Der amerikanische Irrtum
Die USA versehen importiertes Hochglanzpapier aus China mit Strafzöllen. Per se ist das kein Problem. Chinas Exporteure sind keine Waisenknaben, wenn es um unlautere Subventionen oder den lockeren Umgang mit Patentrechten geht. Gleichwohl gibt es ein gewaltiges Problem, und das ist die Stimmung, die sich in Washington aufbaut.
Im neuen Kongress und in der Bevölkerung wächst der Zorn auf die als unfair wahrgenommene Globalisierung. Wenn die Vertreter einer Industrie oder eines Landstrichs aufschreien, haben sie große Chancen auf Hilfe egal, ob diese mit dem Geist der Welthandelsgemeinschaft übereinstimmt oder nicht. Und für neue Abkommen, bilateral und global, werden extreme Bedingungen gestellt.
Am Ende wird diese Haltung den Amerikanern selbst schaden, denn offener Handel nutzt den westlichen Industrieländern in aller Regel.
Doch für den Rest der Welt kommt das amerikanische »Mir san mir«-Gefühl zur denkbar falschen Zeit auf. Gerade in diesen Wochen entscheidet sich, ob die Nationen rund um den Globus den Handel weiter erleichtern oder nicht.
Die laufende Welthandelsrunde soll vor allem den Entwicklungsländern zugutekommen. Und einige von ihnen wollen vom Ausgang abhängig machen, ob sie künftig ihren Teil zur Rettung der Umwelt beitragen. Verdenken kann man ihnen die Drohung kaum. Doch bald sagt dann jeder »Mir san mir«, und keiner hat etwas davon.
Amerika trägt eine große Verantwortung und das nicht bloß für ein paar Lobbys aus Ohio.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.23
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