ZEITSPIEGEL Revolutionärer Tee
Russische Menschenrechtler haben eine neue Waffe gegen den autoritären Staat entdeckt: den Teebeutel. Bereits in 15 Städten trafen sich Protestierende gegen die Einschränkung der Versammlungsfreiheit zum subversiven Teetrinken. Ihre Solidarität gilt Menschen-rechtlern aus Noworossijsk am Schwarzen Meer, die zu Bußgeldern verurteilt wurden.
Sie hatten sich Ende Januar friedlich im Direktorenzimmer einer Noworossijsker Schule mit zwei deutschen Studenten zum Tee zusammen gesetzt, als Beamte der Migrationsbehörde und andere Gesetzeshüter den Raum stürmten und das Vergehen einer Missachtung der Anmeldepflicht für eine Versammlung konstruierten. Seit Jahren werden die Gesetze zu Versammlungen und Demonstrationen verschärft. In Moskau sollen künftig Aufmärsche in der Nähe historischer Denkmäler und mit mehr als zwei Personen pro Quadratmeter verboten werden. Versammlungen in Gebäuden sind unzulässig, wenn die Zahl der Teilnehmer die der Sitzplätze übersteigt. Die Organisatoren der »Tea-ins« informieren gehorsam aus ganz Russland die Stadtverwaltung von Noworossijsk im Voraus über ihre Teekränzchen. Damit nicht künftig das Oppositionsmotto lauten muss: Tee trinken und Polizei abwarten.
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- Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.2
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