Paraguay Diener zweier Herren
Fernando Lugo ist Paraguays Bischof der Armen. Jetzt will er die Nation als Präsident führen und die reiche Elite des Landes entmachten. Doch die katholische Kirche stellt sich ihm in den Weg.
Asunción
Fernando Lugo , Bischof der Armen in Paraguay BILDViele Häuser in Asunción fressen jetzt Kreide. Je ärmlicher die Wohnblocks in Paraguays Hauptstadt verputzt sind, desto häufiger dienen sie als Tafeln. Ein friedfertiges Volk beginnt Schreibübungen für die erste Protestwahl seiner Geschichte. »Lugo, sí, sí« steht an den Wänden. Auf Fernando Lugo hoffen die Campesinos und die Chacarita, die landlosen Kleinbauern und die Bewohner der städtischen Elendsviertel. Auf den Bischof, der im Dezember sein Priesteramt niederlegte, um sich im Jahre 2008 als Staatspräsident zu bewerben. »Mein Gotteshaus ist von nun an die Nation!«, hat er verkündet. Und wenn die Nation am Wahltag zu ihm strömen sollte, dann will der 56-Jährige die Kirche der Armen mit den Reichen an einen Tisch bringen. Es wäre ein ganz neuer Akt der alten Befreiungstheologie.
»Lugo, sí, sí« an den Wänden – das liest sich wie ein Menetekel im Palacio López, von dem aus Präsident Nicanor Duarte und seine Entourage einen sonst so ungetrübten, weiten Blick über den Paraguay-Fluss haben. Duartes rechtskonservative Colorado-Partei, die schon der deutschstämmige Diktator Alfredo Stroessner anführte, herrscht seit 60 Jahren. Länger als die Kim-Dynastie in Nordkorea.
Doch nicht nur im Palacio López – selbst im fernen Vatikan hat das »Lugo, sí, sí« Widerhall gefunden. Im Mai nämlich wird Papst Benedikt XVI. zur 5. Bischofskonferenz Lateinamerikas nach Brasilien reisen. Auf jenem Subkontinent aber, den fast die Hälfte aller Katholiken der Welt bewohnt, kam die Kirche der Armen Ende der sechziger Jahre zur Welt. Und mit ihr die Befreiungstheologie. Juan Pablo II., wie der polnische Papst dort heißt, und der von ihm 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation eingesetzte Joseph Kardinal Ratzinger hatten diese politische Instrumentalisierung der katholischen Soziallehre verurteilt und bekämpft. Sie sahen die Hierarchie der Amtskirche von den volksnahen Priestern bedroht, die das Christentum als innerweltliche, reformerische bis revolutionäre Handlungsanweisung interpretierten. Der Vatikan obsiegte.
Gilt Fernando Lugos weltliche Kandidatur dem Pontifex nun als ein neues Signal dafür, dass sich Priester wieder von Rom absetzen und dem Feldzug des Populisten Hugo Chávez für die Unterdrückten Südamerikas folgen könnten? Ein Brief an Lugo aus dem Vatikan und die fast zeitgleiche Abmahnung des angesehenen Befreiungstheologen Jon Sobrino in San Salvador klingen zumindest wie eine Vorwarnung an radikalreformerische Kleriker auf der Bischofskonferenz.
- Datum 10.04.2007 - 03:03 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.04.2007 Nr. 15
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Verehrte Leser, verehrte Redakteure,
ich habe 1981 bis 1986 als Leiter einer Privatschule und Lehrer an der TU-National in der Universitätsstadt San Laurenco / Asuncion gearbeitet und mit meiner Familie in Encarnacion gelebt. Mit meinen Studenten habe ich wesentliche Teile der Landvermessungen in Itapau EDV-technisch begleitet. Der einzige Großgrundbesitzer mit tausenden von Grundstücken in bester Lage in Itapua ist der Bischof Herr Bockwinkel, also die katolische Kirche, in Encarnation. Hochwertige Kleiderspenden aus Deutschland verkaufte die katholische Kirche kostengünstig an die wohlhabenen Bürger der Stadt.
Ein deutschstämmiger Landwirt besaß damals ca. 4.000 ha Land. Davon waren immer etwa 2.000 bewirtschaftet, wärend der Rest ruhte. Bei dem einsatz modenster Maschinen konnte dieser Landwirt nur geringe Erträge erzielen, weil Dünger und Insektizide, aus den Industriestaaten importiert, so teuer waren, dass sich der Einsatz nicht rechnete. US- und EU-Agrarsubventionen drücken die Weltmarktpreise so tief, dass sebst tüchtige Bauern wirtschaftliche Probleme haben.
Junge Männer erhielten, wenn ihr Militärdienst beendet war, jeweils 50 ha Brachland geschenkt. Viel Jungs bauten sich dort eine Hütte und führten Frau, Schwein, Kinder und ´ne Kuh heim und gründeten so einen eigenen Hausstand. Reiche Jungs gingen nicht zum Militär sondern kauften sich von dieser leidigen Pflicht frei.
Wirklich faschistuide Umgangsformen mit der ärmeren Landbevöllkerung habe ich nur in den deutsch-dominierten Colonias Unidas in Obligado / Itapua erlebt. Das Militär bis zur Generalität ist fast ausschließlich von spanischen-indianischen Mischlingen dominiert. Wirklich arme Menschan habe ich in Paraguay nur sehr selten erlebt. Ihnen wurde die elementare Lebensgrundlage garantiert. 1984 nach einer Überschwemmung baute die Stadtverwaltung für die Flutopfer auf sicheren Grund kleine Häuser, wir würden sie als solide Lauben bezeichnen, und schenkten sie den armen Flussbewohnern. Wochen späte hatten die Flussbewohner diese Häuser verkauft und sind zurück an ihren Fluss gezogen.
Die Bürger in Paraguay müssen G L A U B E N, dass es ihnen mit einem Kirchenfürsten nach der Wahl besser geht. Tatsächlich bekamen sie von Gott bisher nur ´ne Bibel und gaben dafür ihr land und ihre Arbeitskraft dazu.
mfg. B. Tiedtke
Ich gehe davon aus, daß es vor über 20 Jahren in Paraguay noch viel anders ausgesehen hat, wie heute.Zu dieser Zeit gab es noch keine Demokratie, zu dieser Zeit war die Welt in Paraguay noch in Ordnung. Heute hat das Land angeblich eine Demokratie ( genau wie in Deutschland), aber diese existiert nicht, weder hier noch dort. Damit ist die Armut vorprogrammiert. Hier und auch in Deutschland.Gleich wer an die Macht kommt, er wird es nicht ändern wollen und können,egal ob hier oder dort. Das beste Beispiel dazu sind die Grünen in Deutschland, wie haben sie angefangen und wo sind sie heute? Von Macht und Wohlstand besessen!!
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