MACHER & MÄRKTE Russland: Verboten

Am 1. April trat in Russland eine Verordnung in Kraft, die alles andere als ein Scherz ist: Das Handeln auf Märkten ist Ausländern ab sofort verboten. Die Regierung möchte die Migrantenströme verringern und zugleich russischen Staatsbürgern Plätze auf bisher von Ausländern beherrschten Märkten sichern. Allerdings kommen nur wenige Russen der Einladung nach. Die Arbeit ist vielen zu hart, der Lohn zu gering. Es fehlen ihnen die Kontakte der Chinesen zu den Zwischenhändlern billiger Textilien und Elektrogeräte. Zudem nimmt sich das Angebot ortsansässiger Kolchosen mit erdigen Kartoffeln und Möhren gegenüber den kunstvoll drapierten Obst- und Gemüseständen der Usbeken und Aserbajdschaner wenig verlockend aus.

Seit dem 15. Januar, als die Zahl der ausländischen Händler im ersten Schritt auf 40 Prozent begrenzt wurde, sind nur noch zwei Drittel aller Marktstände besetzt. Die verbleibenden Händler verteuern ihre Waren. Das trifft die russische Kundschaft. Manche Ausländer tauchen für einige Wochen ab und hoffen, dass alles bald in Vergessenheit gerät. Andere besorgen sich eine russische Strohfrau als Händlerin, sich selbst ernennen sie zum Ladearbeiter oder zur Putzkraft. Denn die Verordnung verbietet Ausländern auf dem Markt nur das Handeln. Tragen und aufkehren dürfen sie weiterhin.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.34
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Ausländer
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service