Kind

Mobile Kleinkinder sind großartig, solange sie nicht in die falsche Richtung krabbeln oder rennen, umfallen und schreien oder sich gefährden. Weil Kinder oft genau das tun, wurden Kindersitze erfunden.

Sie fördern gemeinsames Fortkommen durch Festzurren und Anbinden und führen aus Kindersicht zu paradoxer Mobilität durch Immobilität.

Geschichte und Technik der Transportlösungen für kleine Kinder zeigt eine Ausstellung des Berliner Museums Europäischer Kulturen/Museum Dahlem, die am 1. April eröffnet wurde: etwa wie Kinder am mobilen Erwachsenen befestigt werden, mit historischen Tragetüchern, Tragemänteln und säcken und deren heiß umstrittene Wiederentdeckung als Wickeltuch in den siebziger Jahren. Auf Ferne statt Nähe setzen seit bald zwei Jahrhunderten Techniken, Kinder abgesondert in speziellen Behältnissen zu befördern. Klassiker ist der Kinderwagen.

Dieser richtete sich stets nach der Mode und erzählt eine Designgeschichte für sich. Das Auto schien die Mobilitätsfrage für Große und Kleine repressionsfrei zu beantworten, man lümmelte kollektiv im Fond herum, Babys kamen auf die Hutablage, bis Unfallforscher Anschnallen empfahlen. Das Sicherheitsdenken zeugte monströse Verpackungen aus Schaumstoff, in denen die Kleinen versanken. Konstruktionen fürs Fahrrad wie der harte Kinderkorb mit Schlaufe und Mütze erscheinen dem heutigen Beobachter nachgerade abenteuerlich. Die Ausstellung »KinderMobil« (www.smb.museum/mek) läuft bis Januar 2008.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.39
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