Wassermangel »Raubbau am kostbarsten Gut«Seite 3/4

DIE ZEIT: Was folgt daraus?

Brabeck: 1950 gab es auf der Welt etwa 1,7 Milliarden Menschen. Das ist gar nicht lange her, da habe ich schon gelebt. Jetzt sind wir 6,5 Milliarden. Rechnen Sie sich selbst aus, wie viel Wasser diese Menschen essen.

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DIE ZEIT: Vor allem, weil mit steigendem Wohlstand üblicherweise auch der Fleischkonsum steigt.

Brabeck: Richtig. Solange die Chinesen vor allem Reis gegessen haben, war das eine Sache. Wenn sie nun stetig mehr Fleisch zu sich nehmen – und wer will ihnen das Recht dazu bestreiten –, kann das langfristig verheerende Folgen haben. Und alles nur, weil Wasser keinen Preis hat.

DIE ZEIT: Moment, jeder zahlt ja monatlich seine Wasserrechnung.

Brabeck: Das gilt vielleicht für die privaten Haushalte. Aber die Bauern in Südspanien zahlen nur drei Prozent der Summe, die die Haushalte zahlen. In Kalifornien sind es sogar nur zwei Prozent. In großen Teilen Italiens pumpen die Bauern ihr Wasser einfach hoch, und das war’s. Da wird nichts abgerechnet oder gezahlt. Oder Spanien: Dort gibt es keine Landwirtschaft wie in Deutschland, wo das Wasser als Regen vom Himmel fällt. Dass sich Spanien zum europäischen Lebensmittelgarten entwickelt hat, liegt größtenteils am praktisch kostenfreien Wasser.

DIE ZEIT: Viele sagen, Wasser sei ein Menschenrecht. Auch für Menschen ohne Geld.

Brabeck: Das ist blauäugig. Ja, Wasser ist ein Menschenrecht. Aber nur für, sagen wir, 25 Liter pro Person und Tag. Für die Tausenden Kubikmeter in privaten Swimmingpools oder die Landwirtschaft müssen andere Regeln gelten.

DIE ZEIT: Wasser muss teurer werden, damit das Menschenrecht gewahrt bleibt?

Brabeck: In Südafrika hat man das umgesetzt, dort hat neuerdings jeder das Recht auf 25 Liter kostenloses Wasser am Tag. Wer mehr will, muss dafür zahlen. Es gibt kein Menschenrecht auf einen vollen Swimmingpool.

DIE ZEIT: Dennoch ist der Schutz der Landwirtschaft wichtig. Ein Land, das seine Bauern für Wasser hohe Preise zahlen lassen würde, hätte gegenüber anderen Staaten einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Brabeck: Es ist aber nicht zu verstehen, warum wir die Privilegien von ein paar Millionen Menschen nicht antasten wollen und dafür Milliarden anderen die Chance nehmen, ihr Leben zu verbessern. Wir zahlen jeden Tag eine Milliarde Dollar an Landwirtschaftssubventionen. Für diese Summen könnte man jede Kuh in Europa first class um die Welt fliegen lassen und die Stiere gleich mit. Das ist europäische Landwirtschaftspolitik.

DIE ZEIT: Wenn Wasser einen höheren Preis hätte, würden auch die Produkte von Nestlé teurer. Wie erklären Sie das den Konsumenten?

Brabeck: Wegen des Ethanolbooms wird ja schon jetzt alles teurer. Die Preise für Mais und Weizen steigen, und das muss ich den Konsumenten auch erklären. Wenn aber Wasser einen Preis hätte, bestünde ein Anreiz, zu sparen und in bessere Infrastruktur zu investieren. Es müssen ja nicht überall diese riesigen Sprüh- und Bewässerungsanlagen stehen, so wie heute in Südeuropa. Man kann das Wasser auch direkt an die Wurzeln der Pflanzen bringen, ohne dass so viel verdunstet. Aber solche Bewässerungsanlagen kosten eben Geld.

Leser-Kommentare
  1. Nestle als wahrer Retter der Menschheit!!! Welch überwältigende Charmekampagne!!! Und: Gentechnik - die Rettung der Menschheit!!!! Versuchen Sie mal, irgendein Lebensmittel zu kaufen, wo nicht irgendwo auf der Packung (Vorsicht: das gaaaaanz Kleingedruckte!) dieses Logo steht....fast schon hoffnungslos. Glück dem, der nen Garten hat, nebenan nen Bauern (Milch) und 1A Wasser aus der Leitung. In 50 Jahren wirds dank dieser Firma wohl nur noch Einheitsfraß à la 'Soylent Green' und 'Soylent Orange' geben. Alles, was der Mensch braucht, in einem Lebensmittel. Na Prost Mahlzeit!

    • Devin
    • 04.04.2007 um 12:34 Uhr

    Im Prinzip kein verkehrter Beitrag, doch ist das Eigeninteresse von Nestlé unverkennbar: Wasser, Genpflanzen und noch mal Wasser. Nestlé ist neben Monsanto ein solch gigantischer Global Player, der sich kräftig bemüht, die (Mit-)Kontrolle über die Grundnahrungsmittel und das Wasser zu bekommen. Wie dieser Beitrag deutlich macht, ist das eine strategische Entscheidung. Von solchen Unternehmen könnte in Zukunft das Überleben der Menschheit selbst – nicht nur derer Regierungen also – abhängen. Hier hat also mal ein ganz Mächtiger der Welt eine Audienz gegeben. Wir sollten seine Mahnung, dass die Menschen ohne Öl aber nicht ohne Wasser leben können, wörtlich, wenn nicht gar als Drohung verstehen, wenn auch nicht Wort für Wort alles blauäugig schlucken, denn auch – und gerade - bei Nestlé wird nur mit Wasser gekocht, wie er ja selbst eingestanden hat. Wobei wir beim Thema wären, das er überhaupt nicht erwähnt hat: Wo ist denn da die (nicht nur) technische Innovation, die das Kochen mit dem Eigenwasser der Pflanze (das Dämpfen also) wieder unters Volk bringt?

  2. Trinkwasser kommt in der Natur gar nicht mehr vor, und so muss es mit immer höherem Aufwand an Energie von den zunehmenden Schadstoffen gereinigt werden. Wenn nun auch noch Treibstoff aus Getreide hergestellt wird, erwürgen die Kannibalenstaaten die benachteiligten Regionen mit Hungerkatastrophen und Wassermangel und Verlagerung des industriellen Schmutzes vollends. Das derzeitige System ist ein System zur Vernichtung von Menschen und Gottes Schöpfung.

    Aber wie sollen Kannibalen , die diese Kultur seit bald 2000 jahren pflegen resozialisiert werden.

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    Ich lebe im Alpenraum, hier gibt es überall Trinkwasser. Unser Dorf hat zwei Quellen, wir könnten damit doppelt so viele Bewohner versorgen - hab sogar selber eine private -auf fast jeder Alm und Kuhweide entspringt ebenfalls bestes Quellwasser, da wird überhaupt nichts "verbraucht", alles ist im reinsten Kreislauf. Das Trinkwasser wird regelmäßg untersucht, das ist einwandfrei, da wird nicht aufbereitet. Was der Herr Brabeck hier so als Horrorszenario verkauft, sind die Zustände, wie sie in einigen Teilen der Welt herrschen, aber bei Gott nicht überall. Hier muss man schon ein bisschen differnzieren. Die Art der Landwirtschaft muss dem Standort angepasst sein, das ist der Punkt, davon war aber überhaupt nicht die Rede, was mich jetzt doch etwas wundert.

    Ich lebe im Alpenraum, hier gibt es überall Trinkwasser. Unser Dorf hat zwei Quellen, wir könnten damit doppelt so viele Bewohner versorgen - hab sogar selber eine private -auf fast jeder Alm und Kuhweide entspringt ebenfalls bestes Quellwasser, da wird überhaupt nichts "verbraucht", alles ist im reinsten Kreislauf. Das Trinkwasser wird regelmäßg untersucht, das ist einwandfrei, da wird nicht aufbereitet. Was der Herr Brabeck hier so als Horrorszenario verkauft, sind die Zustände, wie sie in einigen Teilen der Welt herrschen, aber bei Gott nicht überall. Hier muss man schon ein bisschen differnzieren. Die Art der Landwirtschaft muss dem Standort angepasst sein, das ist der Punkt, davon war aber überhaupt nicht die Rede, was mich jetzt doch etwas wundert.

  3. ..ist eine Kommerzialisierung von Wasser und Ideen wie 'nur 25 Liter pro Person sind ein Menschenrecht' natürlich eine äußerst lohnende Ansicht. Konzerne wie Coca-Cola und Nestle versprechen sich satte Gewinne davon, Wasser an die Ärmsten der Armen auch noch teuer zu verkaufen.
    Umso trauriger, dass die 'Zeit' auch noch eine Plattform für solche Aussagen bietet.

  4. Motorradfan und Solariumjunkie Lekmate äussert sich nicht zum ersten mal in seinem geldgierigen Sinne
    Liest man das Interview sorgfältig durch und guckt sich die Konsequenz an, so kommt man nicht drum herum, hier den Gipfel eines verbrecherischen Zynismus zu erkennen.
    Was beim Emissionshandel (wer Kohle hat, dem wird Kohle gegeben) schon wie eine Kapitulation aller - inklusive roter, grüner und grünlicher - politischen Kreise vor kurzfristigen Verbesserungen vor dem Gott der Liberalen erscheint, dreht sich immer wilder.
    Wetten wir, dass der Griff nach sauberer Luft von solch grauslichen [bitte beachten Sie die Kommentarregeln!; die Redaktion; fl] wie dem lackierten [bitte beachten Sie die Kommentarregeln!; die Redaktion; fl] Brabeck-Letmate mit derselben Insistenz vorangetrieben wird

  5. ...wütet nunmehr munter hier weiter, nachdem er im SPON-Forum die Hucke voll bekam

  6. Seien wir ihm also dankbar, dem Herrn Brabeck-Letmathe für seine offenen Worte. Wir lernen vor allem eines: Was kann einem Konzern Besseres passieren als mit den absoluten Urbedürfnissen von Menschen Geld zu verdienen? 'Man kann ohne Erdöl leben, aber nicht ohne Wasser' - richtig!! Aus seinen Worten gibt es nur eine Konsequenz: Klare Opposition gegen alle Bestrebungen, die Wasserwirtschaft zu privatisieren. Noch ist Wasser hier in Deutschland für alle bezahlbar. Guter Film zum Thema: 'Wasser unterm Hammer'

    Jürgen

  7. Was in dem Artikel leider nicht angesprochen wurde ist die positive Reaktion vieler Pflanzen auf erhöhtes CO2.

    Dies betrifft nicht nur die in vielen Fällen höheren Wachstumsraten, sondern auch eine besserer, sprich wirtschaftlicheren Wasserhaushalt. Es gibt dazu Hunderte von positiven Versuchen.

    Hinzu kommt die Möglichkeit, wie derzeit in Indien versucht, Pflanzen durch Züchtung oder Genveränderungen besser auf weniger Wasserbedarf auszurichten.

    Aber was kümmert dies alles die Umweltbewegung und unsere Politiker. Damit kann man keine Lorbeeren verdienen, dann schon eher mit angeblich kurz vor dem Aussterben sich befindende Eisbären.

    Lomborg rechnete in seinem Buch „Apocalypse no“, aufgrund der Zahlen des IPCC vor, dass die jährlichen Kosten des Kyoto-Abkommens, bei dessen voller Erfüllung, etwas doppelt so hoch sind wie die Kosten für Wasser, Abwasser, Medizin und Schulbildung der gesamten Dritten Welt.

    Und die bekanntesten Umweltökonomen wie Nordhaus und Tol, Hamburg, sind der Ansicht, dass es viel wichtigere Probleme derzeit gibt als CO2 in großem Maße zu reduzieren.

    Sie sehen in einer besseren Versorgung und einem Anstieg des allgemeinen Lebensniveaus vieler Menschen eine bessere Chance, gegen einen Klimawandel in späteren Jahren etwas auszurichten als derzeit, wenn es denn notwendig wird.

    Aber CO2 ist ja ein Klimakiller und ein Schadstoff, wie sogar das oberste Gericht der USA jetzt festgestellt hat.

    Mit rationalem Denken und Handeln hat das alles nichts mehr zu tun.

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