Österreich Das Geschäft ihres Lebens

Wie die Familie Rumpold 6,6 Werbemillionen für den Eurofighter investierte

Verhandelt wird der größte Geschäftsfall der Zweiten Republik, die Beschaffung von 18 Kampfflugzeugen des Typs Eurofighter-Typhoon im Wert von fast zwei Milliarden Euro. Die Namen geheimnisvoller Waffenhändler tauchen auf, schrille und stille Vermittler sind geladen, die Ermittlungen stoßen auf mysteriöse Abkommen und eigenartige Lobbying-Praktiken. Seit fünf Monaten verfolgt ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss vergeblich den Verdacht, dass bei diesem Handel Bestechung und Parteienfinanzierung im Spiel gewesen sein könnten. Gewichtige Vorwürfe, die, sollten sie zutreffen, theoretisch das umstrittene Rüstungsgeschäft sogar wieder kippen könnten.

Inzwischen gleicht jedoch die Suche nach krummen Praktiken einer Groteske. Bloß ein beliebiger Tag im U-Ausschuss: 27. März 2007, LokalVI im ersten Stock des Hohen Hauses. Geladen ist wieder einmal Erika Rumpold, 37, Geschäftsführerin und 50-Prozent-Eigentümerin der Wiener Werbeagentur 100% communications und mittlerweile eine Schlüsselfigur der Affäre. Zur Debatte steht jener lukrative Auftrag über knapp 6,6 Millionen Euro, der dem PR-Unternehmen, das der ehemalige FPÖ-Werber Gernot Rumpold (nunmehr BZÖ) gemeinsam mit seiner Gattin Erika betreibt, vor fünf Jahren unversehens in den Schoß gefallen war. Seit Wochen ist der vergleichsweise geringe Geldfluss die heißeste Spur, die von den Parlamentariern verfolgt wird.

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Ein Koffer mit 30 Kilo an Belegen und ein kühnes Zahlenkarussell

Abermals wollen der Vorsitzende Peter Pilz von den Grünen und seine Kollegen wissen, wohin die Millionen aus dem Werbevertrag zwischen Erhard Steiniger, dem österreichischen Lobbyisten des Eurofighter-Herstellers EADS aus Ottobrunn bei München, und den Rumpolds tatsächlich geflossen sind. Die exzentrische ehemalige Anzeigenkeilerin – kurzgeschorenes Haar, schwarzes Kleid, Stöckelschuhe und Fußkette am linken Knöchel – ziert sich aber.

Es ist eine Szene wie vor dem heiteren Bezirksgericht: Der grüne Fraktionsleiter Werner Kogler stellt eine Frage. Erika Rumpold dreht sich zuerst nach rechts zu Verfahrensanwalt Gottfried Strasser und flüstert mit ihm. Sie dreht sich nach links zu ihrer Anwältin Huberta Gheneff-Fürst und flüstert mit ihr. Dann greift sie zum Mikro und grinst: »Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.« Und: »Das muss ich erst meinen Steuerberater fragen.« Oder: »Kann ich leider nicht sagen.« So geht das sechs Stunden lang, von 12.30 bis 18.30 Uhr.

Irgendwann beginnt das Publikum im Saal gelangweilt zu gähnen. Die Journalisten, die im Pressebereich hinter einer roten Kordel sitzen, notieren kaum, nagen an Äpfeln und Pfirsichen, die ein Parlamentsbediensteter ihnen reicht. Ausschussmitglieder tauschen vielsagende Blicke. Man nickt sich zu, schüttelt ungläubig den Kopf, verdreht die Augen, lacht gelegentlich herzhaft auf. Zum Beispiel dann, wenn Erika Rumpold erklärt, sie wisse nicht mehr, welche Landeshauptleute sie in Sachen Eurofighter hofiert habe. Oder wenn sie behauptet, einige bereits bezahlte Inserate für die Kampfjets seien gegen Gratissujets von »karitativen Einrichtungen« getauscht worden. »Welche denn?«, fragt Pilz streng nach. Antwort: »Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Caritas.«

All dies mag vielleicht witzig sein. »Aber in Wahrheit«, sagt Pilz, »ist das ein Fall für den Staatsanwalt.« Denn ein substanzieller Teil der exakt 6,598 Millionen Euro Werbebudget für die Eurofighter-Kampagne könnte, so mutmaßen Ausschussmitglieder, entweder auf blauen Parteikonten gelandet oder – noch schlimmer – zur Beeinflussung von politischen und militärischen Entscheidungsträgern verwendet worden sein. Von der Gesamtsumme lassen sich nämlich laut Steuerakt der Firma des Ehepaares Rumpold, der dem UAusschuss vorliegt, lediglich rund 2,3 Millionen Euro an effektiven Aufwendungen (Schaltkosten, Spesen, Honorare an Dritte) belegen. Für rund 4,3 Millionen, die den Rumpolds zuflossen, fehlen plausible Erklärungen.

Bis vor Kurzem erklärte Erika Rumpold einen Teil der Differenz mal so (2,86 Millionen Tantiemen), dann wieder so (2,2 Millionen Gewinnanteil). Doch am Donnerstag vergangener Woche, einen Tag nach ihrem Parlamentshearing, trat sie unter dem Druck der Vorhaltungen die Flucht nach vorn an. Und zwar in einem bühnenreifen Auftritt am Wiener Straflandesgericht. Anlass: Eine medienrechtliche Klage auf Gegendarstellung, die Erika und Gernot Rumpold von der Tageszeitung Österreich verlangen, die sich auf ihrer Titelseite über einen »6,6-Mio.-Schwindel« und »getürkte Rechnungen« empört hatte.

Diesmal tauchte Frau Rumpold in Begleitung eines Kofferträgers auf, der ein wuchtiges Gepäckstück schleppte. Laut Richterin Brigitte Zeilinger »mindestens 30 Kilo« schwer und angeblich mit Dutzenden von Ordnern voller Rechnungen gefüllt. Daraus ließe »sich die genaue Verwendung der lukrierten Millionen ablesen«, erklärte Frau Rumpold. Die Richterin verzichtete dennoch darauf, in den Belegen zu wühlen. Nun behauptete die Werbefrau allerdings: »Ich habe 3,2 Millionen Euro verdient. Und über drei Millionen Euro für Fremdaufträge – Lieferanten, Freelancer, Produktions- und Transportkosten – vergeben.«

Das freiheitliche Ausschussmitglied Ewald Stadler sieht das anders: »Unsere Rechnung ergibt belegbare Ausgaben von zirka 2,3 Millionen. Wenn Erika Rumpold sagt, ihr Gewinn habe etwa 3,2 Millionen betragen, dann bleibt immer noch eine Differenz von 1,1 Millionen. Abgesehen davon, dass die Steuerrechnung für die 100% communications und deren Eigentümer gewaltig sein wird, will ich wissen, was mit diesen 1,1 Millionen passiert ist.«

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Vielleicht schaffen es ja deutsche Jornalisten mehr Licht ins Dunkel zu bringen, da ja investigativer Journalismus in Österreich schon vor Jahren zu Grabe getragen wurde.
    Auch die Bawag Affäre und die Beziehungen Flöttl-Grasser-Meinl ist sicher einen hingucker wert! Die Zeit ist ja nicht von Meinl Inseraten abhängig.

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  • Quelle DIE ZEIT, 04.04.2007 Nr. 15
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  • Schlagworte Österreich | Jörg Haider | FPÖ | Thailand | Iran | Eurofighter | Euro
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