Wassermangel »Raubbau am kostbarsten Gut«
Alle reden vom Klimawandel, doch der globale Wassermangel ist viel bedrohlicher. Ein Interview mit Peter Brabeck-Letmathe, dem Vorstandschef des weltgrößten Lebensmittelkonzerns Nestlé
DIE ZEIT: Herr Brabeck-Letmathe, in jedem europäischen Supermarkt stehen ein paar Dutzend verschiedene Mineralwässer, aber eine Milliarde Menschen auf der Welt haben überhaupt kein Wasser. Ist es falsch verteilt?
Peter Brabeck-Letmathe: Wasser ist so verteilt, wie es verteilt ist. Ob das falsch oder richtig ist, müssen Sie die Natur fragen. Ich kann nur sagen, dass der Wasserverbrauch in der Welt viel zu hoch ist.
DIE ZEIT: Was meinen Sie damit?
Brabeck: Der Verbrauch von Wasser wächst derzeit doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung. Außerdem ist Wasser ein begrenzter Rohstoff, den wir heute schon aus fossilen Vorräten fördern…
DIE ZEIT: …also solchen, die sich nicht wieder regenerieren?
Brabeck: Ja, das ist genau wie beim Erdöl.
DIE ZEIT: Aber es gibt doch einen Kreislauf. Irgendwann regnet verbrauchtes Wasser wieder vom Himmel. Oder nicht?
Brabeck: Viele Flüsse führen bei großer Hitze schon heute weniger Wasser oder bleiben ganz trocken. Gehen Sie mal nach Kalifornien – da fließt kein Wasser hin, da wird es hingepumpt. Oder nach Indien auf die Getreidefelder des Punjab: Vor zehn Jahren musste man dort 90 Meter tief nach Wasser bohren, heute sind es 270 Meter. In Peking fällt der Wasserspiegel jeden Tag um einen halben Meter. Da kommt nichts zurück.
DIE ZEIT: Und woher kommt das Wasser dann?
Brabeck: Wir verbrauchen fossile Ressourcen, die zum Teil noch aus der letzten Eiszeit stammen. Und die füllen sich nicht wieder auf. Ein Beispiel sind die gigantischen Wasservorräte unterhalb der Sahara. Libyen hat den sogenannten man-made river gebaut, eine Pipeline mit 7,5 Meter Durchmesser, um dieses Wasser nach Norden auf seine Felder zu pumpen. Auch die USA zapfen im großen Stil ihre fossilen Vorkommen an. Das Wasser geht schneller weg als die Ölreserven, aber darüber spricht niemand.
DIE ZEIT: Wie lange reicht das Wasser noch?
Brabeck: Beim Erdöl sind es jetzt noch etwa 135 Jahre, wenn der Verbrauch so bleibt wie heute. Also viel länger, als die meisten denken. Beim Wasser ist die Lage unklar, aber da der Verbrauch viel schneller wächst als die Anzahl der Menschen, bin ich sehr besorgt.
DIE ZEIT: Welche Konsequenzen hat das?
Brabeck: In Europa leben ein paar Millionen Menschen, im Rest der Welt ein paar Milliarden. Indien und China beispielsweise müssen heute schon Getreide einführen, weil ihnen das Wasser für den Anbau ausgeht. Getreide braucht sehr viel Wasser, man benötigt eine Million Liter für eine Tonne. Der weltweite Getreidehandel ist nichts anderes als ein Handel mit virtuellem Wasser.
- Datum 04.04.2007 - 10:49 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.04.2007 Nr. 15
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Nestle als wahrer Retter der Menschheit!!! Welch überwältigende Charmekampagne!!! Und: Gentechnik - die Rettung der Menschheit!!!! Versuchen Sie mal, irgendein Lebensmittel zu kaufen, wo nicht irgendwo auf der Packung (Vorsicht: das gaaaaanz Kleingedruckte!) dieses Logo steht....fast schon hoffnungslos. Glück dem, der nen Garten hat, nebenan nen Bauern (Milch) und 1A Wasser aus der Leitung. In 50 Jahren wirds dank dieser Firma wohl nur noch Einheitsfraß à la 'Soylent Green' und 'Soylent Orange' geben. Alles, was der Mensch braucht, in einem Lebensmittel. Na Prost Mahlzeit!
Im Prinzip kein verkehrter Beitrag, doch ist das Eigeninteresse von Nestlé unverkennbar: Wasser, Genpflanzen und noch mal Wasser. Nestlé ist neben Monsanto ein solch gigantischer Global Player, der sich kräftig bemüht, die (Mit-)Kontrolle über die Grundnahrungsmittel und das Wasser zu bekommen. Wie dieser Beitrag deutlich macht, ist das eine strategische Entscheidung. Von solchen Unternehmen könnte in Zukunft das Überleben der Menschheit selbst – nicht nur derer Regierungen also – abhängen. Hier hat also mal ein ganz Mächtiger der Welt eine Audienz gegeben. Wir sollten seine Mahnung, dass die Menschen ohne Öl aber nicht ohne Wasser leben können, wörtlich, wenn nicht gar als Drohung verstehen, wenn auch nicht Wort für Wort alles blauäugig schlucken, denn auch – und gerade - bei Nestlé wird nur mit Wasser gekocht, wie er ja selbst eingestanden hat. Wobei wir beim Thema wären, das er überhaupt nicht erwähnt hat: Wo ist denn da die (nicht nur) technische Innovation, die das Kochen mit dem Eigenwasser der Pflanze (das Dämpfen also) wieder unters Volk bringt?
Trinkwasser kommt in der Natur gar nicht mehr vor, und so muss es mit immer höherem Aufwand an Energie von den zunehmenden Schadstoffen gereinigt werden. Wenn nun auch noch Treibstoff aus Getreide hergestellt wird, erwürgen die Kannibalenstaaten die benachteiligten Regionen mit Hungerkatastrophen und Wassermangel und Verlagerung des industriellen Schmutzes vollends. Das derzeitige System ist ein System zur Vernichtung von Menschen und Gottes Schöpfung.
Aber wie sollen Kannibalen , die diese Kultur seit bald 2000 jahren pflegen resozialisiert werden.
Ich lebe im Alpenraum, hier gibt es überall Trinkwasser. Unser Dorf hat zwei Quellen, wir könnten damit doppelt so viele Bewohner versorgen - hab sogar selber eine private -auf fast jeder Alm und Kuhweide entspringt ebenfalls bestes Quellwasser, da wird überhaupt nichts "verbraucht", alles ist im reinsten Kreislauf. Das Trinkwasser wird regelmäßg untersucht, das ist einwandfrei, da wird nicht aufbereitet. Was der Herr Brabeck hier so als Horrorszenario verkauft, sind die Zustände, wie sie in einigen Teilen der Welt herrschen, aber bei Gott nicht überall. Hier muss man schon ein bisschen differnzieren. Die Art der Landwirtschaft muss dem Standort angepasst sein, das ist der Punkt, davon war aber überhaupt nicht die Rede, was mich jetzt doch etwas wundert.
Ich lebe im Alpenraum, hier gibt es überall Trinkwasser. Unser Dorf hat zwei Quellen, wir könnten damit doppelt so viele Bewohner versorgen - hab sogar selber eine private -auf fast jeder Alm und Kuhweide entspringt ebenfalls bestes Quellwasser, da wird überhaupt nichts "verbraucht", alles ist im reinsten Kreislauf. Das Trinkwasser wird regelmäßg untersucht, das ist einwandfrei, da wird nicht aufbereitet. Was der Herr Brabeck hier so als Horrorszenario verkauft, sind die Zustände, wie sie in einigen Teilen der Welt herrschen, aber bei Gott nicht überall. Hier muss man schon ein bisschen differnzieren. Die Art der Landwirtschaft muss dem Standort angepasst sein, das ist der Punkt, davon war aber überhaupt nicht die Rede, was mich jetzt doch etwas wundert.
..ist eine Kommerzialisierung von Wasser und Ideen wie 'nur 25 Liter pro Person sind ein Menschenrecht' natürlich eine äußerst lohnende Ansicht. Konzerne wie Coca-Cola und Nestle versprechen sich satte Gewinne davon, Wasser an die Ärmsten der Armen auch noch teuer zu verkaufen.
Umso trauriger, dass die 'Zeit' auch noch eine Plattform für solche Aussagen bietet.
Motorradfan und Solariumjunkie Lekmate äussert sich nicht zum ersten mal in seinem geldgierigen Sinne
Liest man das Interview sorgfältig durch und guckt sich die Konsequenz an, so kommt man nicht drum herum, hier den Gipfel eines verbrecherischen Zynismus zu erkennen.
Was beim Emissionshandel (wer Kohle hat, dem wird Kohle gegeben) schon wie eine Kapitulation aller - inklusive roter, grüner und grünlicher - politischen Kreise vor kurzfristigen Verbesserungen vor dem Gott der Liberalen erscheint, dreht sich immer wilder.
Wetten wir, dass der Griff nach sauberer Luft von solch grauslichen [bitte beachten Sie die Kommentarregeln!; die Redaktion; fl] wie dem lackierten [bitte beachten Sie die Kommentarregeln!; die Redaktion; fl] Brabeck-Letmate mit derselben Insistenz vorangetrieben wird
...wütet nunmehr munter hier weiter, nachdem er im SPON-Forum die Hucke voll bekam
Seien wir ihm also dankbar, dem Herrn Brabeck-Letmathe für seine offenen Worte. Wir lernen vor allem eines: Was kann einem Konzern Besseres passieren als mit den absoluten Urbedürfnissen von Menschen Geld zu verdienen? 'Man kann ohne Erdöl leben, aber nicht ohne Wasser' - richtig!! Aus seinen Worten gibt es nur eine Konsequenz: Klare Opposition gegen alle Bestrebungen, die Wasserwirtschaft zu privatisieren. Noch ist Wasser hier in Deutschland für alle bezahlbar. Guter Film zum Thema: 'Wasser unterm Hammer'
Jürgen
Was in dem Artikel leider nicht angesprochen wurde ist die positive Reaktion vieler Pflanzen auf erhöhtes CO2.
Dies betrifft nicht nur die in vielen Fällen höheren Wachstumsraten, sondern auch eine besserer, sprich wirtschaftlicheren Wasserhaushalt. Es gibt dazu Hunderte von positiven Versuchen.
Hinzu kommt die Möglichkeit, wie derzeit in Indien versucht, Pflanzen durch Züchtung oder Genveränderungen besser auf weniger Wasserbedarf auszurichten.
Aber was kümmert dies alles die Umweltbewegung und unsere Politiker. Damit kann man keine Lorbeeren verdienen, dann schon eher mit angeblich kurz vor dem Aussterben sich befindende Eisbären.
Lomborg rechnete in seinem Buch „Apocalypse no“, aufgrund der Zahlen des IPCC vor, dass die jährlichen Kosten des Kyoto-Abkommens, bei dessen voller Erfüllung, etwas doppelt so hoch sind wie die Kosten für Wasser, Abwasser, Medizin und Schulbildung der gesamten Dritten Welt.
Und die bekanntesten Umweltökonomen wie Nordhaus und Tol, Hamburg, sind der Ansicht, dass es viel wichtigere Probleme derzeit gibt als CO2 in großem Maße zu reduzieren.
Sie sehen in einer besseren Versorgung und einem Anstieg des allgemeinen Lebensniveaus vieler Menschen eine bessere Chance, gegen einen Klimawandel in späteren Jahren etwas auszurichten als derzeit, wenn es denn notwendig wird.
Aber CO2 ist ja ein Klimakiller und ein Schadstoff, wie sogar das oberste Gericht der USA jetzt festgestellt hat.
Mit rationalem Denken und Handeln hat das alles nichts mehr zu tun.
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