Brandenburg Hoffnungsträger a. D.

Vor einem Jahr stürzte Matthias Platzeck ab. Nun ist er zurück in Potsdam - und kokettiert mit einem Comeback.

Matthias Platzeck im Dezember 2006, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Matthias Platzeck im Dezember 2006, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Potsdam . Matthias Platzeck in seinem Element. Er redet, er doziert, er erklärt. Es ist einer dieser Termine, die er jeden Monat zu Dutzenden absolviert. Engagierte Landeskinder präsentieren ihre Arbeit, und Brandenburgs Ministerpräsident muss Hände schütteln, sich Sorgen anhören und neugierig Fragen stellen. Doch kaum lässt man ihn im Hörsaal der Fachhochschule Eberswalde ans Redepult, setzt er vor etwa 50 Studenten zu einer kurzen Spontanvorlesung in Sachen Klimapolitik an.

Über Biosprit spricht er, über ein geplantes CO2-freies Braunkohlekraftwerk in der Lausitz und über einen unterirdischen Kohlendioxidspeicher in der Nähe von Potsdam. Er verteidigt die Klimaziele der EU, mahnt aber gleichzeitig, man dürfe »den Bogen nicht überspannen«, schließlich »hängen an der Braunkohle 10000 Arbeitsplätze«. Typisch Platzeck, ein Modernisierer, der sich um Ausgleich bemüht – so hatte ihn auch die SPD schätzen gelernt, damals, als er vorübergehend ihr Parteivorsitzender war.

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Erst ein Jahr ist vergangen, seit Matthias Platzeck am 10. April 2006 in Berlin kreidebleich vor die Presse trat und seinen Rücktritt vom Parteivorsitz erklärte; für viele Sozialdemokraten war es ein Schock. Nach nur 143 Tagen im Amt war der Hoffnungsträger aus dem Osten, der Kanzlerkandidat in spe gescheitert. An seinem mangelnden Durchsetzungsvermögen gegenüber einem unwilligen Apparat, an einer zutiefst westdeutsch geprägten Partei, an der Doppelbelastung als Landes- und Bundespolitiker und in der Folge an seinem Körper. Kreislaufzusammenbruch, Hörsturz – von einem auf den anderen Tag war Schluss. Eine persönliche Niederlage? So würde Matthias Platzeck dies niemals nennen. »Es war eine Fügung«, sagt er.

Wäre Platzeck noch Parteivorsitzender, würde er bei einem Besuch in der Provinz von Termin zu Termin hetzen und müsste unterwegs noch die neuesten Arbeitslosenzahlen kommentieren oder den Fall Kurnaz. Doch statt der Fernsehkameras von ARD und ZDF erwarten den Ministerpräsidenten in Eberswalde nur das Stadtfernsehen und die Lokalzeitung. Da geht es dann um den Bau einer Müllverbrennungsanlage oder die Sperrung einer Bundesstraße. Platzeck verspricht, sich zu kümmern. Er hat Zeit, plaudert entspannt über sinkende Arbeitslosenzahlen und über Betriebe, die keine qualifizierten Mitarbeiter mehr finden. »Mir macht Landespolitik Spaß«, sagt er.

Muss man ihm das glauben? Enge politische Freunde sagen, Matthias Platzeck sei »mit sich im Reinen« und wieder ganz der Alte. Andere sind sogar »froh, dass er zurück ist«. Seine Wähler mögen ihn offensichtlich mehr denn je; drei von vier Brandenburgern erklärten kürzlich in einer Umfrage, Platzeck sei ein guter Ministerpräsident. Ganz so, als lasse ihn der krankheitsbedingte Rücktritt noch menschlicher erscheinen. Berlin ist vorbei, abgehakt, verdrängt. Platzeck geht wieder Joggen, mit seiner Freundin schlendert er Händchen haltend durch Potsdam und signalisiert: Schaut her, ich bin wieder einer von euch.

In der Hauptstadt hingegen bedauert kaum jemand, dass Matthias Platzeck nicht mehr da ist. Die Zeit an der Spitze war zu kurz, um Spuren zu hinterlassen. Nur jene, die mit Platzeck auf eine Erneuerung der SPD gesetzt hatten, vermissen ihn manchmal. Die Programmdebatte, die er selbst angestoßen hatte, läuft nun weitgehend an ihm vorbei. Nur einmal hat Platzeck im Herbst lautstark interveniert, aus Sorge, seine Thesen zum vorsorgenden Sozialstaat würden ganz aus dem neuen Grundsatzprogramm herausrutschen. Als die ostdeutschen Sozialdemokraten hingegen kürzlich auf einer Regionalkonferenz über das neue Programm diskutierten, fehlte Platzeck. Er hatte es kurzfristig vorgezogen, auf einem Parteitag der ungarischen Sozialisten ein Grußwort zu sprechen.

Leser-Kommentare
  1. Sobald Leser-Kommentare das rosarote multikulti Weltbild der Zeit hinterfragen werden Kommentare grundsätzlich abgeschaltet.

  2. Hier sind einige der Kommentare die vor der Löschung gerettet wurden - es sind nicht alle, sondern meine subjektive Auswahl:

    http://www.geocities.com/...

    • WillyF
    • 08.04.2007 um 23:18 Uhr

    Warum mit Platzek ein Problem (Beck) durch ein weiteres Problem (Platzek) ersetzen?

    Gibt es etwa keine bessere Alternative oder hat die SPD etwa mit Platzek und Beck das letzte Aufgebot bestellt?

    Das scheint leider so zu sein.

    Die CDU wird´s freuen.

  3. Matthias Platzek ist sicher ein guter Mensch und ein brauchbarer Ministerpräsident (zumal Brandenburg offensichtlich keinen besseren aufweisen konnte). Gleiches gilt für Kurt Beck und sein MInisterpräsidentenamt.

    Jeder sollte aber für sich wissen, wann es reicht und eine Nummer zu groß wird - auch für die betroffenen Bürger dieses Landes.

    'Berater' sind gut und schön - aber einen vernünftiegn eigenen Kopf sollte es schon haben. Und wer sich jetzt mit seiner Meinung zurückhält zu brennenden Problemen aus taktischen Gründen - der scheint wohl nicht der richtige zu sein.

  4. Platzek hin, oder her, viel interessanter wäre es zu erfahren warum dieser Werner Schiffauer alle Kommentare gelöscht hat:
    http://www.zeit.de/2007/1...

    Mit welchem Recht unterrichtet dieser Mann eigentlich noch an der Uni Viadrina? Braucht dieses Land Dozenten welche die Kommentare ihrer Leser löschen, weil sie ihnen nicht in den Kram passen? Was kann der den Studenten mitteilen? Wie man unliebsame Antworten wegzensiert?

    Dieser Werner Schiffauer gehört zu jenen rechthaberischen Wichtigtuern die keine Kritik vertragen.

    Noch mal, wer braucht so jemanden, und warum wird so einem auch noch eine Plattform geboten wo er seinen Krampf verbreiten darf?

    • SuFre
    • 09.04.2007 um 13:12 Uhr

    Was hat Schiffauer mit dem vorliegenden Beitrag zu tun? Wenn ich das richtig sehe, nichts.

    • Yadgar
    • 19.04.2007 um 23:16 Uhr

    Dann sollte sich Platzeck aber nach Möglichkeit seinen Bart wieder wachsen lassen, und zwar lang genug, damit er nicht nicht mit diesen al-ber-nen Staatssekretärsstoppeln a la Beck verwechselt wird ('Bärte sind talibanöser Müsli-Krampf, aber, tut mir leid, in meinem Job bin ich so turbo-engagiert, dass ich einfach keine Zeit zum Rasieren habe!') - wenn ich daran denke, wie er noch 1992 als brandenburgischer Umweltminister aussah, eine Zierde für jedes afghanische oder iranische Regierungskabinett, wow! Aber heute... traurig, traurig!

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