Ein Krimi mit Fehlern
Der Geograf Björn Bollhöfer, 32, hat eine Doktorarbeit über den Kölner Tatort geschrieben (Geographien des Fernsehens. Der Kölner Tatort als mediale Verortung kultureller Praktiken, Transscript-Verlag). Dabei hat er entdeckt, dass die Krimiserie nicht allzu authentisch ist.
DIE ZEIT: Woran sieht man, dass der Kölner Tatort gar nicht in Köln spielt?
Björn Bollhöfer: Einmal war der Bonner Post-Tower im Bild. Oder man sah eine barocke Abtei, die 30 Kilometer von Köln entfernt steht. Sie sollte erst die Juristische Fakultät darstellen, in einer anderen Folge das Diözesan-Museum.
ZEIT: Und die Pommesbude, in der Ballauf und Schenk ihr Kölsch trinken?
Bollhöfer: Die steht in Wirklichkeit nicht bei der Deutzer-Brücke, sondern weiter südlich beim Schokoladenmuseum.
ZEIT: Warum ist Authentizität wichtig?
Bollhöfer: Einen Tatort schaut man anders als einen Miss-Marple-Krimi.
Das Konzept ist ja, dass jede ARD-Landesanstalt ihren eigenen Tatort dreht, der die Visitenkarte dieses Sendebereichs ist. Das zwingt natürlich zu Klischees. Ein Bayer weiß von Köln, dass dort der Dom steht, also muss man den dauernd zeigen.
ZEIT: Das Fernsehen schafft sich also seine eigene, absurde Geografie.
Bollhöfer: Selbst die Straßennamen sind fiktiv, weil die Drehbuchautoren aus Berlin und München kommen und sich in Köln nicht auskennen. Manche gucken wegen solcher Fehler keinen Tatort mehr.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.62
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







