Grundeinkommen Nie wieder Hartz IV

Schluss mit Arbeitszwang und Sozialbürokratie: Unternehmer und Ökonomen, Rechte und Linke träumen vom Grundeinkommen für alle. Ist das machbar – und wünschenswert?

Leipzig, Peterskirche. Ein bitterkalter Abend Ende März. Es hat noch einmal geschneit. Ein paar Hundert Menschen haben sich davon nicht abschrecken lassen und sind durch Schnee und Kälte in die Kirche gestapft – angezogen von einer revolutionären Idee.

Die Menschen in der Kirche wollen etwas von einer neuen Gesellschaft hören. Von einer anderen Gesellschaft als der da draußen. Die erscheint ihnen ziemlich trostlos. Trotz Aufschwung sind mehr als vier Millionen Menschen arbeitslos. Allein in Leipzig konkurrieren 66000 Arbeitsuchende um 5000 gemeldete Stellen. Arbeitslose werden in Ein-Euro-Jobs gezwungen. Penible Beamte kontrollieren, wer mit wem zusammenlebt und wer arm genug ist für die Hartz-IV-Hilfe. Mehr als sieben Millionen Bundesbürger hängen am Tropf dieser Sozialleistung. Sie lebten im »offenen Strafvollzug«, meint der Mann, der an diesem Abend in der Peterskirche spricht.

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Der so hart urteilt, heißt Götz Werner. Er ist Gründer der Drogeriekette dm, Milliardär und seit einigen Jahren ein besonders emsiger Verfechter eines umstürzlerischen Gesellschaftsmodells – der Idee eines allgemeinen Grundeinkommens. Jeder Bürger, ob jung oder alt, soll Geld vom Staat kriegen, ohne etwas dafür tun zu müssen. 800 Euro im Monat, vielleicht sogar 1500 Euro. Ein festes Einkommen, für das man nicht arbeiten muss. So wie Hartz IV und doch ganz anders, ohne Prüfung der Bedürftigkeit. Ohne jede Bedingung.

Eine irrsinnige Idee? Jedenfalls hat sie prominente Anhänger gefunden. Viele. Ihre Liste wird immer länger. Marktliberale Ökonomen wie der Präsident des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, werben ebenso dafür wie die Arbeitsloseninitiative von Henrico Frank, der berühmt wurde, weil SPD-Chef Kurt Beck ihm riet, er solle sich waschen und rasieren – und durch einen Button mit der Aufschrift »Arbeit ist Scheiße«. Auch ein Praktiker des Jobabbaus wie Unternehmensberater Roland Berger (»Arbeit ist teuer«) ist dafür, ebenso wie die Vizechefin der Linkspartei/PDS, Katja Kipping, oder CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus aus Thüringen.

Die Befürworter eines Bürgergelds haben in den vergangenen Wochen wissenschaftliche Expertisen vorgelegt, die zu dem Schluss kommen: Die Utopie des bedingungslosen Grundeinkommens ist realisierbar und finanzierbar.

In der Peterskirche erklärt Milliardär Werner das so: »Ich bin noch mit dem Slogan aufgewachsen ›Denk daran, schaff Vorrat an‹.« Damals sei der Mangel allgegenwärtig gewesen. »Und erinnern Sie sich noch, wie lange Sie hier im Osten auf einen Trabi warten mussten?« Heute sagten Automobilmanager, sie könnten problemlos 15 Millionen Autos mehr produzieren, es fehlten nur die Käufer. »Stellen Sie sich mal vor«, ruft Werner in das Kirchenschiff, »Honi hätte das vor 20 Jahren gesagt!« Gelächter. Dann fährt Werner ernst fort: »Wir haben einen historischen Punkt erreicht – die Überwindung des Mangels!«

So bunt, wie die Anhängerschaft ist, so verschieden sind die Argumente, die für das Grundeinkommen ins Feld geführt werden. Drei Gedanken tauchen immer wieder auf: erstens die Feststellung, dass sich dank des technischen Fortschritts die Grundbedürfnisse aller Bürger mit geringem Aufwand befriedigen ließen. Zweitens, dass es immer weniger Erwerbsarbeit bedürfe. Deshalb sei das Ziel der Vollbeschäftigung, auf das die Sozialsysteme ausgerichtet seien, nun wirklich utopisch. Und drittens, dass der heutige Sozialstaat seine Bürger gängele, sich in ihr Privatleben einmische und sie wie Bittsteller behandele. Wahre Freiheit schaffe nur das Grundeinkommen.

Leser-Kommentare
  1. Hallo,

    ich bin neu hier, habe mich extra angemeldet um zu DIESEM Artikel etwas schreiben zu können. Sehr schön ausgewogen mit Für und Wider, ich würde nur noch das Argument von Naja hinzufügen, dann wäre er noch einen Tick perfekter.

    Für SOLCHE Artikel liest man DIE ZEIT, ich bin ganz hin und weg und habe den Link erstmal weiter verteilt, eine kürzere und knackigere Zusammenfassung eines SO komplexen Themas habe ich noch nicht gelesen.

    Weiter so!!!

    Ralf Wenzel aus Hamburg

  2. und möglichst irgendwohin, wo es keinen internetanshluss und möglichst 99% muslimischen anteil in der bevölkerung gibt.

    keine panik: die sind gastfreundlich, niht jeder von enen ist weienrlich oder hat nen säbel/bombe unterm kaftan.

    hasta la vista, erwin!

    • iceman
    • 12.04.2007 um 21:05 Uhr

    Wenn wir ein solches 'Modell' in die Realität umsetzen würden, dann würde dieses Land innerhalb der nächsten drei Generationen vollständig kaputt gemacht werden, und zwar durch eine hoffnungslos rückständige Unterschicht [entfernt wegen ausländerfeindlicher, rassistischer Wortwahl/ Redaktion]
    Bürgergeld lässt sich - wie so vieles Schöne und Gute - nur dann umsetzen, wenn das in einem System mit aufgeklärten und verantwortungsbewussten Menschen geschieht.
    Um eine radikale Ausbeutung sozialer Wohltaten zu verhindern, benötigt man Menschen mit Bildungsbewusstsein, Anstand und gesundem Patriotismus.
    Solche Tugenden müssen über einen langen Zeitraum eingeübt werden, sie fallen nicht vom Himmel.
    Das Schmerzhafte im Falle Deutschlands ist, dass wir das alles schon hatten!
    Die Mentalität der Deutschen ging bereits Richtung skandinavisches Modell:
    hoher Wohlstand und hohe soziale Gerechtigkeit - verbunden mit hohem Bildungsbewusstsein und Leistungsfähigkeit.
    Aber das wurde zerstört durch eine global einmalig dämliche Zuwanderungspolitik, und auch durch die niedrige Kinderquote der Bildungsschicht.

    Es ist vorbei!

    Inzwischen haben wir in Deutschland ganz einfach nicht mehr das 'Personal', um solche Modelle umzusetzen.
    Es geht zu allerletzt um die von Kolja Rudzio genannten 'Zahnärzte', die sich über eine niedrige flat tax-rate freuen würden.
    Nein, es geht um die faulen, ignoranten und intoleranten [s.o./ Redaktion] Couch-Potatoes, die, völlig abgeschottet von der Moderne, ihren dümmlichen und buschniggahaften Männlichkeitsstolz über die Ausbringung möglichst vieler Nachkommen zur Schau stellen, die später ihrerseits nur zur Last fallen.

    Die grosse Frage ist:
    Was sollen eigentlich solche pubertären Artikelchen???
    Was für eine Motivation steckt dahinter, welch ein Gedankengut, was für eine dumpf-naive Weltanschauung, und was für ein Mangel an sozio-ökonomischen Kenntnissen bzw. Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen?

    Kann es sein, dass überhaupt nicht mehr nachgedacht wird, wenn jemand etwas für die ZEIT schreibt, dass Sinngehalt gar nicht mehr gefragt ist, es wirklich NUR NOCH um eine (An-) Reizung des Lesers geht?
    Oder liegt die tiefere Ursache für einen solchen Schwachsinnsartikel nur in der Psychologie des Autors, am infantilen Reiz der Zerstörung des 'Systems', wie er von so vielen Migrationsstämmigen empfunden wird (selbst wenn sie sich selber schon etabliert haben)?
    Meine Hoffnung:
    [da hat sich wohl jemand sehr in der Wortwahl vergriffen, daher entfernt/ Redaktion]

  3. Sollte dieses Projekt umgesetzt werden, kollabiert unsere Volkswirtschaft in kürzester Zeit. Damit einhergehend Hyperinfliation. Und schon bin ich die Hypothek für mein Häuschen los.

    Denn was diese sogenannten 'Wissenschaftler' ausgeheckt haben ist Quatsch mit Soße. Allein die Behauptung, dass die Sozialbürokratie eingespart würde beweist deren absolute Weltfremdheit. Das Gegenteil wird der Fall sein, die Bürokratie wird fröhliche Urständ feiern.

  4. 5.

    Dieser Kommentar disqualifiziert sich selbst. Wer in so offenkundig fremdenfeindlicher Manier schreibt, bezeugt damit selbst seine Unkenntnis einer modernen multikulturellen Gesellschaft. Diesen Mangel dem Autor eines so ausgewogenen Artikels vorzuwerfen ist infam.

  5. Probleme, die durch eine Fixierung auf den Fetisch Geld und damit einhergehende In(geld)wertsetzung aller Dinge entstanden sind, lassen sich nicht mit Geld lösen. Mehr habe ich um diese Urzeit dazu nicht zu sagen.

    v.

  6. es ist alles eine Frage des Standpunktes.
    Iceman bewertet den Vorschlag des bedingungslosen Grundeinkommens vom Standpunkt der Realität aus. Und da hat er in jedem Punkt recht.
    Sie bewerten es vom Standpunkt der linken multikulturellen, jede Wirklichkeit verleugnenden, Spinnerei aus. Und da haben Sie Recht.
    Und damit Ihr Weltbild keine Risse bekommt, empfehle ich dringend die Kriminalstatistik, die Arbeitslosenstatistik zu ignorieren.
    Auch die Tatsache, dass 25% der Türken in Berlin die Schule ohne Abschluss verlassen, sollten Sie konsequent ausblenden.
    Danke.

  7. ... ist wenige Jahre vor dem Ende. Aber solche Modelle sind ebenfalls nicht tragbar. Wenn jeder 1500 Euro bekommt geht keiner mehr arbeiten. Viele verdienen jetzt gerade einmal so viel oder weniger. Wer soll das bezahlen? Ein auf dem Geldkreislauf basierendes System kann so nicht funktionieren. Wer will den Sozialismus?

    Solche Wünsche sind Alarmzeichen. Sollte es zu einem Umsturz kommen werden Staatsanleihen und Versicherungsprodukte platzen wie Seifenblasen. Man sollte sein Geld rechtzeitig in Sicherheit bringen.

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