Afghanistan Erst bombardieren, dann verhandeln
In Afghanistan läuft eine Nato-Offensive gegen die Taliban. Gleichzeitig sucht die Regierung in Kabul das Gespräch mit ihren Erzfeinden.
Ein Nato-Soldat trifft auf eine verhüllte Afghanin, Kabul 2007
Außenpolitische Fortune hat Kurt Beck wahrlich nicht. Er fuhr nach Afghanistan, sah sich um und sagte: Man solle über eine neue Friedenskonferenz nachdenken, und dabei müsse man doch auch mit den Taliban reden. Daraufhin ergoss sich über den Parteivorsitzenden der SPD Hohn und Spott. Am schärfsten äußerte sich Afghanistans Außenminister, Dadfar Spanta. Der Deutschlandkenner Spanta warf Beck Ahnungslosigkeit vor. »Zu behaupten, dass wir in Afghanistan moderate und nichtmoderate Taliban hätten, wäre so ähnlich, wie wenn ich von Kabul aus sagen würde, man sollte in Rheinland-Pfalz mit einer moderaten NPD eine Koalition schließen.«
Drei Tage nach Becks unglücklichem außenpolitischem Vorstoß kamen aus Afghanistan folgende Nachrichten: Sechs kanadische Nato-Soldaten starben bei einem Bombenanschlag; Adschmal Nakschbandi, der Übersetzer des von Taliban entführten und später freigelassenen Journalisten Daniele Mastrogiacomo, wurde von seinen Kidnappern enthauptet; zwei französische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation wurden ebenfalls von den Taliban entführt; in der Hauptstadt Kabul sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss sechs Menschen mit sich in den Tod.
Ein Bombenanschlag, eine Enthauptung, eine Entführung, ein Selbstmordattentat – das sind Zeichen dafür, dass sich der Konflikt in Afghanistan zunehmend »irakisiert«. Das würde bedeuten, dass Afghanistan zu einem Desaster für den Westen werden kann, wie es der Irak nachweislich schon ist. Kurzum: Der Kontext von Becks umstrittenem Vorschlag hat sich binnen kürzester Zeit radikal verändert.
Macht ihn das besser?
Becks Vorstoß hat mit Sicherheit innenpolitische Motive. Als er von der Friedenskonferenz unter Einbeziehung der Taliban sprach, flogen gerade deutsche Tornadoflugzeuge an den Hindukusch, um dort – wie ihr Auftrag heißt – Aufklärung zu betreiben. 69 Abgeordnete der SPD hatten gegen diesen Einsatz gestimmt, das ist fast ein Drittel der Fraktion. Beck hatte also Anlass, die eigenen Leute zu beruhigen. Er wählte dafür eine effektvolle, öffentliche Bühne in Afghanistan. Damit richtete er jedoch nach Überzeugung der meisten Experten Schaden an.
»Dieser Vorschlag kommt in jedem Fall zu einem falschen Zeitpunkt«, sagt Citha D. Maass von der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik. Tatsächlich läuft im Süden Afghanistans die Operation Achilles der Nato. 4500 Soldaten sind daran beteiligt. Es ist die größte militärische Operation seit 2001. Ihr Ziel ist es, die Taliban militärisch zu schwächen. Dass Beck die Taliban in einem solchen Moment politisch »aufwertet«, untergräbt diese Bemühungen. Das erklärt auch die zornigen Bemerkungen des afghanischen Außenministers.
- Datum 11.04.2007 - 08:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.04.2007 Nr. 16
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'Erst schießen, dann fragen' ist seit den Tagen des Wilden Westens das Grundmotto der USA-(Außen)Politik.
Warum sollten die US-Laufburschen der Karsai-Regierung anders handeln?
Der Vergleich des afghanischen Außenministers der Tailban mit der NPD hinkt insofern, als dass die NPD eine für afghanische Verhältnisse hochorganisierte Partei ist, während 'Taliban' bei näherer Betrachtung kaum mehr ist als ein Sammelbegriff für bewaffnete Oppositionsgruppen mit den unterschiedlichsten Motiven. Insofern hat Herr Ladurner natürlich recht, wenn er differenziert - Omar und Dadullah als Hardcore-Taliban im engeren Sinne, mit denen zu verhandeln von vornherein sinnlos ist, und die nicht primär oder auch überhaupt nicht vom Ultra-Islamismus a la Haqqaniya und Deobandis motivierten sonstigen Militanten...
mit Klima versteht sich.
ein Land befrieden zu wollen, das eine Befriedung nach westlichen Vorstellungen mehrheitlich nicht wuenscht!
Islamisch gepraegte Laender wuenschen zur Zeit nicht, nach Vorstellungen und Ideen des Westens zu leben!
Das sollte der Westen zur Kenntnis nehmen!
Wenn hier und da mal eine Frau aus der Unterdrueckung befreit, jubelt man hier allzu schnell!
Einen Tag spaeter werden dutzende von ihnen durch Bomben zerfetzt!
Fuerchtet niemand die sizilianische Vesper, die auch irgendwann in Afghanistan kommen wird??!!
Ich fordere die westlichen Regierungschefs auf, von ihrem Starrsinn abzugehen, der doch wohl nur Hitler abgeschaut ist:
wir muessen siegen!
Das Gebot der Stunde heisst Rueckzug!
[es wäre nett, wenn Sie in Ihren Posting versuchen könnten andere politische Vergleiche als die mit der NS-Diktatur zu finden/ Redaktion]
heute wurden schon wieder 35 Tote gemeldet. Es liegt in der Natur der Dinge, dass das Töten um Besatzung und Unterdrückung gewaltsam aufrechtzuerhalten Mord ist, und diejenigen die das zu verantwortworten haben sind Verbrecher und eine Schande für die Demokratie, die sie missbrauchen,
diese Dinger sind ziele für tragbare neue Waffen und Todesfallen für die Besatzungen in dieser unübersichtlichen Region. Panzer machen nur Sinn in ganz offenem Gelände, alleine der Versuch ihres Einsatzes in Afghanistan ist ein militärischer OffenbarungsEid
...bei der Redaktion und den Leser der ZEIT, die geringste Ahnung, um was es in Afghanistan geht?
Wuesten, wo man (einschliesslich aber nicht nur AlQuaida) Traingslager unterhalten kann, gibt es in Massen auf der Welt.
Vielleicht haben manche Recht, dass die Araber die 'englischen' Demokratie-Ideen ablehnen (wie in Iraq), oder wenistens keine Lust haben, sich dafuer einzusetzen.
Genau wie in Zentral Europa man die freie Marktwirtschaft 'erledigen' will.
Aber heisst das wirklich, dass Frauen zu iren frueheren Veraeltnisssen zurueckkehren wollen? In den US, in Europa, in Afghanistan? Und in Saudi Arabien zufrieden sind solange der Oel Reichtum Chauffeure liefert?
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