Jugendwahn

Ein junger Mann mit Namen Maske hat, wie wir den Gazetten entnehmen, soeben einen Faustkampf gegen einen Altersgenossen namens Hill bestritten und gewonnen. Die Berichterstattung konzentriert sich in gönnerhafter Weise darauf, dass die beiden Kämpfer im Ring eine gute Figur gemacht hätten, was angesichts von Gagen in Höhe etlicher Millionen Euro nicht mehr als eine pure Selbstverständlichkeit ist.

Wenn es an dem Ereignis überhaupt etwas Bemerkenswertes gibt, dann ist es die herablassende Haltung der Öffentlichkeit gegenüber zwei Sportlern, die einen Irrtum rechtzeitig korrigiert haben, den Irrtum nämlich, für manche Berufe gäbe es eine natürliche Altersgrenze.

Welch ein Unsinn!

In Wirklichkeit sind Henry Maske und Virgil Hill, beide 43, gerade erst dem Juso-Alter entwachsen. Ihr größtes Kapital, nämlich ihre Bekanntheit, ist noch für viele Jahre im Ring gut, und je schwerer es dem alternden Publikum fällt, sich ständig neue Namen zu merken, desto wertvoller wird es. Sylvester Stallone, Mick Jagger, Günter Grass, Fidel Castro wer, außer einigen Vertretern geburtenschwacher Jahrgänge, würde sie aufs Altenteil schicken wollen? Wer beklagt nicht, andererseits, das traurige Los Maradonas, Schröders, Stoibers, die sich viel zu früh zurückgezogen haben?

Der Gegner des Boxers Maske übrigens, besagter Hill, lässt sich mit dem Satz zitieren, er werde auf eine Gelegenheit zur Revanche nicht zehn Jahre warten. Warum eigentlich nicht?

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.2
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