Paraguay Diener zweier HerrenSeite 3/3

So lehrt der politische Novize Paraguays Alleinherrscher in ihrem 60. Jahr das Fürchten. Präsident Nicanor Duarte strebt jetzt in aller Eile eine Verfassungsänderung an, die ihm eine zweite Kandidatur ermöglichen soll. Überdies kann er auf einen Brief aus Rom pochen. Der stammt von dem für die Bischöfe zuständigen Kardinal Giovanni Batista Re. Und obzwar der Vatikan Fernando Lugo von seinen Aufgaben suspendiert hat, heißt es in der am 1. Februar veröffentlichten Epistel, der Priester müsse weiter im Stande des Geistlichen bleiben. Die Bischofswürde sei frei und für immer angenommen. Die Kandidatur eines Bischofs könne Verwirrung und Spaltung der Gläubigen verursachen und wäre ein Affront gegen die Laien. Lugo bringe sich in die Gefahr der Exkommunikation, drohte sogleich einer der Bischöfe aus dem Präsidentenlager.

»Ganz klar«, entgegnen die Rechtsberater des so Attackierten, »die Regierung nutzt Roms Edikt, um dem Bischof die Rote Karte zu zeigen. Sie arbeitet darauf hin, dass jetzt der Oberste Gerichtshof oder die Wahlkommission über die Zulässigkeit seiner Kandidatur entscheidet.« Beide Institutionen werden von der Colorado-Partei beherrscht.

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Fernando Lugo aber glaubt weiter an eine höhere Gerechtigkeit. Diesmal verschluckt der rauschende Ventilator in der Casa de Jesuitas keines seiner Worte: »Paraguay ist ein laizistischer Staat. Und deshalb gilt Artikel 42 unserer Verfassung, wonach niemand gezwungen werden kann, einer Organisation anzugehören.« Und die Zeit, um theologische Prinzipien durchzufechten, scheint ihm für Lateinamerika abgelaufen: »Hunger und Arbeitslosigkeit, erbärmliche Gesundheit und Bildung haben keine Ideologie. Heute nicht mehr.«

Fernando Lugo
1951 geboren in der Provinz Itapua als Sohn paraguayischer Kleinbauern
1971 Eintritt ins Priesterseminar, nachdem er als Dorflehrer gearbeitet hatte
1977 bis 1987 Priester und Missionar in Ecuador
1987 bis 1991 Studium in Rom, dann Professor in Paraguay
1994 Weihe zum Bischof von San Pedro
2006 Lugo legt das Priesteramt nieder, um in die Politik zu gehen


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Leser-Kommentare
  1. Verehrte Leser, verehrte Redakteure,
    ich habe 1981 bis 1986 als Leiter einer Privatschule und Lehrer an der TU-National in der Universitätsstadt San Laurenco / Asuncion gearbeitet und mit meiner Familie in Encarnacion gelebt. Mit meinen Studenten habe ich wesentliche Teile der Landvermessungen in Itapau EDV-technisch begleitet. Der einzige Großgrundbesitzer mit tausenden von Grundstücken in bester Lage in Itapua ist der Bischof Herr Bockwinkel, also die katolische Kirche, in Encarnation. Hochwertige Kleiderspenden aus Deutschland verkaufte die katholische Kirche kostengünstig an die wohlhabenen Bürger der Stadt.
    Ein deutschstämmiger Landwirt besaß damals ca. 4.000 ha Land. Davon waren immer etwa 2.000 bewirtschaftet, wärend der Rest ruhte. Bei dem einsatz modenster Maschinen konnte dieser Landwirt nur geringe Erträge erzielen, weil Dünger und Insektizide, aus den Industriestaaten importiert, so teuer waren, dass sich der Einsatz nicht rechnete. US- und EU-Agrarsubventionen drücken die Weltmarktpreise so tief, dass sebst tüchtige Bauern wirtschaftliche Probleme haben.
    Junge Männer erhielten, wenn ihr Militärdienst beendet war, jeweils 50 ha Brachland geschenkt. Viel Jungs bauten sich dort eine Hütte und führten Frau, Schwein, Kinder und ´ne Kuh heim und gründeten so einen eigenen Hausstand. Reiche Jungs gingen nicht zum Militär sondern kauften sich von dieser leidigen Pflicht frei.
    Wirklich faschistuide Umgangsformen mit der ärmeren Landbevöllkerung habe ich nur in den deutsch-dominierten Colonias Unidas in Obligado / Itapua erlebt. Das Militär bis zur Generalität ist fast ausschließlich von spanischen-indianischen Mischlingen dominiert. Wirklich arme Menschan habe ich in Paraguay nur sehr selten erlebt. Ihnen wurde die elementare Lebensgrundlage garantiert. 1984 nach einer Überschwemmung baute die Stadtverwaltung für die Flutopfer auf sicheren Grund kleine Häuser, wir würden sie als solide Lauben bezeichnen, und schenkten sie den armen Flussbewohnern. Wochen späte hatten die Flussbewohner diese Häuser verkauft und sind zurück an ihren Fluss gezogen.
    Die Bürger in Paraguay müssen G L A U B E N, dass es ihnen mit einem Kirchenfürsten nach der Wahl besser geht. Tatsächlich bekamen sie von Gott bisher nur ´ne Bibel und gaben dafür ihr land und ihre Arbeitskraft dazu.
    mfg. B. Tiedtke
     

    • laup
    • 12.02.2008 um 2:54 Uhr

    Ich gehe davon aus, daß es vor über 20 Jahren in Paraguay noch viel anders ausgesehen hat, wie heute.Zu dieser Zeit gab es noch keine Demokratie, zu dieser Zeit war die Welt in Paraguay noch in Ordnung. Heute hat das Land angeblich eine Demokratie ( genau wie in Deutschland), aber diese existiert nicht, weder hier noch dort. Damit ist die Armut vorprogrammiert. Hier und auch in Deutschland.Gleich wer an die Macht kommt, er wird es nicht ändern wollen und können,egal ob hier oder dort. Das beste Beispiel dazu sind die Grünen in Deutschland, wie haben sie angefangen und wo sind sie heute? Von Macht und Wohlstand besessen!! 

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