Es gibt sie tatsächlich, sie heißt Erla Stefánsdóttir. Ihr Amt: Sie ist »Elfenbeauftragte« beim Bauamt in der Hauptstadt Reykjavík, aber sie fühlt sich auch für Trolle, Gnome und anderes Huldofólk zuständig – so nennen die Isländer die für den Normalsterblichen unsichtbaren Wesen. Frau Stefánsdóttir hat eine »Landkarte der verborgenen Welt« erstellt, und bei größeren Bauvorhaben wird sie um ihre Meinung gefragt. Sie hat auch einige Pläne schon per Veto verhindert oder verändert: Der Elfenhügelweg zwischen Reykjavík und Kópavogur macht einen Bogen um einen angeblich von Elfen bewohnten Hügel; man wollte die Ruhe der Fabelwesen nicht stören, die sich wohl von Bau- und Verkehrslärm belästigt fühlen. In der Stadt Grundarfjörður blieb zwischen zwei Häusern ein von Fantasiewesen bewohnter Fels stehen und bekam sogar die Hausnummer 84.

Die Isländer sind zwar zu über 95 Prozent Christen, aber sie wurden spät missioniert, um das Jahr 1000. Und offenbar haben die Missionare auf die Bewohner der entlegenen Insel nicht restlos überzeugend gewirkt. Jedenfalls hält sich parallel zur christlichen Lehre der Glaube an Naturgeister. In Umfragen bekennt sich mehr als die Hälfte des Inselvolks dazu. Die protestantische Staatskirche protestiert manchmal, wenn der Aberglaube gar zu hohe Wellen schlägt, aber das schert die Leute anscheinend wenig.

Natürlich kann man davon ausgehen, dass die offiziellen Stellen in der Elfenbeauftragten auch eine folkloristische Einrichtung zur Förderung des Fremdenverkehrs sehen. So mancher Tourist bringt eine Elfenkarte als Souvenir mit nach Hause. Frau Stefánsdóttir, die auch ein Buch über Elfen und Trolle veröffentlicht hat, glaubt allerdings fest an die »feinstofflichen« Wesen, sie kann sie sehen und mit ihnen reden. Selbstverständlich kennt sie sich auch mit Wasseradern und Erdstrahlen aus, die ein Bauvorhaben beeinträchtigen könnten. Christoph Drösser

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