Wie lange darf ich noch an einen Baum pinkeln?

Der Artikel ist herzerfrischend! Endlich sagt es einmal jemand man fühlt sich von Verboten geradezu umstellt. Besonders befremdet mich immer wieder, mit welcher Intoleranz, Aggressivität und Häme die Kampagne gegen das Rauchen geführt wird. Raucher sind weder Kriminelle noch Asoziale, und die meisten von ihnen wären durchaus zu Kompromissen bereit, was man von den meisten Nichtrauchern nicht sagen kann. An den Feldzug gegen die armen (»Kampf«-)Hunde darf ich schon gar nicht mehr denken.

Lore Boas, Cappenberg

Ja mein Gott, gibt es denn noch solche Leute, die absolut nichts sehen wollen oder können, die sich für den Umweltaktienstand nicht interessieren und denen es scheinbar egal ist, wo wir mit unserer Welt voller Freiheiten hinsegeln?

Ich betrachte Ihren Artikel als Werbung für einen Blindenverein und in jeder Hinsicht überflüssig.

Hans Schaaf, Wain

Sie haben mir die Augen geöffnet. Bisher dachte ich, ich wäre im Recht, wenn ich hoffte, nicht länger an einem Langzeitkrebsexperiment teilnehmen zu müssen. Ich dachte, es ginge um meine Gesundheit und die von Millionen anderer. Aber Sie haben mir gezeigt, wer ich in Wirklichkeit bin: ein Robespierre, der den »Terror der Tugend« ausübt, ein Mitglied der »verbietenden Elite«, ein Feind von »Spaß« und »Vergnügungen« der »Proleten«, jemand, der seine »finsteren, zensurierenden und egalitären Urinstinkte auslebt«.

Robert Peters-Gehrke, Aachen

Kein Artikel der letzten Jahre hat mir derart aus der Seele gesprochen. Zur Verblüffung meiner Familie musste ich ihn sofort einrahmen und im Eingangsbereich aufhängen. Zum Leidwesen aller künftigen Gäste wird keiner mehr an ihm vorbeikommen so lange, bis er verboten wird - aber eher noch ein bisschen länger!

Gerald Vasel, per E-Mail

Wann kommt der Zeitpunkt, wo ich mich im Wald angstvoll umschauen muss, wenn ich an einen Baum pinkle, wann wird das freihändige Fahrradfahren auf einsamen Wegen verboten, weil ich stürzen und dann die Krankenkasse belasten könnte, wann wird mir verboten, meinen Hund in der Öffentlichkeit zu streicheln, wenn ich anschließend, ohne mir die Hände zu waschen, einem Freund die Hand schüttle? Wann wird das Lachen verboten, weil ich dabei den Mund öffne, Bakterien einatme und so die Volksgesundheit gefährde?

Ein befreundetes amerikanisches Ehepaar verzichtete am zweiten Tag seiner Reise durch Bayern darauf, unsere Barockkirchen zu fotografieren, und legte sich eine Fotosammlung von Verbotsschildern an. Der Amerikaner, ein praktischer Mann, schlug vor, doch ein einziges Schild aufstellen zu lassen: »Alles verboten« Ausnahmewünsche sind beim Bürgermeister einzureichen, gegen Gebühr.

Dietrich Leisching, Gilching

Das Gros der Realität wird von Ihnen in einem schwarzen Loch versenkt.

Verkehrstote und betrunkene Mitbürger, Klimaerwärmung alles unendlich weit weg. Dafür ist der billige Wochenendtrip nach Mallorca vorm Aussterben zu retten. Als Leser warte ich geduldig auf die ironische Wendung oder ein bisschen Humor. Doch Sie meinen es wirklich ernst.

Sie warnen abschließend vor der »größten Katastrophe« und denken vermutlich an durch unfähige Politiker drangsalierte Unterschichten, reden aber uraltem Egoismus das Wort.

Dr. Gereon Rogoss, Walluf

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.15 vom 04.04.2007, S.22
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