Ökologische Geldanlage Darlehen für den KuhstallSeite 3/3
Ins Geschäft mit grünen Wertpapieren will die GLS Bank seit einigen Wochen einsteigen. Mit »großem Potenzial«, wie Thomas Goldfuß, Leiter der GLS-Vermögensberatung, sagt. Aber nur wer nach einem komplizierten Auswahlverfahren übrig bleibt, wird in das »Anlageuniversum« aufgenommen. Goldfuß klickt sich bei der Auswahl durch seine Excel-Tabellen mit Hunderten von Firmen, manche Einträge haben einen grünen Streifen. Das sind die Unternehmen, die ein Beratungsinstitut nach ökologischen und sozialen Richtlinien für gut befunden hat. Von diesen wiederum werden nur die wirtschaftlich stärksten und aussichtsreichsten vom Anlageausschuss der GLS Bank ausgewählt. »In diese Unternehmen legen wir dann das Geld unserer Kunden an oder investieren selber«, sagt Goldfuß. Als einziges Autounternehmen ist Renault dabei. Die Franzosen bauen umweltschonendere Autos als die Konkurrenten aus Deutschland oder Japan. Toyota beispielsweise ist aus dem »Universum« geflogen, trotz des gerade auf den Markt gekommenen sparsamen Hybridautos Prius, das nur ein Feigenblatt sei. Die anderen Modelle der Japaner verbrauchen nach Ansicht der GLS Bank zu viel Sprit.
Wie aber geht die Bank mit Grauzonen um? Beim Computerhersteller Dell sei nicht auszuschließen, dass Hardware auch ans Militär geliefert würde, sagt Goldfuß. »Aber irgendwo müssen wir bei Konzernen dieser Größe realistisch bleiben. Und Dell ist kein Rüstungsbetrieb.« Nicht dabei ist aber der Windturbinenbauer Repower, weil dessen Mutterkonzern in französische Kernkraftwerke investiert.
Bald will Goldfuß die Finanzen von vermögenden Privatkunden und Stiftungen managen, aber nur wenn diese an verantwortungsvollem Investment interessiert sind. Der GLS Bank zufolge gehen Marktforscher von einem Potenzial von mehreren Zehntausend Anlegern aus.
Noch deutlich größer dürfte der Adressatenkreis bei einer weiteren Aufgabe der Bank sein – dem Schenken. Dabei beruft sich die Bank auf die unkonventionelle Geldlehre von Rudolf Steiner. Der hatte vor rund hundert Jahren die Anthroposophie (die Weisheit vom Menschen) begründet. Heute werden nach dieser Weltanschauung Waldorfschulen, Biosupermärkte und andere Einrichtungen betrieben. In Steiners Geldlehre geht es vor allem um Kaufgeld und Leihgeld. Das eine brauchen die Menschen, um Handel zu treiben, das andere bekommen sie von der Bank. Und schließlich gibt es laut Steiner das Schenkgeld. Es wird benötigt für die Künste und die Kultur. Beide könnten niemals auf eigenen Beinen stehen, ohne sich selbst zu verraten. Vor diesem Hintergrund dürfen sich laut Steiner diejenigen, die sich mit Geld beschäftigen, dem Schenkgeld nicht verweigern, um ganzheitlich zu handeln. Deshalb schenkt auch die GLS Bank. Sie hat eine Treuhandstelle aufgemacht, die Bildungsprojekte finanziert oder Menschen in Not beschenkt. Aber auch im direkten Bankgeschäft spielt das Schenken eine Rolle. So können Anleger Projekte beschenken. Dann vergibt die Bank zum Beispiel ein Darlehen an einen Bioladen, das von den Schenkenden Stück für Stück abgetragen wird. Profiteur ist dann der Bioladenbesitzer. Kreditberater Marcks sagt dazu: »Manchmal schicken wir gemeinnützige Initiativen direkt zur Treuhandstelle der GLS Bank, um sich Geld geben zu lassen.« Das ist selten in dieser Branche.
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- Datum 22.04.2007 - 14:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.04.2007 Nr. 16
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