Unter drei

Erinnert sich noch jemand an Walter Mixa? Jenen katholischen Kirchenmann, der davor warnte, Kinder allzu früh in fremde Hände zu geben und Frauen so zu »Gebärmaschinen« zu degradieren? Groß war das Geschrei, nicht einmal sechs Wochen ist das her.

Und nun? Haben sich die verantwortlichen Politiker aus Bund, Ländern und Gemeinden fast geräuschlos darauf geeinigt, genau das zu tun, wovor Mixa warnte: das Angebot an Krippenplätzen erheblich auszubauen.

Die Revolution nimmt ihren Lauf. Oder wie Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sagt: Deutschland schickt sich an, »europäisches Niveau« zu erreichen. Bis 2013 soll für jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Betreuungsangebot geschaffen werden.

Tatsächlich weiß man nicht, worüber man sich mehr wundern soll: wie schnell die Dinge nun vorangehen oder wie lange sich in den alten Bundesländern nichts bewegt hat. Die Erklärung ist in beiden Fällen einfach. Während die Debatte über die Betreuung von Kleinkindern bis vor kurzem im Weltanschaulichen verharrte (Mütter oder Sozialismus!), hat sich die Wirklichkeit weiterentwickelt. Eltern arbeiten. Manche, weil sie wollen, andere, weil sie müssen. Ihrem Anspruch trägt die Politik nun Rechnung. Hinzu kommt eine steigende Zahl von Müttern und Vätern, die mit der Erziehung ihrer Kinder allein überfordert sind.

Auch ihnen ist mit einem Krippenplatz geholfen.

Ach ja, offen ist noch, wer genau die Revolution bezahlt. Aber das ist in diesem Fall zweitrangig. Wichtiger ist die Einsicht, dass es so wie bisher nicht weitergeht.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.2
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Kindergarten
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service