Iran Griff in den GiftschrankSeite 3/3

Die Frage ist, wie Teheran die Reaktion der USA und Großbritanniens interpretiert. Als Schwäche? Als verstecktes Verhandlungsangebot? Als üblen Trick? Die Radikalen betrachten die Milde und Zurückhaltung sicher als einen Erfolg ihrer harten Linie. »Das Empire ist ein Papiertiger, der ›Große Satan‹ USA ein zahnloser Riese. Wir haben sie entlarvt.« So dürften sie die Lage sehen, und noch viel mehr: Sie fühlen sich in ihrer revolutionären Überzeugung gefestigt, dass allein Willenskraft alles erreichen kann. Mit einem Schlag die Welt verändern, sich befreien, das ist der alte Traum aller Revolutionäre.

Es ist diese Mentalität, die derzeit Irans Regierungspolitik beherrscht, nach außen wie nach innen. Mahmud Ahmadineschad besucht mit seinem Kabinett eine Provinz nach der anderen. Beamte werden vorausgeschickt, um die Bedürfnisse vor Ort zu ermitteln. Wenn Ahmadineschad mit seinen Ministern für eine paar Stunden in der betreffenden Region zusammenkommt, fällt er eine Reihe von Beschlüssen: Schulen braucht ihr? Könnt ihr haben! Krankenhäuser? Gleich morgen beginnen die Arbeiten! Korrupte Beamte? Nennt uns die Namen, wir werden mit ihnen dementsprechend verfahren! Keine Arbeit? Hohe Preise? Wir werden auch das lösen! Wir haben den festen Willen dazu! Wir sind Revolutionäre! Das ist der Gestus der Radikalen. Das ist ihr Populismus. Natürlich geht das auf Dauer nicht gut, denn seriöse Politik kann darauf nicht aufbauen. Doch die Radikalen haben andere Ziele.

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Sie wissen, dass ihre inneren wie äußeren Feinde sie loswerden wollen. Sie rechnen mit dem Schlimmsten. Dagegen kämpfen sie mit ihren Mitteln. Sie popularisieren das Bild des entschlossenen, entscheidungsfreudigen Revolutionärs. Sie halten die Gesellschaft in permanenter Mobilisierung, sie militarisieren die Gedanken, sie trainieren alle für ein Leben in der Krise, die schnell zu einem Krieg werden kann. Sie reizen den Gegner bis aufs Blut und testen seine Nervenstärke.

Und wie sollen die 15 britischen Soldaten aus dem tödlichen Irrgarten herauskommen? Das Weltbild der Radikalen hält für solche Fälle einen Ausweg offen. Die Großherzigkeit einer großherzigen Nation. Nur sie kann die Briten retten. Auch dies gehört zum Selbstverständnis des Revolutionärs. Er findet sich eigentlich gut und barmherzig.

Mitarbeit: Thomas Kleine-Brockhoff

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