Wochenschau Neues Album Jennifer Lopez singt auch wieder
Jennifer Lopez hat nicht einfach eine neue Platte gemacht. Sie hat die Platte gemacht, von der sie immer schon geträumt hat, aber »nie machen durfte«. Sie singt jetzt erstmals in Spanisch, der Sprache ihrer Eltern, die von Puerto Rico nach New York eingewandert sind. Como Ama Una Mujer heißt das Album »Wie eine Frau liebt«. Dafür habe sie selbst die Studiozeit bezahlt, weil niemand sie auf Spanisch singen lassen wollte. Klingt nach einer guten Marketingidee: Die Latina, die in den USA nicht tun durfte, was sie wollte. Schon wird das, was eigentlich Mainstream ist Shakira und Lopez Ehemann Marc Anthony singen seit Jahren auf Spanisch , plötzlich zu etwas Besonderem.
Jennifer Lopez ist längst zur Marke geworden, ihr Leben ist ein Businessplan. Lopez hat nicht nur ihre neue Platte herausgebracht, sondern im vergangenen Jahr auch zwei Filme produziert und darin die Hauptrolle gespielt (Bordertown und El Cantante). Sie hat außerdem eine eigene Mode- und eine Parfumlinie entwickelt. Erst damit wurde sie richtig reich, 500 Millionen Euro soll Lopez mit ihrem Duft umgesetzt haben.
Bei der Echo-Verleihung trat sie vorletzten Sonntag in hautengen Glanzhosen und weißem Fransenshirt auf, fast befürchtete man, sie werde irgendwann über die herabhängenden Stofffetzen stolpern. Ihr Aufzug hätte dem Heavy-Metal-Star Axel Rose alle Ehre gemacht, aber ganz ehrlich: Kleider wollte man in dem Moment von ihr nicht kaufen.
Man ahnt, dass sich ihre vielen Geschäftsbereiche nicht immer gut miteinander vereinbaren lassen. In ihrem letzten Film Bordertown nahm man ihr die stets perfekt geschminkte und frisierte Journalistin, die durch den mexikanischen Wüstensand robbt, um Frauenmorde aufzuklären, einfach nicht ab. Sie selbst bestreitet das: »Die Leute können schon unterscheiden zwischen meinen vielen Rollen.« Beim Interview trägt sie ein adrettes Tweedkleid, keine Franse weit und breit.
Von dieser Art Rumdumstars, die singen, spielen und Mode machen, gibt es einige. Aber Lopez wirkt dabei weniger authentisch als Madonna oder Gwen Stefani, die vor allem wegen ihrer Musik berühmt wurden. Lopez sagt, sie verbinde »ihre künstlerische Seite mit einem gewissen Geschäftssinn«. Wofür sie wirklich steht, wofür das Herz dieser Unternehmerin schlägt, weiß man nicht so genau. Madonna hat sich ständig neu erfunden, aber sie war als Künstlerin dahinter immer zu erkennen. Selbst ihre Modelinie sieht aus, als könnte sie die Kleider selbst tragen. Bei Lopez ist das anders, weil sie keinen unverwechselbaren Stil geprägt hat. Wenn man ihr gegenübersitzt, fällt einem die dicke Puderschicht auf, die ihr eigentlich so ebenmäßiges Gesicht überzieht wie ein Panzer. Wer diese Frau ist, das weiß man nicht. Aber wer sie gern wäre, das hat sie mal in einem Song formuliert: Jenny from the block, die Jenny von nebenan.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.62
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







