CSU Laptop und Latex
Wie die Landrätin Gabriele Pauli die CSU und Republik mit schrägen Fotos erregte.
Sie habe eben mal »etwas ganz anderes« machen wollen. So hat die Fürther Landrätin Gabriele Pauli jetzt erklärt, warum sie sich mit schwarzen Latex-Handschuhen (»Wir haben sie extra vorher noch eingeölt«) und aufgemalter Domina-Maske für die Zeitschrift Park Avenue hat ablichten lassen. Sie sieht das als Kampf für das Recht von Politikern, »echt zu sein und nicht alles, was sie sonst fühlen, denken, erleben wollen«, zurückstellen zu müssen. Diesem Zurückstellungszwang wollte sie sich nicht länger beugen. So kam es zu den Fotos und zu der Debatte, die auf dem Boulevard inzwischen als Sex-Schlacht um Gabriele Pauli firmiert.
Einen wird das besonders getroffen haben: Michael Höhenberger. Der Büroleiter des bayerischen Ministerpräsidenten war schließlich gestürzt, als öffentlich wurde, dass er im Privatleben der Stoiber-Kritikerin Pauli nach kompromittierenden Details gestochert hatte. Wir wissen nicht, wonach genau damals im Interesse des Freistaates gefahndet wurde. Aber man dürfte im Umfeld des Ministerpräsidenten wohl nicht im Entferntesten auf politisch verwertbares Material dieser Qualität gehofft haben. Nur so erklärt sich jetzt die ganze Wut der Söder und Co. Sie fühlen sich in ihren Ressentiments bestätigt und doppelt blamiert. Denn nun liefert Gabriele Pauli ja aus freien Stücken, was seinerzeit nicht aufzutreiben war. Nur jetzt ist es zu spät, sie politisch mundtot zu machen. Hätte Pauli bereits im Weihnachtsheft der Park Avenue dem Wunsch nachgegeben, einmal »etwas ganz anderes« zu machen die Geschichte Bayerns wäre anders verlaufen. Gabriele Pauli wäre eine exzentrische Landrätin geblieben, Höhenberger Büroleiter und Stoiber noch lange Ministerpräsident.
So aber, im Vorgriff auf sein politisches Ende, verspürt sogar Stoiber den Wunsch, einmal »etwas ganz anderes« zu machen. Gerade hat er in Vietnam einen Kranz am Grab von Revolutionsführer Ho Chi Minh niedergelegt. Ansonsten aber würde er auch noch eine Weile dem Zurückstellungszwang des normalen Politikers nachkommen. Und ein bisschen weiterregieren. Dabei ahnt er längst: Laptop und Latex, das ist nicht mehr sein Bayernland.
- Datum 21.11.2007 - 01:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.7
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