Symposion Die Weltmeisterschaft der klügsten Köpfe

Sind deutsche Forscher fit für den internationalen Wettbewerb? Beim 25. ZEIT-Forum der Wissenschaft diskutierten Experten über Nachwuchsförderung und die Chancen von Frauen in der Forschung

DIE ZEIT: Vor wenigen Tagen wurden hier in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die Leibniz-Preise verliehen. Das festliche Ereignis hatte einen bitteren Beigeschmack. Einer der Preisträger, der Potsdamer Klimaforscher Gerald Haug, ist gerade im Begriff, Deutschland zu verlassen. Abgeworben hatte ihn die ETH Zürich. Herr Osterwalder, wie locken Sie gute Forscher in die Schweiz?

Konrad Osterwalder: Es ist ein Grundprinzip der ETH, Dozenten in der ganzen Welt zu suchen. Mehr als die Hälfte der Forscher werden direkt berufen. So entsteht ein Umfeld, in dem sich zielstrebige und ambitionierte Menschen wohlfühlen.

Anzeige

Annette Schavan: Wir sollten nicht bei jedem Wissenschaftler, der in ein anderes Land geht, nervös werden. Wissenschaft wirkt global. Wir sind interessiert an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die aus anderen Ländern zu uns kommen. Und umgekehrt ist das auch so. Die Wissenschaft ist souverän. Sie muss entscheiden, was die richtigen Wege sind, um Spitzenkräfte nach Deutschland zu locken, aber auch um Spitzenkräfte hier zu halten. Die deutschen Universitäten kommen aus einer Tradition des Berufsbeamtentums, mit all dem, was damit verbunden ist. Es ist vermutlich schon lange Zeit, davon Abschied zu nehmen. Die Hälfte der Professorenstellen zu besetzen, ohne sie auszuschreiben, dafür kann man in Deutschland ja mal werben.

ZEIT: Herr Weiler, wie suchen Sie für die Ruhr-Universität Bochum exzellente Forscher?

Elmar Weiler: Wir haben gerade eine junge Kollegin in Bochum halten können, die einen Ruf an eine der exzellenten amerikanischen Privatuniversitäten erhalten hat. Da ging es nicht nur um Geld. Das Klima muss stimmen. Wir müssen für die besten Köpfe optimale Bedingungen schaffen. Und wenn sie die an einer anderen Universität finden, müssen wir überlegen, wie wir uns verbessern können.

ZEIT: Herr Stock, graust es Sie manchmal, wie die akademische Welt mit ihrer Exzellenz, mit ihren exzellenten Köpfen umgeht?

Günter Stock: Wenn ein Präsident für eine Universität gesucht wird, dann ist dies ein Vorgang, der fast unerträglich ist. In der Industrie hätten wir auf diese Weise natürlich niemals Mitarbeiter gesucht und eingestellt. Wir gehen auf gute Wissenschaftler zu. Es geht nicht an, dass man exzellente Leute ein Jahr lang im Unklaren lässt und dabei ihre Qualitäten öffentlich diskutiert.

Leser-Kommentare
  1. Hier meine eigene Erfahrung zum Thema Berufungen and deutschen Hochschulen und Attraktivitaet fuer Wissenschaftler aus dem Ausland.

    Bin selbst Deutscher, arbeite aber seit meiner Promotion 2000 in den USA, u.a. mehrere Jahre in Stanford. Habe mich Anfang des Jahres auf eine W-3 Stelle (Lehrstuhl) an der Uni Hannover beworben. Bewerbungen aus dem Ausland waren ausdruecklich erwuenscht.

    Ich bin dann auch prompt auf die Einladungsliste gekommen. Das heisst, 'Einladung' trifft es eigentlich nicht. Denn ich sollte meine Reisekosten selbst tragen. Nur der am Ende erfolgreiche Bewerber, so die Auskunft der Berufungskomission, bekomme auch seine Kosten erstattet.

    Nun kann man das in der Sache finden wie man will. Hier meine Gedanken:

    Zunaechst mal ist Hannover nicht Harvard, und selbst in Harvard werden solche Kosten ganz selbstverstaendlich uebernommen. Wie man also in Hannover unter solchen Bedingungen international konkurrenzfaehig sein will, ist ein grosses Raetsel.

    Dann waere da noch das Problem, dass Professuren in Deutschland ueblicherweise von Rechts wegen ausgeschrieben werden *muessen*. Wenn es nun die Uni aber nichts kostet, kann sie problemlos beliebig viele 'Alibi-Kandidaten' einladen, die von vorneherein keine Chance haben, weil der Wunschkandidat schon lange feststeht. Meiner Meinung nach ist das arg nahe am versuchten Betrug.

    Soweit so gut. Ich habe dann jedenfalls die 'Einladung' dankend abgelehnt. Habe auch direkt allen meinen Kollegen von dieser Erfahrung erzaehlt und allenthalben Kopfschuetteln geerntet. Von denen wird sich sicher so bald auch keine in Deutschland auf eine Professur bewerben.

    Bleibt mir nur eins zum Abschluss zu sagen:

    'Herzlichen Glueckwunsch, Pappnasen!'

    Mit besten Gruessen aus Kalifornien.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service